Ein beunruhigender Fund hat am Sonntag in Wien-Leopoldstadt einen Großeinsatz der Sicherheitsbehörden ausgelöst. In unmittelbarer Nähe zweier Synagogen in der Tempelgasse wurde eine Granate entdeckt, die in einem Hauseingang gegenüber der religiösen Einrichtungen abgelegt war. Der Vorfall rief Polizei, Sprengstoffexperten und den österreichischen Verfassungsschutz auf den Plan.
Entdeckt wurde der Sprengkörper von einem Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde. Die Granate befand sich in einer Tasche und war offenbar in Mullbinden oder ähnliches Material eingewickelt. Nach dem Fund verständigte der Mitarbeiter umgehend die Polizei. Einsatzkräfte rückten gemeinsam mit dem Entschärfungsdienst an und sperrten den Bereich weiträumig ab, um mögliche Gefahren auszuschließen.
Sprengstoffspezialisten untersuchten den Fund und transportierten die Granate anschließend ab. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine F1-Handgranate russischer Bauart aus den 1970er Jahren. Die Ermittlungen ergaben, dass der Sprengkörper nicht mehr funktionstüchtig war, keinen Sprengstoff enthielt und die Zündung defekt gewesen sein soll. Trotz dieser Einschätzung wurde der Vorfall von den Behörden ernst genommen, nicht zuletzt wegen des sensiblen Umfelds.
Ein konkretes Drohschreiben oder Hinweise darauf, dass die Synagogen gezielt angegriffen werden sollten, liegen bislang nicht vor. Dennoch wurde aufgrund der Nähe zu den jüdischen Einrichtungen der Verfassungsschutz eingeschaltet. Die Ermittler versuchen nun zu klären, wer die Granate dort abgelegt hat und aus welchem Motiv heraus dies geschah. Auch wird geprüft, ob es sich um eine gezielte Provokation, eine Einschüchterung oder einen anderen Hintergrund handelt.
Die Tempelgasse ist ein historisch und symbolisch bedeutender Ort. Dort befand sich einst der Leopoldstädter Tempel, die größte Synagoge Wiens, die während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde. Heute sind in der Straße zwei Synagogen sowie eine Einrichtung zur Beratung und Unterstützung von Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen untergebracht. Vor diesem Hintergrund hat der Fund besondere Sensibilität ausgelöst.
Die Behörden betonen, dass es derzeit keine Hinweise auf eine akute Bedrohung gibt. Dennoch hat der Vorfall bei vielen Gemeindemitgliedern und Anwohnern Besorgnis ausgelöst. Die Ermittlungen laufen weiter, um die Hintergründe des Granatenfundes vollständig aufzuklären und mögliche sicherheitsrelevante Zusammenhänge auszuschließen.