Die Preise steigen – nicht nur im Supermarkt oder an der Tankstelle, sondern auch im Reitstall. Futter, Hufschmied, Tierarzt, Stallmiete – alles rund ums Pferd ist deutlich teurer geworden. Das trifft nicht nur Freizeitreiter und Pferdebesitzer, sondern auch eine ganze Branche: In Schleswig-Holstein hängen laut aktuellen Zahlen fast 50.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Wirtschaftsfaktor Pferd. Doch diese beeindruckende Zahl ist inzwischen rückläufig.
Wirtschaftszweig mit Tradition und Problemen
Schleswig-Holstein gilt als pferdefreundliches Land: Reitvereine, Zuchtbetriebe, Reiterhöfe und Turniere haben hier lange Tradition. Doch die Branche gerät zunehmend unter Druck. Landwirte, Pferdewirte und Stallbetreiber berichten von stark gestiegenen Kosten, etwa für Heu, Einstreu, Strom und Versicherungen. Gleichzeitig sinkt bei vielen Freizeitreitern die Zahlungsbereitschaft – oder schlicht die Möglichkeit, die wachsenden Ausgaben mitzutragen.
Mancher Stall musste die Boxenmiete bereits mehrfach erhöhen, andere sparen beim Personal oder bei Angeboten. Einige Betriebe denken laut über eine Aufgabe nach – und das in einer Zeit, in der auch der Fachkräftemangel in der Pferdewirtschaft immer spürbarer wird.
Pferd als Luxusgut?
Die Preissteigerungen machen das Pferd für viele zum Luxusgut. Gerade in der Freizeitreiterei überlegen sich viele Familien inzwischen zweimal, ob sie die laufenden Kosten für ein eigenes Pferd tragen können oder lieber auf Reitbeteiligungen oder Reitstunden ausweichen.
Auch in der Zucht und im Turniersport zeigen sich Veränderungen: Weniger Starts, geringere Nachfrage nach Nachwuchspferden und wachsende Unsicherheit, wie es für viele Betriebe weitergehen kann.
Forderungen an Politik und Verbände
Die Branche fordert deshalb mehr politische Unterstützung – etwa in Form von steuerlichen Entlastungen, Förderprogrammen für Stallmodernisierung oder besseren Rahmenbedingungen für Pferdebetriebe im ländlichen Raum. Denn das Pferd ist nicht nur Freizeitpartner, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, der Tourismus, Handwerk und Landwirtschaft miteinander verbindet.
Fazit
Die Pferdewirtschaft in Schleswig-Holstein steht an einem Wendepunkt. Die steigenden Kosten belasten Betriebe und Pferdefreunde gleichermaßen, während Arbeitsplätze und kulturelle Strukturen gefährdet sind. Um den Wirtschaftsfaktor Pferd langfristig zu sichern, braucht es nun entschlossenes Handeln – von Politik, Verbänden und auch den Verbrauchern selbst.