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Serienreife Feststoffbatterie aus Finnland – Revolution oder Marketingblase?

Elionas (CC0), Pixabay

Ein finnisches Start-up sorgt für Aufsehen – und für erhebliche Zweifel. Donut Lab, erst 2024 gegründet, präsentiert eine angeblich serienreife Feststoffbatterie für Elektrofahrzeuge. Die Leistungsdaten klingen spektakulär: extrem hohe Energiedichte, vollständige Ladung in fünf Minuten, hunderttausende Ladezyklen, praktisch keine Brandgefahr. Branchenkenner reagieren entsprechend skeptisch. Die Frage drängt sich auf: Ist das der Durchbruch, auf den die E-Mobilität seit Jahren wartet – oder ein Fall von maßloser Übertreibung?

Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas stellte Donut Lab seine Batterie erstmals einem größeren Publikum vor. Der Akku soll bereits in Motorrädern des verbundenen Herstellers Verge Motorcycles eingesetzt werden und damit den Praxistest bestehen. Allein diese Behauptung unterscheidet Donut Lab von vielen Konkurrenten, die Feststoffbatterien bislang nur im Labor zeigen.

Daten, die misstrauisch machen

Die genannten Kennzahlen sind außergewöhnlich. Eine Energiedichte von 400 Wh/kg würde heutige Lithium-Ionen-Akkus deutlich übertreffen. Eine vollständige Ladung in fünf Minuten, kombiniert mit einer Lebensdauer von angeblich 100.000 Ladezyklen, widerspricht bisherigen Erfahrungen der Batterieforschung. Hinzu kommen Aussagen zur hohen Sicherheit, zur Temperaturstabilität von minus 30 bis über 100 Grad Celsius und zu besonders günstigen, geopolitisch unkritischen Materialien.

Genau diese Kombination macht viele Fachleute stutzig. In der Branche gilt: Verbesserungen sind möglich – aber nicht alle zugleich. Ein Akku, der gleichzeitig extrem energiedicht, superschnell ladbar, extrem langlebig, günstig und brandsicher ist, würde mehrere bislang ungelöste Zielkonflikte auf einmal aufheben.

Harte Kritik aus der Industrie

Besonders deutlich äußerte sich der Chef des chinesischen Batterieherstellers Svolt Energy. Die genannten Parameter widersprächen sich fundamental, erklärte er öffentlich – und sprach sogar von Betrug. Auch andere Experten bemängeln, dass Donut Lab keinerlei unabhängige Zelltests, Zertifizierungen oder technische Details veröffentlicht hat. Unklar bleibt zudem, ob es sich überhaupt um eine klassische Feststoffbatterie handelt. Einige Beobachter vermuten eher einen neuartigen Kondensator.

Offen ist auch die Frage der Skalierung. Zwar kursieren Berichte über geplante Produktionskapazitäten von bis zu 100 Gigawattstunden jährlich, doch gesicherte Informationen zu Investoren, Fabriken oder Finanzierung fehlen bislang.

Der Realitätstest auf zwei Rädern

Donut Lab verweist dagegen auf einen pragmatischen Ansatz: Funktion schlägt Theorie. Die Batterien sollen 2026 serienmäßig in Verge-Motorrädern ausgeliefert werden. Verge existiert seit mehreren Jahren und hat mit dem sogenannten Donut-Motor – einem ringförmigen Radnabenantrieb – bereits eine ungewöhnliche, aber funktionierende Technik auf die Straße gebracht. Ein E-Motorrad gilt zudem als weniger komplexes Testfeld als ein Auto.

Ob diese Praxisnähe genügt, um die Zweifel zu zerstreuen, bleibt abzuwarten. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Motorräder tatsächlich mit der angekündigten Batterie ausgeliefert werden – und ob unabhängige Tests die spektakulären Angaben bestätigen.

Zwischen Hoffnung und Hype

Sollten sich die Versprechen bewahrheiten, wäre Donut Labs Akku eine technologische Zäsur mit enormen Folgen für Elektromobilität, Energiespeicherung und Industrie. Genauso möglich ist jedoch, dass sich das Projekt als überambitionierter Hype entpuppt.

Bis belastbare Daten vorliegen, bleibt der finnische „Wunder-Akku“ vor allem eines: ein faszinierendes, aber hoch umstrittenes Versprechen.

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