Der Jahresabschluss 2024 der KGE Windpark Schipkau-Nord GmbH & Co. KG liest sich wie ein Lehrstück über die Risiken großer Windparkprojekte. Zwar verfügt die Gesellschaft über einen der größten Onshore-Windparks Brandenburgs mit 27 Anlagen und einer installierten Leistung von 89,1 Megawatt. Dennoch verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage weiter. Der Jahresfehlbetrag steigt deutlich an, das Eigenkapital bleibt tief im negativen Bereich und die Finanzierung hängt weiterhin maßgeblich von Gesellschafterdarlehen ab. Positiv ist hingegen, dass der operative Betrieb technisch stabil läuft und die Bankfinanzierung bislang ordnungsgemäß bedient werden konnte. Für Anleger ergibt sich damit ein zwiespältiges Bild.
Deutlich höherer Verlust belastet die Bilanz
Der größte Kritikpunkt aus Anlegersicht ist die Ertragsentwicklung. Der Jahresfehlbetrag erhöhte sich von 4,61 Millionen Euro auf 8,62 Millionen Euro und hat sich damit nahezu verdoppelt. Gleichzeitig verschlechterte sich das Betriebsergebnis von einem Gewinn in Höhe von rund 1,88 Millionen Euro auf einen operativen Verlust von knapp 1,8 Millionen Euro.
Als Hauptursache nennt die Gesellschaft das außergewöhnlich schwache Windjahr 2024. Das Windaufkommen lag nach eigenen Angaben rund 25 Prozent unter dem langjährigen Mittel, wodurch die Stromproduktion deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Umsatzerlöse sanken infolgedessen von 19,18 Millionen Euro auf 14,50 Millionen Euro.
Diese Erklärung ist grundsätzlich plausibel. Windparks sind naturgemäß vom Wetter abhängig. Dennoch zeigt der Abschluss eindrucksvoll, wie stark einzelne schlechte Windjahre die Wirtschaftlichkeit eines hoch fremdfinanzierten Projekts beeinträchtigen können.
Negative Eigenkapitalbasis wächst weiter
Besonders kritisch bleibt die Eigenkapitalsituation.
Die Gesellschaft weist weiterhin kein positives Eigenkapital aus. Stattdessen ist der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag innerhalb eines Jahres von 36,9 Millionen Euro auf 45,5 Millionen Euro angewachsen. Damit ist die Gesellschaft bilanziell weiterhin überschuldet. Dies wird im Lagebericht ausdrücklich eingeräumt.
Zwar bedeutet eine bilanzielle Überschuldung bei langfristig finanzierten Projektgesellschaften nicht automatisch eine Insolvenz, dennoch signalisiert sie eine dauerhaft angespannte Vermögenslage.
Hohe Verschuldung bleibt das zentrale Risiko
Die Finanzierung erfolgt nahezu vollständig über Gesellschafterdarlehen.
Zum Jahresende beliefen sich diese auf insgesamt 131,2 Millionen Euro. Besonders auffällig ist dabei das nachrangige Gesellschafterdarlehen von mittlerweile 59 Millionen Euro. Für dieses Darlehen konnten die vereinbarten Zinsen auch 2024 erneut nicht vollständig gezahlt werden. Nicht geleistete Zinsen wurden stattdessen dem Darlehenssaldo zugeschlagen, wodurch sich die Verschuldung weiter erhöht.
Aus Anlegersicht ist das ein Warnsignal. Zwar verschafft diese Konstruktion kurzfristig finanzielle Luft, langfristig steigen dadurch jedoch die finanziellen Verpflichtungen kontinuierlich an.
Positiv: Bankdarlehen werden weiterhin bedient
Trotz aller Schwierigkeiten enthält der Abschluss auch eine wichtige positive Botschaft.
Die regulären Zins- und Tilgungsleistungen gegenüber der finanzierenden Bank konnten 2024 vollständig erbracht werden. Der Kapitaldienst funktionierte trotz des schwierigen Windjahres planmäßig. Auch für 2025 geht die Geschäftsführung davon aus, dass die Verpflichtungen gegenüber den Banken erfüllt werden können.
