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Bovril: Wie ein britischer Fleischaufstrich mit früher Science-Fiction verknüpft ist

qimono (CC0), Pixabay

Was hat ein salziger Fleischaufstrich mit einer unterirdischen Superzivilisation gemeinsam? Mehr, als man zunächst vermuten würde. Der britische Klassiker Bovril, seit dem 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil vieler Küchen, verdankt seinen Namen zum Teil einem frühen Werk der Science-Fiction – und einem damals populären, geheimnisvollen Energiekonzept.

„Bo“ für Rind, „Vril“ für Fantasie

Der erste Teil des Namens ist schnell erklärt: „Bo“ steht für „bovine“, also „rindfleischhaltig“. Aber was hat es mit dem zweiten Teil, „Vril“, auf sich?

Die Antwort liegt im Jahr 1871. Damals erschien ein anonymer Roman mit dem Titel The Coming Race, der schnell zum Bestseller wurde. Darin entdeckt ein Erzähler durch einen Unfall ein unterirdisches Volk mit übernatürlichen Fähigkeiten. Diese sogenannten Vril-Ya besitzen telepathische Kräfte und übermenschliche Stärke – möglich gemacht durch eine geheimnisvolle Energie namens Vril.

Später wurde bekannt, dass der Autor Edward Bulwer-Lytton war – ein angesehener Politiker und Schriftsteller, der auch für den berühmten ersten Satz „Es war eine dunkle und stürmische Nacht…“ verantwortlich ist.

Von der Literatur zur Lebensmittelfirma

In dieser kulturellen Atmosphäre begann der schottische Unternehmer John Lawson Johnston, ein haltbares Rindfleischkonzentrat zu entwickeln. Ziel war es, Rindfleisch aus Übersee (etwa aus Südamerika oder Australien) in Europa verfügbar zu machen – ohne Kühlung. Das Ergebnis war ein zähflüssiger Fleisch-Extrakt, der sich als Brotaufstrich oder Heißgetränk konsumieren ließ.

Doch wie verkauft man Fleischpaste als gesundes, anregendes Nahrungsmittel? Johnston entschied sich, den Produktnamen mit dem literarischen „Vril“-Begriff zu verbinden – ein Marketing-Schachzug, der dem Produkt eine fast magische Wirkung verlieh.

Ein Werbetext aus dem Jahr 1891 preist Bovril als „materialisiertes Ideal“ des Vril-Energieprinzips und verspricht „geistige und körperliche Vitalität ohne Belastung der Verdauungsorgane“.

Science-Fiction-Kult mit Nebenwirkungen

The Coming Race hatte nicht nur Einfluss auf den Produktnamen, sondern inspirierte auch eine bizarre Popkulturwelle. 1891 fand in der Londoner Royal Albert Hall sogar eine große Veranstaltung namens Vril-Ya Bazaar and Fete statt – samt Kostümen und elektrischer Massagedemonstrationen.

Die Idee des „Vril“ lebte weiter – auch abseits der Literatur. Die theosophische Bewegung um Helena Blavatsky hielt die Energieform für real. In den 1940er-Jahren schrieb der deutsche Raketenpionier Willy Ley über eine esoterische Berliner Gruppe, die an Vril glaubte und vermutete, das Britische Empire habe durch diese Kraft seine Macht gesichert – ein früher Vorläufer heutiger Verschwörungstheorien.

Von Fleischtee zu Fantasien über Weltmächte

Heute ist Bovril vor allem als würziger Aufstrich oder „Fleischtee“ bekannt – beliebt bei Wanderern, Fußballfans und Nostalgikern. Doch hinter dem bekannten Glas mit rotem Deckel steckt mehr als nur ein kräftiger Geschmack: eine Geschichte von kolonialem Handel, Science-Fiction-Pionieren und einem cleveren Markennamen, der Fantasie mit Fleisch verband.


Wussten Sie schon?

  • Bovril wurde ursprünglich entwickelt, um Fleisch aus Übersee haltbar zu machen.

  • Das Wort „Vril“ stammt aus einem fiktiven Roman über unterirdische Supermenschen.

  • Einige Esoteriker hielten Vril für real – und sahen darin eine geheime Weltmacht.

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