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Windpark Garlipp 4 stärkt Eigenkapital und senkt Schulden doch Anleger sollten bei Gewinn und Verpflichtungen genau hinschauen

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Windpark Garlipp 4. Betriebs GmbH legt für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 einen Jahresabschluss vor, der auf den ersten Blick durchaus solide wirkt. Das Eigenkapital ist gestiegen, die Bankverbindlichkeiten wurden deutlich reduziert und die liquiden Mittel haben zugenommen. Für Anleger ist das grundsätzlich erfreulich. Bei genauerer Betrachtung zeigt die Bilanz allerdings auch Punkte, die einer Erklärung bedürfen. Dazu gehören ein offenbar rückläufiger Jahreserfolg, weiterhin erhebliche Finanzverbindlichkeiten und zusätzliche finanzielle Verpflichtungen von rund 4,59 Millionen Euro.

Die Bilanzsumme ging leicht von rund 10,88 Millionen Euro auf 10,69 Millionen Euro zurück. Ein solcher Rückgang ist bei einer Windparkgesellschaft zunächst nicht ungewöhnlich, weil die technischen Anlagen planmäßig abgeschrieben werden.

Das Sachanlagevermögen sank innerhalb eines Jahres von rund 9,90 Millionen Euro auf 9,34 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 555.000 Euro beziehungsweise etwa 5,6 Prozent. Nach den Angaben im Anhang werden die Sachanlagen linear über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben.

Positiv entwickelt hat sich dagegen das Umlaufvermögen. Es stieg von rund 853.000 Euro auf 1,22 Millionen Euro.

Besonders interessant ist dabei die Liquidität. Die Guthaben bei Kreditinstituten und sonstigen liquiden Mittel erhöhten sich von rund 488.000 Euro auf rund 708.000 Euro. Das entspricht einem Plus von gut 220.000 Euro beziehungsweise rund 45 Prozent.

Für Anleger ist das zunächst ein positives Signal. Eine ausreichende Liquiditätsreserve ist gerade bei Windparkgesellschaften wichtig, weil Wartungen, Reparaturen, Versicherungen und andere betriebliche Verpflichtungen finanziert werden müssen.

Allerdings stiegen gleichzeitig die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände von rund 366.000 Euro auf rund 516.000 Euro. Das ist ein Zuwachs von gut 150.000 Euro beziehungsweise rund 41 Prozent.

Aus der Bilanz allein lässt sich nicht erkennen, wodurch dieser Anstieg verursacht wurde. Für eine umfassende Anlegerbewertung wäre deshalb interessant zu wissen, welche Forderungen dahinterstehen und wie schnell diese in liquide Mittel umgewandelt werden können.

Deutlich positiv ist die Entwicklung des Eigenkapitals.

Dieses erhöhte sich von rund 2,38 Millionen Euro auf rund 2,75 Millionen Euro. Damit steigt die rechnerische Eigenkapitalquote von ungefähr 21,9 Prozent auf rund 25,7 Prozent.

Eine Eigenkapitalquote von knapp 26 Prozent bedeutet zwar weiterhin, dass ein erheblicher Teil der Vermögenswerte fremdfinanziert ist. Die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr geht jedoch klar in die richtige Richtung.

Auch die Verbindlichkeiten wurden reduziert. Sie sanken von rund 8,06 Millionen Euro auf rund 7,45 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 602.000 Euro beziehungsweise rund 7,5 Prozent.

Besonders deutlich zeigt sich der Schuldenabbau bei den Bankkrediten.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten gingen von rund 7,55 Millionen Euro auf rund 6,60 Millionen Euro zurück. Innerhalb eines Jahres wurden damit rechnerisch rund 952.000 Euro Bankverbindlichkeiten abgebaut.

Das ist aus Anlegersicht ein wichtiger positiver Punkt.

Ein Windpark ist typischerweise langfristig finanziert. Entscheidend ist deshalb nicht allein die absolute Höhe der Schulden, sondern insbesondere die Frage, ob die laufenden Einnahmen ausreichen, um Zinsen, Tilgungen und Betriebskosten dauerhaft zu bedienen.

Von den Bankverbindlichkeiten in Höhe von rund 6,60 Millionen Euro haben rund 952.000 Euro eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr. Rund 5,65 Millionen Euro laufen länger als ein Jahr. Davon haben wiederum gut 3,04 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Damit besteht weiterhin eine erhebliche langfristige Fremdfinanzierung.

