1) Was ist das Produkt aus Anlegersicht?
Der Fonds ist im Kern ein europäischer Aktienfonds (mind. 51 % Europa) mit ESG-Filter (Artikel 8 SFDR) und einem systematischen Derivateeinsatz. Der Zusatz „Protect“ entsteht nicht durch eine Garantie, sondern durch Risikoreduktion über Optionen/Futures (und teils Liquiditäts-/Anleihebeimischung). Ergebnis: tendenziell gedämpfte Schwankungen, aber auch gedeckelte Chancen in starken Aktienphasen.
2) Performance und Ergebnisqualität (01.11.2024–31.10.2025)
Wertentwicklung:
Anteilklasse I: +13,37 %
Anteilklasse R: +13,22 %
Fondsvermögen stieg von 33,95 Mio. EUR auf 38,25 Mio. EUR (Zunahme neben Marktperformance auch durch netto Mittelzufluss).
Wichtig für die Einordnung: Der Bericht nennt als wesentliche Quelle des positiven Veräußerungsergebnisses realisierte Gewinne aus verkauften Optionen.
→ Das ist typisch für Optionsprämien-Strategien (ähnlich „Covered Call“/Overlay): laufende Prämieneinnahmen stabilisieren, können aber bei stark steigenden Märkten Rendite begrenzen.
Qualität der Erträge:
Ordentlicher Nettoertrag (Fonds gesamt) ca. 441 Tsd. EUR, Veräußerungsergebnis ca. 851 Tsd. EUR, plus deutlicher Anteil nicht realisierter Gewinne.
Das Geschäftsjahresergebnis beträgt 4,52 Mio. EUR – ein großer Teil kommt aus Marktwertanstiegen, nicht nur aus laufenden Erträgen.
3) Portfolioaufbau: Aktien dominiert, aber defensiver als im Vorjahr
Stichtag 31.10.2025 (gegenüber 31.10.2024):
Aktienquote: 80,68 % (vorher 85,86 %) → etwas defensiver
Anleihen: 16,97 % (vorher 11,66 %)
Bankguthaben/Liquiditätsnah: im Strukturblock 6,08 % (vorher 2,61 %); in der Vermögensaufstellung ist Bankguthaben selbst klein, dafür sind Margins (Initial/Variation) als sonstige Vermögensgegenstände hoch – typisch bei Derivateeinsatz.
Derivate netto: -3,24 % (verkaufte Optionen überwiegen)
Regionale Schwerpunkte (Aktien):
Frankreich (~23,5 %), Deutschland (~19,5 %), Niederlande (~12 %), Spanien (~9,2 %), Belgien (~7,4 %) etc.
→ Eurozone-Fokus ist klar; Währungsrisiko gering (Fonds in EUR).
Einzeltitel-Konzentration:
Größte Position u.a. ASML (~8,16 %), danach z.B. Siemens (~5,84 %), BBVA (~4,95 %), Schneider Electric (~4,82 %), Vinci (~3,39 %).
→ Für einen „Protect“-Ansatz ist eine spürbare Einzeltitel- und Sektorkonzentration vorhanden (z.B. Industrie/Technologie/Finanzen). Das muss zur eigenen Risikotoleranz passen.
Anleihenprofil:
De facto kurzlaufend (im Bericht: < 1 Jahr), u.a. Bundesschatz und EU/KfW-Papiere.
→ Das wirkt wie Liquiditätsersatz: stabilisierend, aber Rendite hängt vom Geldmarktniveau ab.
4) Derivate: Schutz, Ertrag – und „Chancendeckel“
Der Fonds nutzt Derivate „vorwiegend zur Reduzierung von Aktienmarktrisiken“. Praktisch sieht man:
Verkaufte Call-Optionen auf mehrere Einzeltitel (u.a. ASML, Siemens, Schneider, Infineon etc.) → Prämieneinnahmen, aber begrenzte Upside bei starken Kursanstiegen dieser Titel.
Index-Puts (Euro Stoxx 50) im Bestand → potenzieller Schutz bei Marktstress, kostet aber Prämie (je nach Struktur).
Euro Stoxx 50 Future (short) → zusätzliche Marktrisiko-Reduktion.
Risikokennzahlen (VaR-Ansatz):
Potenzieller Risikobetrag (historischer VaR) im Jahr: 1,39 % bis 2,36 %, Ø 1,86 %.
Durchschnittliche Hebelwirkung 1,15 → moderat, aber Derivate sind klarer Bestandteil der Strategie.
Anlegerschlussfolgerung:
Das Konzept ist plausibel: Aktienrendite „einsammeln“, Volatilität glätten, Ertrag über Optionsprämien, Absicherung über Puts/Futures. Dafür bezahlt man meist mit begrenzter Partizipation in sehr starken Haussephasen und (je nach Optionsstruktur) dem Risiko, dass Absicherung in Crashs nicht „perfekt“ greift.
5) Kosten & Klassenwahl: I ist deutlich effizienter
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten):
Klasse I: 0,97 % p.a.
Klasse R: 1,27 % p.a.
Zusätzlich relevant:
Performance Fee ist angefallen:
I: 0,64 % des Ø-NAV
R: 0,47 % des Ø-NAV
Ausgabeaufschlag:
I: 0,00 % (aber Mindestanlage 100.000 EUR)
R: 3,00 % (keine Mindestanlage)
Interpretation für Anleger:
Wer Zugang zur I-Tranche hat, fährt strukturell günstiger (keine AA, niedrigere laufende Kosten).
In der R-Tranche kann der Ausgabeaufschlag die Rendite – je nach Haltedauer – spürbar belasten. Bei kürzeren Anlagehorizonten ist das besonders kritisch.
6) Ausschüttungspolitik
Beide Anteilklassen sind ausschüttend. Für das Jahr wurde ausgewiesen:
Gesamtausschüttung: 2,50 EUR je Anteil (I und R).
Ein großer Teil der „für Ausschüttung verfügbar“-Position ist Vortrag aus Vorjahr; es wird also nicht ausschließlich aus laufenden Erträgen gespeist.
Für Anleger wichtig: Ausschüttung ist angenehm für Cashflow, aber sagt allein wenig über die nachhaltige Ertragskraft aus (insb. wenn Vorträge eine große Rolle spielen).
7) ESG/Artikel-8: „hellgrün“, aber kein Impact-Versprechen
Der Fonds bewirbt ökologische/soziale Merkmale (Artikel 8) und nutzt MSCI ESG Research plus Negativkriterien der HanseMerkur Trust. Gleichzeitig steht im Bericht, dass nicht alle Investitionen EU-Taxonomie-Kriterien berücksichtigen.
→ Für ESG-orientierte Anleger: Ausschluss-/Screening-Ansatz, keine Garantie auf „Impact“ oder durchgehend taxonomiekonforme Investments.
8) Gesamtfazit: Für wen passt der Fonds – und worauf achten?
Stärken
Gute Jahresperformance (+13 %), klarer Euro-Aktienfokus mit ESG-Filter.
Risikomanagement sichtbar (Puts/Futures, geringere Aktienquote, kurzlaufende Anleihen).
Moderate Derivatehebelung und ausgewiesene VaR-Spanne.
Trade-offs / Risiken
Renditetreiber sind u.a. Optionsprämien – das kann Rendite glätten, aber Upside begrenzen.
Einzeltitelkonzentration (z.B. ASML) bleibt signifikant.
Kosten: Besonders in R (inkl. Ausgabeaufschlag) muss die Strategie erst „verdienen“.
Praktische Anleger-Checkliste