Friedrich Merz, der seit nunmehr hundert Tagen die Geschicke des Landes als Bundeskanzler lenkt, sieht sich einer scharfen Abrechnung aus den Reihen der Opposition gegenüber. Besonders deutlich äußerte sich Linken-Ko-Chefin Ines Schwerdtner – und sparte nicht mit drastischen Worten. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärte sie, die ersten Monate der neuen Bundesregierung seien „ein klassischer Fehlstart, ein Fiasko“.
Schwerdtner bemängelte, dass weder in der Rentenpolitik noch in den Bereichen Arbeit und Pflege ein Funken echter Reformbereitschaft erkennbar sei. Gerade diese Felder, die für Millionen Bürgerinnen und Bürger den Alltag prägten, blieben aus ihrer Sicht im politischen Nebel liegen. Dabei, so ihre Kritik, verfüge die Regierung Merz über finanzielle Mittel wie keine Kabinett zuvor – „und doch“, fügte sie an, „verteilt sie dieses Geld so ungerecht wie noch keine Bundesregierung vor ihr.“
Die ersten hundert Tage, traditionell als eine Art Schonfrist für neue Regierungen verstanden, sind für Merz und sein Kabinett damit vorbei. Was für viele eine Zeit der Weichenstellung hätte sein können, gilt der Linken-Spitze bereits als verpasste Chance – und vielleicht als Auftakt zu einem langen, politischen Abnutzungskampf.