Interview mit Rechtsanwalt Daniel Blazek zur Lage bei den V+ Fonds
Frage: Herr Blazek, die V+ Fonds befinden sich seit fast zehn Jahren in Liquidation – und ein Ende ist weiterhin nicht in Sicht. Was sagt das über den Zustand der Abwicklung?
Daniel Blazek: Das ist eine extrem ungewöhnliche Situation. Eine Liquidation, die sich über ein Jahrzehnt zieht, wirft ernste Fragen auf. Anleger haben Anspruch auf Klarheit. Stattdessen werden sie mit jahrelangen Kosten konfrontiert – ohne konkrete Ergebnisse. Das ist wirtschaftlich fragwürdig und juristisch höchst angreifbar.
Frage: Die nächste Gesellschafterversammlung wurde ausgerechnet auf den 2. Januar gelegt – mitten in der Urlaubszeit. Wie bewerten Sie das?
Blazek: Solche Termine sind für viele Anleger schlicht realitätsfern. Es entsteht der Eindruck, dass eine breite Beteiligung geradezu verhindert werden soll. Wenn man kritische Stimmen vermeiden will, setzt man Termine, an denen die meisten Menschen noch im Feiertagsmodus sind. Das hat einen sehr faden Beigeschmack.
Frage: Was müsste aus Ihrer Sicht jetzt endlich offen auf den Tisch?
Blazek: Ganz klar: Ein verbindlicher Liquidationsplan mit Enddatum, eine offene Kostenstruktur und eine ehrliche Antwort auf die Frage, warum diese Liquidation überhaupt noch läuft. Anleger haben ein Recht zu erfahren, welche Vermögenswerte noch vorhanden sind, welche Kosten wofür anfallen und wie lange sich dieser Zustand noch hinzieht.
Frage: Im jüngsten Bericht war von über 400.000 Euro an Verwaltungskosten die Rede – bei einem Fonds, der kaum noch aktiv ist. Was sagen Sie dazu?
Blazek: Das ist aus Anlegersicht kaum zu rechtfertigen. In einem Fonds, der keine operative Tätigkeit mehr ausübt, dürfen die Kosten nicht Jahr für Jahr in dieser Höhe weiterlaufen. Wenn es nur noch um Abwicklung geht, müssen sich auch die Kosten halbieren – mindestens. Alles andere sieht nach einer künstlichen Verlängerung aus.
Frage: Was raten Sie den Anlegern jetzt konkret?
Blazek: Erstens: Teilnehmen an der Gesellschafterversammlung – unbedingt, entweder selbst oder über eine Vertretung. Zweitens: Fragen stellen. Keine Floskeln akzeptieren, sondern Antworten auf Zeitplan, Kosten und Zuständigkeiten verlangen. Und drittens: Sich zusammenschließen. Nur gemeinsam können Anleger wirksam Druck ausüben – notfalls auch mit anwaltlicher Hilfe.
Frage: Und wenn erneut keine Transparenz erfolgt?
Blazek: Dann sollten rechtliche Schritte sehr ernsthaft geprüft werden. Wenn sich zeigt, dass hier über Jahre keine ernsthafte Abwicklung betrieben wurde, sondern eher ein Geschäftsmodell zu Lasten der Anleger, dann ist das ein Fall für Gerichte – und möglicherweise auch für Aufsichtsbehörden.
Frage: Ihr Fazit?
Blazek: Die Anleger dürfen sich nicht länger hinhalten lassen. Zehn Jahre ohne klaren Abschluss sind genug. Wer heute noch keine Strategie mit Enddatum vorlegt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es hier um Honorarerhalt – und nicht um Anlegerinteresse – geht.