Ein radikaler Strategiewechsel beim Online-Riesen Temu: Die Shopping-Plattform, bekannt für ihre extrem günstigen Produkte direkt aus China, hat beschlossen, den Versand aus dem Ausland in die USA komplett einzustellen. Stattdessen kommen die Waren nun aus US-amerikanischen Lagerhäusern.
Was steckt hinter dieser überraschenden Entscheidung – und was bedeutet das für Kund*innen?
Zollschranken machen Temu einen Strich durch die Rechnung
Der Hintergrund: Mit dem Auslaufen einer wichtigen Zollausnahme – der sogenannten „de minimis“-Regel – werden seit Kurzem auch kleine Pakete unter 800 Dollar wieder mit Einfuhrzöllen und Gebühren belegt. Diese Regelung war lange ein Schlupfloch, das es Plattformen wie Temu und Shein ermöglichte, Waren direkt aus China zollfrei in die USA zu schicken.
Doch nun ist Schluss damit – nicht zuletzt wegen neuer Zölle auf chinesische Importe und wachsendem politischen Druck. Ex-Präsident Donald Trump hatte die Schlupfloch-Schließung zwar bereits im Februar beschlossen, die Umsetzung aber kurzfristig verschoben, weil sich Sendungen an den US-Grenzen stauten.
Temus Antwort: Lokale Verkäufer, lokale Lager – gleicher Preis
In einer Stellungnahme gegenüber USA TODAY erklärte Temu:
„Alle Verkäufe in den USA werden jetzt über lokal ansässige Händler abgewickelt und aus Lagern im Land selbst versendet.“
Damit entfällt nicht nur der Zoll, sondern auch lange Lieferzeiten und mögliche zusätzliche Gebühren beim Empfang. Produkte mit dem Label „Local Warehouse“ auf Temus Website bedeuten:
✅ Versand aus dem eigenen Land
✅ Keine Importgebühren
✅ Keine zusätzlichen Lieferkosten
Laut Temu bleiben die Preise für US-Kund*innen trotz der Umstellung unverändert. Ob das auch langfristig so bleibt, ist angesichts globaler Handelskonflikte jedoch fraglich.
Neue Chance für lokale Händler – und Kunden?
Temu will künftig gezielt US-Händler auf die Plattform holen, um das Sortiment zu sichern und gleichzeitig kleine Unternehmen zu unterstützen. Auch wenn unklar ist, wie schnell amerikanische Produzenten die Nachfrage decken können, ergibt sich hier durchaus Potenzial für mehr regionale Vielfalt – und möglicherweise bessere Produktstandards.
Allerdings: Temu und Konkurrent Shein hatten bereits Ende April vor möglichen Preisanstiegen gewarnt – als Folge der neuen Zölle und geopolitischen Spannungen.
Fazit: Globaler Wandel, lokal gespürt
Temus Schritt zeigt, wie stark politische Entscheidungen den E-Commerce beeinflussen – und wie schnell Unternehmen gezwungen sind, ihre Modelle umzustellen. Für Kund*innen in den USA heißt das aktuell: gleiche Preise, schnellere Lieferung – und keine Zollüberraschungen mehr an der Haustür.
Ob das Modell auch in anderen Ländern Schule macht? Das bleibt abzuwarten.