In einer Reihe veröffentlichter Textnachrichten an europäische Staats- und Regierungschefs hat US-Präsident Donald Trump erneut für internationale Irritationen gesorgt. Darin behauptet er, er habe „acht Kriege plus“ gestoppt – und erklärt zugleich, warum er sich nicht länger allein dem Frieden verpflichtet fühle. Der Auslöser: Trump sei für diese angeblichen Erfolge nicht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Besonders brisant ist dabei die Verknüpfung dieser Aussage mit seinem erneuten Anspruch auf eine US-Kontrolle über Grönland.
Die Nachrichten stammen aus einer Veröffentlichung des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und erscheinen in einer Phase angespannter Beziehungen zwischen den USA und Europa. Parallel dazu teilte Trump Screenshots eines Austauschs mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sein Unverständnis über Trumps Grönland-Politik zum Ausdruck brachte. Trump wiederum argumentierte, vollständige Kontrolle über Grönland sei aus Gründen der globalen Sicherheit notwendig.
Doch was hat es mit den von Trump genannten „acht Kriegen“ tatsächlich auf sich? Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 war die US-Regierung an sechs Waffenruhen oder Friedensabkommen beteiligt. Dazu zählen unter anderem ein offiziell unterzeichneter Friedensvertrag zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie eine von den USA unterstützte Waffenruhe zwischen Indien und Pakistan. Auch im Nahen Osten spielte Washington eine zentrale Rolle: Bei der Waffenruhe zwischen Israel und Hamas sowie bei einem zeitlich begrenzten Stillstand der Eskalation zwischen Israel und Iran war die US-Diplomatie maßgeblich involviert – wenn auch nicht unumstritten.
Weitere Konflikte, etwa zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda oder zwischen Kambodscha und Thailand, zeigen jedoch, wie fragil diese Abkommen sind. In mehreren Fällen dauerten die Kämpfe trotz offizieller Vereinbarungen an oder flammten später erneut auf. Nicht alle beteiligten Staaten schreiben den USA eine entscheidende Vermittlerrolle zu.
Die übrigen zwei „Kriege“, auf die sich Trump bezieht, stammen aus seiner ersten Amtszeit. Dabei handelt es sich um den Streit zwischen Äthiopien und Ägypten über den Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamm sowie um den langjährigen Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo. In beiden Fällen kam es weder zu formellen Friedensverträgen noch zu einer nachhaltigen Lösung, auch wenn diplomatische Initiativen Eskalationen zeitweise eindämmten.
Trumps Grönland-Forderung begründet er vor allem mit nationaler Sicherheit. Die strategische Lage der Insel, mögliche militärische Nutzung und der Zugang zu kritischen Rohstoffen spielen dabei eine zentrale Rolle. Grönland und Dänemark haben diese Ansprüche jedoch ebenso klar zurückgewiesen wie andere europäische Staaten.
Unterm Strich zeigt sich: Trumps Selbstdarstellung als globaler Friedensstifter steht auf wackligem Fundament. Die Realität ist komplexer, die Erfolge umstritten – und die politische Sprengkraft seiner Aussagen erheblich.