Vor dem Landgericht wird derzeit ein Fall verhandelt, der durch seine Brutalität und den ungewöhnlichen Ablauf der Tat für große Aufmerksamkeit sorgt. Ein Mann soll seine ehemalige Partnerin und den gemeinsamen zehnjährigen Sohn mit einem Messer angegriffen haben – und anschließend selbst die Polizei angerufen haben.
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler verschaffte sich der Angeklagte gewaltsam Zutritt zur Wohnung seiner früheren Lebensgefährtin, indem er die Tür eintrat. Kurz darauf soll er mit einem Messer auf die Frau und das Kind eingestochen haben. Beide überlebten den Angriff schwer verletzt und wurden nach der Tat umgehend medizinisch versorgt.
Besonders erschütternd: Unmittelbar nach der Attacke wählte der Mann selbst den Notruf. In ruhigem Ton soll er sich vorgestellt und den Einsatzkräften mitgeteilt haben, dass er für den Angriff verantwortlich sei. Wenig später wurde er von der Polizei festgenommen.
Im Prozess rekonstruieren Staatsanwaltschaft und Gericht derzeit minutiös die rund 18 Minuten zwischen dem gewaltsamen Eindringen in die Wohnung und der Festnahme des Tatverdächtigen. Dabei geht es nicht nur um den genauen Ablauf der Tat, sondern auch um die Frage nach Motiv, Vorgeschichte und möglicher Planung.
Dem Angeklagten werden versuchter Mord sowie weitere schwere Gewaltdelikte vorgeworfen. Sollte das Gericht die Vorwürfe bestätigen, droht ihm eine langjährige Freiheitsstrafe. Währenddessen stehen für die Nebenklage vor allem die gesundheitlichen und psychischen Folgen für die Opfer im Mittelpunkt, die den Angriff nur knapp überlebt haben.