Das durchschnittliche Rentenalter in den Vereinigten Staaten ist in den letzten drei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen – bei Männern von 61 auf 64 Jahre, bei Frauen von 59 auf 62. Zu diesem Ergebnis kommt die Ökonomin Alicia Munnell vom Center for Retirement Research am Boston College in einer aktuellen Analyse.
Warum arbeiten Amerikaner länger?
Mehrere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen haben zu dieser Verschiebung beigetragen:
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Längere Lebenserwartung und bessere Gesundheit im Alter ermöglichen längeres Arbeiten.
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Wegfall klassischer Betriebsrenten zugunsten von 401(k)-Modellen motiviert Beschäftigte, länger zu arbeiten, um mehr anzusparen.
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Veränderungen bei der Sozialversicherung (Social Security): Das offizielle Renteneintrittsalter wurde von 65 auf 67 Jahre angehoben.
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Fehlende Krankenversicherung vor 65: Viele Arbeitgeber bieten keine Gesundheitsleistungen mehr für Vorruheständler an, was eine Frühverrentung unattraktiv macht.
Arbeiten, weil man will – oder muss?
Laut Munnell sei der Trend zu späterem Renteneintritt bisher größtenteils positiv zu deuten. Andere Experten, wie Nicola Bianchi von der Northwestern University, sehen jedoch eine Kehrseite: Viele Menschen müssten schlicht länger arbeiten, weil ihre Ersparnisse nicht ausreichen.
Eine AARP-Umfrage von 2024 zeigt: Rund 20 % der Amerikaner über 50 haben keinerlei Altersvorsorge. Viele fürchten, nicht genug Geld für ein sorgenfreies Rentenleben zu haben.
Widersprüchliche Gefühle gegenüber dem Ruhestand
Viele Amerikaner träumen von einem frühen Ruhestand – doch je näher dieser rückt, desto mehr passen sie ihre Erwartungen an. Laut dem Transamerica Center for Retirement Studies rechnen heute über 50-Jährige im Durchschnitt mit einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren.
Gleichzeitig treten viele dennoch früher als geplant in den Ruhestand, etwa durch gesundheitliche Probleme oder betriebliche Kündigungen.
Kehrtwende 2025?
Trotz des jahrzehntelangen Aufwärtstrends könnte das Rentenalter im Jahr 2025 erstmals wieder sinken. Grund dafür sind laut Munnell die Verunsicherungen rund um das US-Renten- und Sozialsystem unter der Regierung Trump:
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Sparmaßnahmen, Personalabbau, Systemumstellungen und Technikprobleme bei den Sozialbehörden haben dazu geführt, dass die Zahl der Neuanträge auf Sozialleistungen im Frühjahr um über 15 % gestiegen ist.
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Viele Bürger beantragen ihre Rente früher als geplant, aus Angst vor Einschränkungen oder Leistungsstreichungen.
Wie geht es weiter?
Langfristig werden zwei Altersgrenzen entscheidend bleiben:
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62 Jahre: Frühestmöglicher Bezug von Social Security (mit Abschlägen),
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65 Jahre: Beginn der Medicare-Krankenversicherung.
Sollten diese Grenzen politisch angehoben werden – etwa durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 –, würde auch das faktische Rentenalter weiter steigen. Bisher hat Präsident Trump jedoch versprochen, am derzeitigen System nichts zu ändern.
Fazit
Der Trend zu späterem Ruhestand in den USA hat viele Ursachen – von besserer Gesundheit bis zu wirtschaftlichem Zwang. Während einige Experten darin eine Stärkung der Eigenverantwortung sehen, warnen andere vor einer wachsenden sozialen Kluft. Ob 2025 wirklich eine Trendwende einleitet, hängt stark von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ab.