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Spielsucht in Schweden auf dem Vormarsch – „Ein stilles Leiden“ mit schweren Folgen

blickpixel (CC0), Pixabay

In Schweden steigt die Zahl der Menschen, die wegen Glücksspielsucht professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das geht aus aktuellen Daten der schwedischen Gesundheits- und Wohlfahrtsbehörde (Socialstyrelsen) hervor. Dennoch warnen Fachleute: Die Dunkelziffer ist hoch – viele Betroffene kämpfen im Stillen und suchen keine Unterstützung, obwohl ihre Lebensumstände massiv beeinträchtigt sind.

Omid Rezvani weiß, wovon er spricht. Der ehemalige Spielsüchtige setzt sich heute für mehr gesellschaftliche Aufklärung ein: „Glücksspielsucht betrifft weit mehr Menschen, als man glaubt. Sie zerstört Existenzen – finanziell, psychisch und sozial. Und doch wird sie kaum gesehen. Es ist ein stilles Leiden, das viele im Verborgenen tragen.“

Immer mehr Behandlungen – doch kaum Prävention

Die neuen Zahlen belegen, dass sich immer mehr Betroffene in Behandlung begeben, sei es durch stationäre Betreuung, ambulante Therapie oder Online-Hilfeangebote. Besonders auffällig: Auch junge Erwachsene und zunehmend Frauen sind betroffen – eine Entwicklung, die Experten mit der leichten Zugänglichkeit von Online-Glücksspielen und Sportwetten erklären.

Doch obwohl die Behandlungszahlen steigen, sei das Hilfesystem noch immer lückenhaft, so Kritiker. Präventionsmaßnahmen seien unzureichend, therapeutische Angebote oft zu spät zugänglich und gesellschaftliche Tabus würden dazu führen, dass viele Betroffene lange schweigen. Spielsucht werde vielfach noch als persönliches Scheitern statt als ernstzunehmende Erkrankung wahrgenommen.

Eine unsichtbare Sucht mit schwerwiegenden Folgen

Die Auswirkungen der Glücksspielsucht sind gravierend. Viele Erkrankte geraten in massive finanzielle Not, verlieren ihren Arbeitsplatz, isolieren sich sozial oder entwickeln zusätzlich Depressionen und Angststörungen. In schweren Fällen kommt es zu Suizidgedanken oder -versuchen. Laut Fachleuten verläuft der Krankheitsverlauf oft schleichend – bis es für viele zu spät ist, um aus eigener Kraft herauszufinden.

Omid Rezvani fordert daher eine frühere Erkennung und mehr öffentliche Unterstützung: „Es braucht mehr Offenheit, mehr Präventionsarbeit, aber auch ein Unterstützungsnetz für Angehörige – denn Spielsucht betrifft immer auch das Umfeld.“

Staat und Gesellschaft gefordert

Die Socialstyrelsen hat angekündigt, verstärkt in Aufklärung, Früherkennung und spezialisierte Hilfeangebote investieren zu wollen. Auch Regulierungen im Bereich der Glücksspielwerbung stehen in der politischen Diskussion. Kritiker fordern unter anderem klare Warnhinweise, Einsatzlimits bei Online-Plattformen und verpflichtende Beratungsangebote für Risikospieler.

Fazit:
Die Zahl der behandelten Spielsüchtigen in Schweden steigt – doch sie ist nur die Spitze des Eisbergs. Glücksspielsucht bleibt eine weitgehend unsichtbare Erkrankung, die Menschen quer durch alle sozialen Schichten betrifft. Damit aus dem „stillen Leiden“ ein laut geführter Diskurs über wirksame Hilfe wird, braucht es mehr als Zahlen: Es braucht gesellschaftliche Aufmerksamkeit, politische Entschlossenheit und echte Unterstützung für Betroffene und ihre Familien.

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