Amerikaner im Ausland? Früher das Symbol für Selfie-Sticks, Fast-Food-Akzente und peinliche Fragen à la „Do you guys speak American here?“ Heute? Eine Art wandelnde PR-Kampagne – mit dem Zusatzaufdruck: „Ich hab echt nicht für ihn gestimmt, okay?“
Die Global-Rescue-Gurus (klingt nach einer Mischung aus Medizintourismus und Krisenkompass) haben 11.000 Leute befragt, und satte 72 % glauben, dass Amerikaner 2025 noch unbeliebter im Ausland sein werden als ein deutsches Junggesellenabschieds-Kommando in Barcelona. Grund: Die USA benehmen sich international wie ein Elefant mit Megaphon – und Trump als Dompteur.
Terry und Chris Wells aus Georgia, offenbar Reise-Profis im Ruhestand, hatten eigentlich Seoul gebucht. Alles stand. Flug, Hotel, Bucket-List-Feeling. Doch dann kam die Realität mit all ihren Polit-Schlagzeilen, Trump-Quotes und geopolitischen „Witzen“. Jetzt geht’s statt nach Korea zu Terrys Bruder nach Hawaii – immerhin noch amerikanisch, obwohl, wer weiß, was Trump als Nächstes annektieren will.
Terry beschreibt sich als selten ängstlich, aber jetzt? Anxious like never before. Und das nicht wegen Raketen oder Kim Jong-un, sondern wegen dem Gefühl, dass man mit US-Pass gerade nicht unbedingt der gern gesehene Weltbürger ist. Ein Gefühl, das wohl viele teilen.
Denn: Das große „Ich bin nicht Trump“-Versteckspiel beginnt. Immer mehr Amerikaner im Ausland überlegen, ob sie „USA“ überhaupt erwähnen sollen. The Passport Couple zum Beispiel – also zwei Menschen, die davon leben, Selfies mit Sonnenuntergang und Latte Art zu machen – geben sich lieber als „Californians“ aus. Klingt harmloser. Mehr Yoga, weniger Trump.
In Italien fragte ein Local sie: „Flieht ihr vor Trump?“
Antwort: Nervöses Lachen. Vage Ausflüchte. Bloß kein Gespräch über Politik. Weil: politische Diskussionen sind in den USA etwa so beliebt wie Zwangsvegetarismus auf einer Grillparty in Texas.
Andere Touris werden da offensiver. In Neapel tragen manche bald Buttons mit dem Aufdruck: „I didn’t vote for him“. Wenn du das brauchst, um in Europa in Ruhe Pizza zu essen – willkommen in der Realität von 2025.
Dabei sagen die Locals oft: „Chill. Uns ist das egal. Hauptsache du bestellst keinen Cappuccino nach 11 Uhr.“
So auch Tourguide Alessandra Riao, die meint, dass die Amis sich vor dem Trip mehr Sorgen machen, als dann nötig ist. Neapel sei warm, offen, und ganz ehrlich: Touris sind Kunden. Und Kunden haben immer recht – selbst wenn sie Trump wählen.
Auch Jack Napton, 79, hat’s getestet: Barcelona – null politische Konfrontation. Athen – sogar ein Trump-Fan als Taxifahrer. Alles easy. Klar, Politik kam mal auf den Tisch, aber niemand ist explodiert. Im Gegenteil: Man hat sich ausgetauscht, und Jack hat’s genossen. Bildung durch Begegnung, nicht durch Fox News.
Fazit:
Die Scham, Amerikaner zu sein, reist derzeit oft mit. Aber die Welt hat Wichtigeres zu tun, als jeden US-Touri zu grillen. Vielleicht ist es am Ende gar nicht der Rest der Welt, der so anti ist – sondern die eigenen Vorurteile, die im Gepäck sitzen.
Oder, wie es ein Pin auf einem Rucksack bald ausdrücken könnte:
„American? Ja. Peinlich? Nur innerlich.“