Mit der neuen ESG-Rating-Verordnung gilt seit dem 2. Juli 2026 europaweit erstmals ein einheitlicher Rechtsrahmen für Anbieter von Nachhaltigkeitsbewertungen. Die Europäische Union reagiert damit auf die stark gewachsene Bedeutung von ESG-Ratings für Investoren, Banken und Unternehmen. Ziel der neuen Vorschriften ist es, die Qualität, Transparenz und Vergleichbarkeit der Bewertungen deutlich zu verbessern und sogenannte Greenwashing-Risiken einzudämmen.
Nachhaltigkeitsratings gewinnen an Bedeutung
ESG-Ratings bewerten Unternehmen, Finanzprodukte oder Finanzinstrumente anhand von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Sie spielen für viele institutionelle und private Anleger eine wichtige Rolle bei Investitionsentscheidungen.
Bislang existierten jedoch unterschiedliche Bewertungsmethoden und Qualitätsstandards. Dass ein Unternehmen bei einem Anbieter hervorragend, bei einem anderen hingegen nur durchschnittlich bewertet wurde, war keine Seltenheit. Die fehlende Einheitlichkeit sorgte immer wieder für Kritik.
Zulassung wird zur Pflicht
Mit Inkrafttreten der Verordnung dürfen ESG-Ratings innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich nur noch von regulierten ESG-Rating-Anbietern erstellt und veröffentlicht werden.
Hierfür benötigen die Anbieter künftig eine Zulassung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA). Kleinere Anbieter erhalten eine dreijährige Übergangsregelung und können sich zunächst registrieren lassen, bevor eine vollständige Zulassung erforderlich wird.
Die laufende Aufsicht übernimmt zentral die ESMA. Nationale Behörden wie die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) unterstützen die europäische Aufsicht bei deren Aufgaben.
Mehr Transparenz für Anleger
Die neuen Vorschriften verpflichten ESG-Rating-Anbieter zu mehr Offenheit über ihre Bewertungsmethoden. Anleger sollen künftig besser nachvollziehen können,
- nach welchen Kriterien Unternehmen bewertet werden,
- welche Datenquellen verwendet wurden,
- welche Annahmen den Bewertungen zugrunde liegen und
- wie einzelne ESG-Faktoren gewichtet werden.
Dadurch soll die Aussagekraft verschiedener Ratings besser vergleichbar werden.
Kampf gegen Greenwashing
Ein wesentliches Ziel der Verordnung besteht darin, irreführende Nachhaltigkeitsversprechen einzudämmen. ESG-Ratings beeinflussen mittlerweile Milliardeninvestitionen und gelten häufig als Orientierung bei nachhaltigen Geldanlagen.
Wenn unterschiedliche oder wenig transparente Bewertungsverfahren verwendet werden, besteht die Gefahr, dass Unternehmen oder Finanzprodukte nachhaltiger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Einheitliche europäische Standards sollen dieses Risiko künftig reduzieren.
Übergangsphase beginnt
Zeitgleich mit dem Start der Verordnung veröffentlichte die ESMA ein Public Statement für die Übergangszeit. Darin erläutert die Behörde, wie mit ESG-Ratings umzugehen ist, solange Anbieter ihre Zulassung, Anerkennung oder Registrierung noch nicht vollständig abgeschlossen haben.
Damit soll sichergestellt werden, dass der Markt während der Umstellungsphase funktionsfähig bleibt und gleichzeitig die neuen gesetzlichen Anforderungen schrittweise umgesetzt werden.
Bedeutung für Anleger
Für Verbraucher ändert sich kurzfristig zwar wenig. Langfristig sollen ESG-Ratings jedoch verlässlicher und besser vergleichbar werden. Gerade Anleger, die gezielt in nachhaltige Unternehmen oder Fonds investieren möchten, könnten künftig von transparenteren Bewertungsmaßstäben profitieren.
Mit der neuen Verordnung schafft die Europäische Union erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen für einen Markt, der in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. Die Hoffnung der Aufsichtsbehörden: Mehr Transparenz stärkt das Vertrauen der Anleger und erhöht die Glaubwürdigkeit nachhaltiger Finanzprodukte.