Nur wenige Tage bevor das US-Außenministerium eine 30-Millionen-Dollar-Hilfe für die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) genehmigte, hatte die US-Entwicklungshilfeagentur USAID in einem internen Prüfbericht erhebliche Bedenken gegen die Organisation geäußert. Das geht aus einem CNN vorliegenden Dokument hervor.
In dem 14-seitigen Bericht kritisierten USAID-Mitarbeiter massive Mängel in GHF’s Förderantrag – darunter fehlende Planungsdetails, unklare Risikobewertungen und fragwürdige Verteilungsstrategien. Dennoch wurde die Finanzierung Ende Juni mit politischer Unterstützung durch das Außenministerium unter Außenminister Marco Rubio schnell genehmigt.
„Absolut nicht ausreichend“ – USAID widersprach der Förderung
Ein USAID-Beamter zog im internen Bericht ein klares Fazit:
„Ich unterstütze die Förderung von GHF nicht – wegen operativer Risiken, Reputationsrisiken und mangelnder Kontrolle.“
Einige der im Bericht festgestellten Probleme:
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Mangelhafte Budgettransparenz und fehlerhafte Summen
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Unvollständige Sicherheits- und Zugangspläne
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Fehlende Angaben zur geografischen Lage geplanter Hilfszentren
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Pläne zur Verteilung von Säuglingsnahrung, obwohl sauberes Wasser zur sicheren Zubereitung kaum verfügbar ist
Die US-Behörden befürchten, dass durch die unsachgemäße Verteilung von Milchpulver bei fehlender Infrastruktur sogar gesundheitliche Risiken für Kinder entstehen könnten.
Politischer Druck beschleunigte Bewilligung
Trotz der fundierten Einwände aus der Fachabteilung wurde die Finanzierung auf Betreiben hochrangiger politischer Beamter durchgesetzt. Laut CNN wurde der Prüfbericht nicht an GHF weitergeleitet, bevor die Förderung bewilligt wurde. Stattdessen drängten Rubio und Jeremy Lewin, zuständig für Auslandshilfe, auf eine Schnellbewilligung.
Lewin sowie sein Kollege Kenneth Jackson wurden ursprünglich durch das von Elon Musk unterstützte Department of Government Efficiency (DOGE) ins Amt gebracht. In einer internen Notiz vom 24. Juni empfahl Jackson, alle Kriterien „angesichts der humanitären und politischen Dringlichkeit“ zu umgehen.
GHF – umstritten, aber unterstützt
Die Gaza Humanitarian Foundation, gegründet nach einer elf Wochen langen Blockade durch Israel, steht bereits seit ihrer Gründung im Fokus internationaler Kritik. Berichten zufolge sind rund um GHF-Verteilungsstellen Dutzende Palästinenser getötet worden – durch Kugeln, während sie versuchten, Hilfsgüter zu erreichen. Israel weist die Verantwortung dafür zurück.
GHF verteidigt sich: Rückfragen von USAID seien „üblich im Antragsverfahren“, so ein Sprecher gegenüber CNN. Bislang sei das Geld allerdings noch nicht ausgezahlt worden, bestätigte das Außenministerium. Es würden zunächst Nachweise zu Registrierung, Partnern und externen Prüfungen verlangt.
Sicherheitsbedenken und bewaffnete US-Söldner
Besonders brisant: GHF setzt auf bewaffnete amerikanische Sicherheitskräfte in Kooperation mit dem israelischen Militär – ein Modell, das laut über 240 NGOs gegen humanitäre Prinzipien verstößt. In einem gemeinsamen Statement warnten sie:
„Die Menschen in Gaza stehen vor einer unmöglichen Wahl: Verhungern – oder riskieren, beim Versuch, Nahrung zu bekommen, erschossen zu werden.“
Ein Bericht der Nachrichtenagentur AP bestätigte zuletzt den Einsatz von scharfer Munition und Blendgranaten durch US-Sicherheitskräfte beim Schutz von GHF-Lagern.
Trotz alledem lobte US-Botschafter Mike Huckabee die Organisation in einem Memo vom 30. Juni als „effektive Maßnahme gegen Korruption und terroristische Strukturen“. Interne Kritiker berichten jedoch, dass negative Presse über GHF aus internen Papieren entfernt wurde – zugunsten ausschließlich positiver Darstellungen.
Fazit: Dringlichkeit vs. Sorgfalt
Die GHF-Finanzierung offenbart einen tiefen Zielkonflikt in der US-Nahostpolitik: Zwischen dem Wunsch, schnelle Hilfe zu leisten, und der Pflicht, diese Hilfe verantwortungsvoll und im Einklang mit humanitären Standards zu gestalten.
Ob GHF mit den 30 Millionen Dollar tatsächlich effektiv und sicher operieren kann, bleibt angesichts der ungeklärten Fragen offen. Die humanitäre Lage in Gaza jedoch lässt kaum Raum für Experimente.