Nach 54 Tagen ist die zweite Testphase eines weltweit beachteten Pilotprojekts in Venedig zu Ende gegangen: Seit Ostern mussten Tagesbesucher zehn Euro Eintritt zahlen, um die weltberühmte Altstadt der Lagunenstadt zu betreten. Die Maßnahme sollte helfen, den stetig wachsenden Strom an Touristen zu regulieren – und ein Zeichen gegen den Massentourismus setzen, der das historische Zentrum zunehmend an seine Belastungsgrenze bringt.
Ob das Tagesticket tatsächlich abschreckend wirkte, ist bislang unklar. Die Stadtverwaltung will die Ergebnisse nun auswerten, doch bereits jetzt ist die Maßnahme umstritten: Befürworter sehen in der Gebühr ein wichtiges symbolisches Signal – eine erste, wenn auch kleine Korrektur in einer Stadt, die täglich von Tausenden Kurzbesuchern überflutet wird. Sie betonen, dass der Schutz von Venedigs einzigartiger Bausubstanz und kulturellem Erbe nicht länger dem unbegrenzten Tourismus untergeordnet werden dürfe.
Kritiker hingegen bemängeln die Vielzahl an Ausnahmen, etwa für Übernachtungsgäste, Pendler oder Schulklassen, sowie das Fehlen einer verbindlichen Besucherobergrenze. Letztlich, so die Sorge, bleibe das System ein symbolischer Akt ohne echte Lenkungswirkung – und das bei fortwährendem Druck auf die Infrastruktur, steigenden Mieten für Einheimische und wachsendem Leerstand in der Altstadt.
Venedig steht mit dieser Maßnahme an einem Scheideweg: Zwischen Welterbe und Freizeitpark, zwischen offenem Zugang und nachhaltiger Steuerung. Ob das Tagesticket Zukunft hat, wird sich zeigen – fest steht nur: Die Debatte um den Umgang mit Massentourismus ist in Venedig noch lange nicht beendet.