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Zweiter Anlauf ins All: Bezos-Rakete soll zwei Deutsche nach Fehlstart doch noch ins All bringen

WikiImages (CC0), Pixabay

Nach dem kurzfristig abgebrochenen ersten Startversuch soll es nun ernst werden: Am Nachmittag planen zwei Deutsche erneut den Flug an den Rand des Weltraums – an Bord einer Rakete des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, gegründet vom Amazon-Milliardär Jeff Bezos. Der erste Versuch war am Donnerstag aus technischen Gründen gestoppt worden, noch bevor die Rakete abheben konnte. Die Ursache wurde nach Angaben des Unternehmens überprüft, sodass einem erneuten Start nun nichts mehr im Wege stehen soll.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der deutschen Raumfahrtingenieurin Michaela Benthaus aus Kiel. Sie arbeitet für die Europäische Weltraumorganisation und könnte mit diesem Flug Raumfahrtgeschichte schreiben. Benthaus ist querschnittsgelähmt und wäre der erste Mensch mit dieser Behinderung, der den Rand des Alls erreicht. Ihr möglicher Flug gilt vielen als starkes Signal für Inklusion und zeigt, dass Raumfahrt nicht ausschließlich einer kleinen, körperlich makellosen Elite vorbehalten sein muss.

Die Mission ist als sogenannter suborbitaler Flug konzipiert. Die Rakete steigt dabei senkrecht auf, durchbricht die Grenze zum Weltraum und ermöglicht den Passagieren für wenige Minuten Schwerelosigkeit sowie den Blick auf die Erdkrümmung. Insgesamt dauert der Ausflug etwa zehn Minuten, bevor die Kapsel mithilfe von Fallschirmen wieder sicher zur Erde zurückkehrt. Wissenschaftliche Experimente sind bei diesem Flug nicht vorgesehen; im Mittelpunkt steht das Erlebnis selbst.

Gerade dieser Umstand sorgt seit Jahren für Kritik an kommerziellen Raumflügen. Fachleute bemängeln, dass solche Missionen kaum wissenschaftlichen Mehrwert bieten und vor allem als Prestigeprojekte für zahlungskräftige Teilnehmer dienen. Auch ökologische Aspekte, etwa der Ressourcenverbrauch für wenige Minuten im All, werden regelmäßig thematisiert. Kritiker sehen darin ein Symbol für soziale Ungleichheit und stellen den Nutzen solcher Flüge grundsätzlich infrage.

Befürworter hingegen argumentieren, dass kommerzielle Raumfahrt neue Technologien vorantreibt und langfristig dazu beitragen kann, den Zugang zum All breiter aufzustellen. Zudem habe der symbolische Wert – insbesondere im Fall von Michaela Benthaus – eine gesellschaftliche Bedeutung, die über rein wissenschaftliche Fragestellungen hinausgehe.

Ob der zweite Startversuch erfolgreich verläuft, bleibt abzuwarten. Sollte die Rakete wie geplant abheben, wäre der Flug nicht nur ein persönlicher Meilenstein für die beiden deutschen Passagiere, sondern auch ein weiteres Kapitel in der kontrovers geführten Debatte über Sinn, Zukunft und Zugänglichkeit der privaten Raumfahrt.

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