Hinzu kommt, dass die gesamten Bankverbindlichkeiten von rund 6,60 Millionen Euro durch Pfandrechte oder vergleichbare Sicherungsrechte abgesichert sind.

Das ist bei projektfinanzierten Energieanlagen nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Anleger sollten dennoch berücksichtigen, dass Fremdkapitalgeber im wirtschaftlichen Krisenfall aufgrund entsprechender Sicherheiten eine starke Position haben können.

Ein genauer Blick lohnt sich auch beim Gewinn.

Der ausgewiesene Bilanzgewinn beträgt rund 2,73 Millionen Euro. Diese Zahl darf jedoch nicht mit dem Gewinn des Geschäftsjahres verwechselt werden.

Im Bilanzgewinn steckt ein Gewinnvortrag aus früheren Jahren von rund 2,36 Millionen Euro.

Aus der Differenz zwischen dem ausgewiesenen Bilanzgewinn von 2.726.301,54 Euro und dem angegebenen Gewinnvortrag von 2.357.443,97 Euro lässt sich rechnerisch ein Betrag von rund 368.858 Euro ableiten.

Im Vorjahr ergibt sich aus den entsprechenden Angaben rechnerisch ein Betrag von rund 483.104 Euro.

Unter der Annahme, dass keine weiteren Veränderungen oder Ergebnisverwendungen berücksichtigt werden müssen, würde dies bedeuten, dass der Jahreserfolg um rund 114.000 Euro beziehungsweise knapp 24 Prozent zurückgegangen ist.

Genau an dieser Stelle ist allerdings Vorsicht geboten. Der vorliegende Ausschnitt enthält keine vollständige Gewinn und Verlustrechnung. Deshalb sollte die Differenz nicht ohne weitere Unterlagen endgültig als Jahresüberschuss interpretiert werden.

Für Anleger wäre die vollständige Gewinn und Verlustrechnung besonders wichtig. Erst daraus ließe sich erkennen, wie sich Umsätze, Stromerlöse, Betriebsaufwendungen, Abschreibungen, Zinskosten und Steuern entwickelt haben.

Gerade bei einem Windpark ist zudem entscheidend, ob ein Ergebnisrückgang auf schwächere Windverhältnisse, niedrigere Strompreise, technische Stillstände, höhere Wartungskosten, Zinsbelastungen oder andere Faktoren zurückzuführen ist.

Diese Informationen liefert die Bilanz allein nicht.

Ein weiterer Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit.

Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen laut Anhang sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 4.590.045,93 Euro.

Genannt werden Pachten, Versicherungen, Betriebsführung und Wartungen.

Diese Summe ist erheblich. Sie entspricht rund 43 Prozent der gesamten Bilanzsumme.

Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass diese 4,59 Millionen Euro sofort bezahlt werden müssten oder dass es sich um zusätzliche Bankschulden handelt. Solche Verpflichtungen können sich beispielsweise aus langfristigen Verträgen ergeben und über viele Jahre verteilen.

Für Anleger ist deshalb weniger die bloße Gesamtsumme entscheidend als die Frage, über welchen Zeitraum diese Verpflichtungen laufen und welche jährliche Belastung daraus entsteht.

Genau diese Aufschlüsselung fehlt in den vorliegenden Angaben.

Ein Windpark kann langfristige Pacht-, Wartungs- und Betriebsführungsverträge benötigen, um überhaupt betrieben werden zu können. Solche Verpflichtungen sind deshalb nicht automatisch problematisch. Sie reduzieren aber den zukünftigen finanziellen Spielraum und müssen aus den laufenden Einnahmen erwirtschaftet werden.

Positiv ist wiederum, dass die Rückstellungen mit rund 205.000 Euro vergleichsweise stabil geblieben sind. Im Vorjahr waren es rund 199.000 Euro.

Zusätzlich weist die Gesellschaft passive latente Steuern von rund 284.000 Euro aus, nach rund 245.000 Euro im Vorjahr.

Interessant ist außerdem die Konzernzugehörigkeit. Die Gesellschaft wird in den Konzernabschluss der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich einbezogen.