Das spricht dafür, dass die laufende Finanzierung derzeit nicht akut gefährdet ist.
Technisch arbeitet der Windpark auf hohem Niveau
Bemerkenswert ist außerdem die technische Qualität des Betriebs.
Die technische Verfügbarkeit der 27 Windenergieanlagen lag bei 98,26 Prozent, die energetische Verfügbarkeit bei 98,17 Prozent. Das sind ausgezeichnete Werte und zeigen, dass die Anlagen selbst zuverlässig funktionieren.
Das Problem liegt somit nicht im technischen Betrieb, sondern in den äußeren Rahmenbedingungen – insbesondere beim außergewöhnlich schwachen Windaufkommen.
Windgutachten bleiben hinter den Erwartungen
Interessant ist der Blick auf die langfristige Entwicklung.
Seit Inbetriebnahme des Windparks liegen die tatsächlichen Stromerträge laut Gesellschaft rund 5,8 Prozent unter den ursprünglichen Windgutachten. Auch 2024 blieb die Produktion rund 20 Prozent unter der ursprünglichen Prognose. Selbst nach einer Bereinigung um das schwache Windjahr ergab sich noch eine Abweichung von etwa 6 Prozent.
Das wirft aus Anlegersicht durchaus Fragen nach der langfristigen Belastbarkeit der ursprünglichen Ertragsprognosen auf.
Auch 2025 beginnt schwach
Besonders kritisch ist der Ausblick.
Die ersten vier Monate des Jahres 2025 verliefen erneut deutlich unter Plan. Nach Unternehmensangaben lag die Stromproduktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 35 Prozent niedriger und unterschritt auch die eigenen Prognosen erheblich.
Gleichzeitig kalkuliert die Gesellschaft für die kommenden Jahre weiterhin mit einer jährlichen Stromproduktion von rund 206 Millionen Kilowattstunden. Diese Prognose basiert auf einer P75-Windprognose, also einem Szenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 75 Prozent.
Ob diese Annahmen angesichts der tatsächlichen Entwicklung der vergangenen Jahre realistisch bleiben, dürfte Anleger durchaus beschäftigen.
Chancen bleiben begrenzt
Positiv wirkt sich aus, dass die EEG-Vergütung weiterhin eine gewisse Planungssicherheit bietet. Außerdem erhält der Windpark Einnahmen aus der Direktvermarktung des erzeugten Stroms.
Die Gesellschaft weist jedoch selbst darauf hin, dass ihre Ertragsmöglichkeiten praktisch ausschließlich vom Windaufkommen und den Strompreisen abhängen. Zusätzliche Geschäftsfelder oder alternative Erlösquellen sind nicht vorgesehen. Gleichzeitig bestehen weitere Risiken durch mögliche Abschattungseffekte benachbarter Windparks sowie steigende Betriebs- und Wartungskosten.
Fazit aus Anlegersicht
Der Jahresabschluss der KGE Windpark Schipkau-Nord GmbH & Co. KG zeigt eindrucksvoll die Chancen, aber auch die Risiken großer Windparkinvestitionen. Positiv sind der technisch zuverlässige Anlagenbetrieb, die weiterhin funktionierende Bankenfinanzierung und die grundsätzlich langfristig gesicherten Einnahmen aus dem EEG-System.
Dem stehen jedoch erhebliche Belastungen gegenüber: ein stark gestiegener Jahresverlust, dauerhaft negatives Eigenkapital, hohe Fremdfinanzierung und ein Geschäftsmodell, das nahezu vollständig vom Windaufkommen abhängig ist.
Besonders kritisch erscheint, dass sich die tatsächlichen Stromerträge seit Jahren unter den ursprünglichen Gutachten bewegen und auch der Start ins Jahr 2025 erneut deutlich schwächer ausfiel als geplant. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte der Druck auf die Finanzierungsstruktur weiter zunehmen.
Für Anleger bleibt der Windpark deshalb ein langfristig ausgerichtetes Investment mit funktionierendem operativem Betrieb, dessen wirtschaftlicher Erfolg jedoch weiterhin stark von Faktoren abhängt, die das Unternehmen selbst kaum beeinflussen kann.