Der letzte Jahreswechsel vor dem geplanten landesweiten Böllerverbot ist in den Niederlanden vielerorts in massiver Gewalt und Zerstörung geendet. Polizei und Rettungskräfte waren die ganze Silvesternacht über im Dauereinsatz, die Notrufnummer war zeitweise überlastet. Landesweit wurden rund 250 Menschen festgenommen, es gab zahlreiche Schwerverletzte und zwei Todesopfer.
Nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs Wilbert Paulissen kam es zu Bränden, Plünderungen und gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte. Polizisten wurden unter anderem mit Molotowcocktails, schweren Feuerwerkskörpern und Pflastersteinen attackiert, Einsatzfahrzeuge beschädigt. In mehreren Städten setzten die Behörden Wasserwerfer ein.
Besonders schwer wogen die Sachschäden: In Amsterdam brannte die historische Vondelkirche bis auf die Grundmauern nieder, im Norden des Landes wurde eine Sporthalle zerstört, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf. Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, den Notruf nur bei lebensbedrohlichen Situationen zu wählen.
Auch tödliche Unfälle überschatteten die Nacht: In Aalsmeer starb ein 38-Jähriger beim Umgang mit Böllern, in Nijmegen kam ein 16-Jähriger ums Leben. In Utrecht schoss die Polizei auf einen bewaffneten Mann, in Rotterdam wurde ein Beamter bei einer Kontrolle verletzt und mehrere hundert Meter mitgeschleift.
Vor dem Hintergrund des ab 2026/27 geltenden Böllerverbots hatten viele Menschen noch einmal große Mengen Feuerwerk gekauft. Der Umsatz stieg laut Branchenverband auf 129 Millionen Euro. Gleichzeitig nahm der Import illegaler und besonders gefährlicher Knallkörper zu: Bis Ende Dezember beschlagnahmte die Polizei rund 112 Tonnen – mehr als in den Vorjahren. Die Behörden vergleichen diese Sprengkörper mit Bomben oder Granaten.
Die Silvesternacht gilt vielen Beobachtern als drastisches Beispiel dafür, warum das angekündigte Feuerwerksverbot politisch durchgesetzt wurde.