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China inszeniert sich als ruhiger Gegenpol in einer von Trump geprägten Weltordnung

Während der frühere US-Präsident Donald Trump kurz vor seiner Ankunft beim Weltwirtschaftsforum in Davos erneut Spannungen mit Verbündeten schürte, nutzte China die Bühne, um sich als verlässlicher, rationaler Akteur der Weltpolitik zu präsentieren. Drohungen Trumps, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen, mögliche Strafzölle gegen Gegner dieses Vorhabens sowie das Durchstechen privater Nachrichten europäischer Politiker sorgten international für Irritation – und eröffneten Peking neue Spielräume.

Der chinesische Vizepremier He Lifeng sprach in Davos gezielt von Multilateralismus, freiem Handel und globaler Solidarität. China, so seine Botschaft, stehe für Kooperation statt Konfrontation und für Stabilität in einer Zeit zunehmender Unsicherheit. Diese Worte fielen nicht zufällig: Sie unterstrichen eine langfristige Strategie Pekings, sich als ruhiger Gegenpol zur als erratisch wahrgenommenen US-Außenpolitik zu positionieren.

Chinas Staatschef Xi Jinping fordert seit Jahren eine Neuordnung der internationalen Machtverhältnisse, die er als zu stark von den USA dominiert ansieht. Dabei verfolgt Peking zunehmend die Taktik, nicht aggressiv um Einfluss zu werben, sondern abzuwarten, während Washington durch interne Spannungen und außenpolitische Alleingänge an Vertrauen verliert. Aus chinesischer Sicht erledigt sich der Machtzuwachs fast von selbst.

Diese Strategie zeigt erste Erfolge. Besonders deutlich wurde dies in der Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney in Davos. Er bezeichnete die „regelbasierte internationale Ordnung“ offen als teilweise Fiktion, in der sich die Stärksten bei Bedarf selbst ausnahmen. Zwar war dies keine explizite Hinwendung zu China, doch die Rhetorik überschneidet sich auffällig mit Pekings Kritik am westlich geprägten System.

Auch praktisch rücken einige US-Verbündete näher an China heran. Kanada startete jüngst eine „strategische Partnerschaft“ mit Peking und lockerte Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge. Großbritannien wiederum genehmigte den Bau einer großen chinesischen Botschaft in London und signalisiert unter Premier Keir Starmer mehr Dialogbereitschaft. Diese Schritte sind weniger Ausdruck ideologischer Nähe als vielmehr pragmatische Reaktionen auf die Unsicherheit, die Trumps Haltung gegenüber NATO und Handel ausgelöst hat.

Gleichzeitig bleiben die Risiken erheblich. Europas Sorgen über Chinas riesigen Handelsüberschuss von rund 1,2 Billionen US-Dollar jährlich und Pekings Ambitionen gegenüber Taiwan sind keineswegs verschwunden. Doch Trumps disruptive Politik bindet Aufmerksamkeit und erschwert eine geschlossene westliche Antwort.

In Davos nutzte He Lifeng diese Lage, um China als „Partner, nicht Rivalen“ darzustellen. Laut chinesischen Staatsmedien sei diese Botschaft auf große Zustimmung gestoßen. Ob China tatsächlich der verlässliche Stabilitätsanker ist, den es vorgibt zu sein, bleibt offen – klar ist jedoch: In einer zunehmend gespaltenen Welt versteht es Peking, die Lücken geschickt zu nutzen.

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