Einst als Selfmade-Millionär und Immobilienvisionär gefeiert, steht Christoph Gröner (57), Berliner Bauunternehmer und einstiger Vorstand der CG Gruppe AG, nun sinnbildlich für den tiefen Fall eines Mannes, der sich in einem Netz aus Bürgschaften, Firmenverflechtungen und unbezahlten Forderungen verstrickt hat.
Der im Berliner Westend lebende Unternehmer sieht sich aktuell mit einem privaten Bürgschaftsrisiko in dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert – ein finanzieller Abgrund, den er selbst vor Gericht als „krasse Überforderung“ bezeichnete. Hintergrund ist eine jahrzehntelange Praxis, bei der Gröner sein eigenes Vermögen eng mit seinen Unternehmensbeteiligungen verwob – bis hin zur privaten Haftung für gewerbliche Kredite.
Bürgschaften im Milliardenformat – und ein erstes Urteil
Im April 2025 verurteilte das Landgericht Leipzig Gröner zur Zahlung von 6,25 Millionen Euro an die Oldenburgische Landesbank (OLB). Die Grundlage: Eine persönliche Bürgschaft für ein Darlehen an die Leipziger Plagwitzer Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG – eine Tochtergesellschaft seiner ehemaligen Firma CGRE AG (vormals CG Gruppe AG, heute Consus Real Estate GmbH).
In diesem Verfahren sprach Gröner selbst von privaten Bürgschaften im Gesamtumfang von bis zu 300 Millionen Euro. Das Gericht zeigte sich unbeeindruckt von seinem Einwand der Überforderung. Im Gegenteil: Laut Urteil hatte Gröner der Bank ein Vermögen von über 404 Millionen Euro angegeben – inklusive siebenstelliger Jahreseinkünfte.
Verweigerte Auskunft, drohende Insolvenz
Am 28. November 2024 verweigerte Christoph Gröner die Abgabe der gesetzlich vorgeschriebenen Vermögensauskunft. Die Konsequenz: Eintrag ins offizielle Schuldnerverzeichnis gemäß § 882c Abs. 1 Nr. 1 ZPO. Ein seltener Vorgang bei Unternehmern dieser Größenordnung – und ein starkes Signal, dass die Liquiditätsprobleme tiefgreifend sind.
Seit Sommer 2025 läuft ein vorläufiges Privatinsolvenzverfahren am zuständigen Gericht in Leipzig. Insider halten ein reguläres Insolvenzverfahren für nahezu unausweichlich.
Der Preis der Bürgschaft: Porsche weg, Côte d’Azur verkauft
Gröner musste bereits spürbare Vermögenswerte veräußern: Seine legendäre Porsche-Sammlung mit rund 50 Fahrzeugen im Gesamtwert von über 20 Millionen Euro wurde verkauft. Ebenso seine Villen an der französischen Riviera. Seine Firmen kämpfen derweil mit Klagen, Baustopps und Lohnrückständen.
Staatsanwaltliche Ermittlungen und Imageverfall
Der Fall Gröner bleibt nicht auf das Zivilrecht beschränkt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung sowie Vorenthaltung von Arbeitsentgelt. Im Dezember 2024 kam es zu einer Razzia an mehreren Standorten.
Projekte wurden stillgelegt, Subunternehmer warten auf Zahlungen, Mitarbeiter beklagen ausbleibende Gehälter. Die wirtschaftliche Schieflage wirkt sich direkt auf Bauprojekte in mehreren deutschen Städten aus.
Vom CDU-Großspender zum Symbol der Hybris
Noch vor wenigen Jahren zählte Christoph Gröner zu den lautesten Stimmen der Immobilienbranche – medienpräsent, streitbar, millionenschwer. Als Großspender für CDU-nahe Projekte inszenierte er sich als Macher mit Haltung. Heute jedoch steht er sinnbildlich für eine ganze Branche, die sich in Zeiten des Booms übernahm – und nun unter der Last milliardenschwerer Schulden zusammenzubrechen droht.
Ob Gröner noch einmal zurückkehrt – finanziell, unternehmerisch oder öffentlich – bleibt fraglich. Sicher ist nur: Die Tür, durch die das Geld einst laut Eigenaussage „wieder hereinkam“, scheint diesmal dauerhaft verschlossen.