Für Anleger kann die Zugehörigkeit zu einem größeren Konzern grundsätzlich stabilisierend wirken. Daraus sollte allerdings nicht automatisch eine Garantie für Verpflichtungen der einzelnen Windparkgesellschaft abgeleitet werden. Eine Konzernzugehörigkeit bedeutet für sich genommen nicht, dass das Mutterunternehmen sämtliche Verpflichtungen der Tochtergesellschaft übernehmen muss.

Ein formaler Punkt des veröffentlichten Abschlusses fällt ebenfalls auf und sollte zumindest erklärt werden.

Der Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr bis zum 30. September 2025. Unterzeichnet ist der Anhang in Meißen mit Datum vom 8. September 2026.

Bei den Angaben zur Feststellung heißt es jedoch, der Jahresabschluss sei bereits am 7. Oktober 2025 festgestellt worden.

Damit wäre der Abschluss nur sieben Tage nach Ende des Geschäftsjahres festgestellt worden und gleichzeitig rund elf Monate vor der im Dokument angegebenen Unterzeichnung.

Ob es sich dabei um einen Übertragungsfehler, eine Besonderheit der Veröffentlichung oder tatsächlich um die angegebenen Daten handelt, lässt sich aus dem vorliegenden Dokument nicht klären. Anleger sollten aus dieser Auffälligkeit keine weitergehenden Schlussfolgerungen ziehen, ohne die Originalunterlagen beziehungsweise eine Erklärung der Gesellschaft zu kennen. Erklärungsbedürftig erscheint die zeitliche Abfolge dennoch.

Unter dem Strich präsentiert sich die Windpark Garlipp 4. Betriebs GmbH aus Anlegersicht keineswegs als offensichtlicher Problemfall.

Im Gegenteil: Das Eigenkapital steigt, die Eigenkapitalquote verbessert sich deutlich, die Bankverschuldung sinkt um fast eine Million Euro und die vorhandene Liquidität nimmt um rund 45 Prozent zu. Das sind mehrere wichtige positive Entwicklungen.

Auf der anderen Seite bleibt die Gesellschaft stark fremdfinanziert. Rund 7,45 Millionen Euro Verbindlichkeiten stehen einer Bilanzsumme von rund 10,69 Millionen Euro gegenüber. Zusätzlich existieren langfristige beziehungsweise sonstige finanzielle Verpflichtungen von rund 4,59 Millionen Euro.

Gleichzeitig deutet die Entwicklung des Bilanzgewinns darauf hin, dass der im Geschäftsjahr erwirtschaftete Ergebnisbeitrag gegenüber dem Vorjahr gesunken sein könnte. Ohne vollständige Gewinn und Verlustrechnung lässt sich allerdings weder die genaue Höhe noch die Ursache belastbar beurteilen.

Genau deshalb sollten Anleger nicht nur auf den beeindruckend klingenden Bilanzgewinn von 2,73 Millionen Euro schauen. Der größte Teil dieses Betrags stammt aus vorgetragenen Gewinnen früherer Jahre.

Für eine fundierte Bewertung wären insbesondere die vollständige Gewinn und Verlustrechnung, die Stromproduktion des Windparks, erzielte Strompreise beziehungsweise Vergütungen, Zinsaufwendungen, Ausschüttungen, tatsächliche Cashflows sowie die jährliche Belastung aus den 4,59 Millionen Euro sonstigen finanziellen Verpflichtungen interessant.

Das Gesamtbild ist damit durchaus ordentlich, aber nicht frei von Fragen. Die Gesellschaft baut Bankschulden ab und stärkt ihr Eigenkapital. Das spricht für eine Verbesserung der bilanziellen Stabilität. Gleichzeitig sollten Anleger genauer hinschauen, warum der rechnerisch ableitbare Ergebnisbeitrag zurückgegangen ist und welche Belastungen aus den umfangreichen langfristigen Verpflichtungen in den kommenden Jahren tatsächlich entstehen.

Die spannendste Zahl des Abschlusses ist deshalb möglicherweise nicht der Bilanzgewinn von 2,73 Millionen Euro, sondern die Kombination aus 6,60 Millionen Euro Bankkrediten, 4,59 Millionen Euro zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen und einer gleichzeitig verbesserten Liquiditäts- und Eigenkapitalposition. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, wie robust der Windpark wirtschaftlich tatsächlich aufgestellt ist.

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