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Naturnachtgebiet Eisenwurzen strebt Dark-Sky-Zertifizierung an – Schutz der Dunkelheit als Vorbildprojekt
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Naturnachtgebiet Eisenwurzen strebt Dark-Sky-Zertifizierung an – Schutz der Dunkelheit als Vorbildprojekt

A_Different_Perspective / Pixabay

Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen, das sich über Teile Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark erstreckt, will seine außergewöhnlich natürliche Dunkelheit bewahren – und geht dabei einen wegweisenden Schritt: Die Region befindet sich in den finalen Vorbereitungen für eine internationale Zertifizierung als „Dark Sky Reserve“. Ziel ist es, die Lichtverschmutzung einzudämmen und den natürlichen Nachthimmel dauerhaft zu schützen.

Gerade einmal rund ein Prozent der europäischen Bevölkerung lebt unter einem nahezu natürlichen Sternenhimmel – ein Zustand, der durch die Zunahme künstlicher Beleuchtung, insbesondere durch LEDs, immer seltener wird. Davon betroffen sind vor allem urbane Räume und touristisch stark frequentierte Regionen wie Ski- und Seengebiete. „Lichtverschmutzung ist ein schleichendes Umweltproblem, das vielfach unterschätzt wird“, erklärt Stefan Wallner von der Universität Wien.

Die Eisenwurzen hingegen zählt laut Umweltdachverband zu den lichtärmsten Regionen Europas – und soll nun ein internationales Vorzeigeprojekt werden. Die Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf die Umwelt sind erheblich: nachtaktive Tiere verlieren ihren biologischen Rhythmus, Insekten verenden an Straßenlampen, Pflanzen reagieren mit verändertem Wachstum. Auch der Mensch ist betroffen – durch eine gestörte Melatoninproduktion, die zu Schlafproblemen und gesundheitlichen Beschwerden führen kann.

Strenge Vorgaben für den Himmel über der Milchstraße

Für die angestrebte Zertifizierung durch die Organisation Dark Sky International wurden im gesamten Gebiet alle Lichtquellen dokumentiert, fotografiert und vermessen. Neun Messstationen überwachen regelmäßig die Lichtverhältnisse in der Region. In der Kernzone von 975 Quadratkilometern gelten besonders strenge Anforderungen: „Es muss so dunkel sein, dass die Milchstraße von Horizont zu Horizont sichtbar ist“, sagt Wallner.

In 20 der 22 beteiligten Gemeinden wurden bereits umfassende Licht-Management-Pläne erstellt. So wurde in Orten wie Admont (Stmk) und Gaming (NÖ) die öffentliche Beleuchtung angepasst – etwa durch Folien, die kaltweißes Licht in augenfreundliches Warmweiß verwandeln. Das Projekt wird durch Fördermittel für ländliche Entwicklung finanziert.

Erlebnis Nachthimmel – Dunkelheit als Naturraum

Bereits heute zählt das Naturnachtgebiet mit 2.396 Quadratkilometern Fläche zu den größten seiner Art in Europa. Es umfasst neben 22 Gemeinden auch sechs Schutzgebiete, darunter die Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse, das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal sowie drei Naturparke.

Besucherinnen und Besucher können die besondere Atmosphäre der Region bei geführten Nachtwanderungen, Sternenführungen, Astrofotografie-Workshops oder Exkursionen erleben. Für das kommende Jahr sind zudem vier Sternenschauplätze geplant, die den Blick ins All auch für Laien spektakulär erlebbar machen sollen.

Der Blick in die Sterne wird damit nicht nur zum Naturerlebnis, sondern auch zum Appell für bewussteren Umgang mit Licht – denn echte Dunkelheit ist heute ein wertvolles Gut.

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