Für Maria Farmer, eine der ersten Frauen, die Jeffrey Epstein beschuldigten, war die Veröffentlichung der neuen Epstein-Akten durch das US-Justizministerium ein bittersüßer Moment. Endlich ist es offiziell: Bereits 1996 erstattete sie Anzeige gegen den Milliardär – ein Vorwurf, der über Jahrzehnte überhört wurde.
Ein jetzt veröffentlichtes FBI-Dokument belegt den Eingang einer Strafanzeige wegen Kinderpornografie gegen Epstein. Die Klägerin wird darin nicht namentlich genannt, aber Maria Farmers Anwältin bestätigte gegenüber CNN, dass es sich um ihre Mandantin handelt. Sie sei als Künstlerin beschrieben worden, die Fotos ihrer minderjährigen Schwestern für eigene Arbeiten gemacht habe – Fotos, die Epstein gestohlen und mutmaßlich weiterverkauft haben soll. Zudem habe Epstein ihr gedroht, ihr Haus niederzubrennen, sollte sie über die Bilder sprechen.
Maria Farmer zeigte sich in einem Statement enttäuscht über die Behörden: „Das FBI hat mich und viele andere Opfer im Stich gelassen.“
Bestätigung – und bittere Fragen
Auch ihre Schwester Annie Farmer, selbst Missbrauchsüberlebende, reagierte emotional auf die Aktenveröffentlichung:
„Zu sehen, dass sie dieses Dokument all die Jahre hatten, schwarz auf weiß – das ist schwer zu ertragen. Wie viele Menschen hätten nach diesem Datum noch geschützt werden können?“
Annie Farmer war eine der Hauptzeuginnen im Prozess gegen Ghislaine Maxwell und hat ausgesagt, dass sie mit 16 Jahren von Epstein und Maxwell sexuell missbraucht wurde.
Frust bei anderen Überlebenden
Während die Farmers nun Gewissheit haben, herrscht bei vielen anderen Überlebenden große Enttäuschung. Trotz des neuen „Epstein Files Transparency Act“, der die vollständige Offenlegung der Unterlagen verlangt, ist das öffentlich zugängliche Online-Archiv des Justizministeriums schwer durchsuchbar und wenig benutzerfreundlich. Viele Betroffene finden keine Informationen zu ihren eigenen Fällen.
Eine dieser Betroffenen, Jess Michaels, sagte gegenüber CNN:
„Ich habe stundenlang versucht, meine Aussage oder die E-Mails nach meinem FBI-Hinweis zu finden – nichts. Ist das wirklich das Beste, was der Staat leisten kann? Nicht einmal ein Gesetz des Kongresses bringt uns Gerechtigkeit.“
Die Frage bleibt: Warum wurde nicht gehandelt?
Anwältin Jennifer Freeman, die Maria Farmer vertritt, will weiter Antworten: „Was hat die Behörde nach der Anzeige getan? Wann und warum wurde nicht gehandelt?“
Das fragliche Dokument trägt das Datum 3. September 1996 – ein deutliches Zeichen, dass Epstein schon viele Jahre vor den offiziellen Anklagen in Florida und New York auf dem Radar der Strafverfolgung stand. Dennoch blieben Ermittlungen aus.
Ein Einzelfall – oder der Beginn einer Aufarbeitung?
Ob Maria Farmers bestätigte Anzeige der Beginn einer echten Aufarbeitung ist oder ein tragischer Einzelfall bleibt, ist noch offen. Viele andere Opfer warten weiterhin auf Anerkennung, Wahrheit – und Gerechtigkeit.