Bei einem schweren Anschlag im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Ziel der Attacke war ein chinesisches Restaurant im Stadtteil Schahr-e-Naw, das vor allem bei chinesischen Muslimen beliebt ist. Zu dem Angriff bekannte sich die dschihadistische Miliz Islamischer Staat (IS). Die Tat unterstreicht erneut die fragile Sicherheitslage in Afghanistan und die wachsende Bedrohung ausländischer Interessen im Land.
Nach Angaben der Kabuler Polizei ereignete sich die Explosion am Montagnachmittag in der Küche des Lokals, das auf asiatische Nudelgerichte spezialisiert ist. Unter den Todesopfern befindet sich ein chinesischer Staatsbürger muslimischen Glaubens sowie sechs Afghanen. Zudem wurden mehr als ein Dutzend Menschen verletzt. Die italienische Hilfsorganisation Emergency sprach von mindestens 13 Verletzten, darunter vier Frauen und ein Kind. Einige der Verletzten wurden in nahegelegene Krankenhäuser gebracht, mehrere sollen sich in kritischem Zustand befinden.
Der Islamische Staat erklärte, es habe sich um einen gezielten Selbstmordanschlag auf chinesische Staatsangehörige gehandelt. In einer von der Beobachtungsstelle Site verbreiteten Stellungnahme begründete die Miliz den Angriff mit der Politik Pekings gegenüber der muslimischen Minderheit der Uiguren. Der IS warf der chinesischen Regierung vor, uigurische Muslime systematisch zu unterdrücken, und kündigte an, chinesische Interessen weiterhin anzugreifen.
Menschenrechtsorganisationen berichten seit Jahren, dass in der westchinesischen Region Xinjiang hunderttausende Uiguren und andere Muslime in sogenannten Umerziehungs- oder Haftlagern festgehalten würden. Dort seien sie gezwungen, ihre Religion, Kultur und Sprache aufzugeben, und würden teilweise misshandelt. Die chinesische Regierung weist diese Vorwürfe zurück und spricht von freiwilligen Ausbildungs- und Arbeitsprogrammen zur Bekämpfung von Extremismus.
Die Explosion ereignete sich gegen 15.30 Uhr Ortszeit. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und großer Panik in der Umgebung. Nur wenige Stunden später gaben die Sicherheitskräfte die Straße vor dem Restaurant wieder für den Verkehr frei. Zunächst hatten die Behörden fälschlicherweise von einer Explosion in einem Hotel gesprochen, korrigierten diese Angaben jedoch später.
Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 haben sich die Beziehungen zwischen Afghanistan und China deutlich intensiviert. Während westliche Staaten die Taliban-Regierung nicht anerkennen, pflegt Peking enge Kontakte zu den Machthabern in Kabul. Zahlreiche chinesische Geschäftsleute reisen seither nach Afghanistan, nicht zuletzt wegen strategischer und wirtschaftlicher Interessen. Bereits 2022 hatte der IS ein von chinesischen Reisenden frequentiertes Hotel in Kabul angegriffen. Der aktuelle Anschlag zeigt, dass China zunehmend ins Visier extremistischer Gruppen gerät.