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Cariad vor der nächsten Schrumpfkur: VW-Softwaretochter soll weitere 1.000 Stellen verlieren

RosZie (CC0), Pixabay

Erst der große Softwareauftrag, dann Projektprobleme und ein Strategiewechsel – jetzt droht Cariad der nächste tiefe Einschnitt. Bei der Volkswagen-Tochter sollen rund 1.000 weitere Arbeitsplätze wegfallen. Das wäre knapp ein Viertel der derzeit etwa 4.300 Beschäftigten. Gleichzeitig sollen die Investitionen über mehrere Jahre um Milliarden gekürzt werden.
Nach einem Bericht des Handelsblatts, den der NDR aufgreift, erfuhren die Beschäftigten am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung von den Plänen. Wann die Stellen gestrichen werden sollen und wie der Abbau umgesetzt werden könnte, ist bislang offen. Ein Cariad-Sprecher wollte die Angaben gegenüber der Zeitung nicht kommentieren.

Von 6.500 Beschäftigten könnten etwa 3.300 bleiben

Die Größenordnung wird im Rückblick deutlich: Im Jahr 2023 arbeiteten noch rund 6.500 Menschen bei Cariad. Inzwischen sind es etwa 4.300. Sollte der nun berichtete Abbau vollständig umgesetzt werden und blieben andere Veränderungen aus, würde die Belegschaft rechnerisch auf rund 3.300 sinken.
Damit hätte sich die Beschäftigtenzahl gegenüber 2023 nahezu halbiert. Für die Mitarbeitenden steht hinter diesen Zahlen die Frage, welche Teams und Aufgaben künftig noch gebraucht werden. Konkrete Angaben zu betroffenen Bereichen enthält der vorliegende Bericht nicht.
Als Begründung nennt das Handelsblatt unter Berufung auf Teilnehmer der Betriebsversammlung die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber externen Softwareanbietern. Cariad soll demnach mit einer kleineren Belegschaft konkurrenzfähig bleiben.

Milliardenkürzungen bei den Investitionen

Der Personalabbau ist offenbar nur ein Teil des Sparkurses. Aus einem internen Papier, das das Handelsblatt zitiert, geht hervor, dass Cariad seine Investitionen von 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro kürzen soll.
Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll die Tochter zudem weitere 400 Millionen Euro zur angestrebten Verbesserung des operativen Volkswagen-Konzernergebnisses beitragen.
Welche Entwicklungsprojekte von den Kürzungen betroffen wären, bleibt offen. Die beiden Beträge lassen sich auch nicht einfach zusammenzählen: Die 6,1 Milliarden Euro betreffen Investitionen über fünf Jahre, die 400 Millionen Euro einen zusätzlichen Beitrag zum operativen Ergebnis.

Tarifliche Regelungen stehen ebenfalls zur Debatte

Zusätzlich berichtet das Handelsblatt, Cariad habe mehrere Tarifverträge gekündigt, um Regelungen neu zu verhandeln. Welche Vereinbarungen betroffen sind und welche Änderungen das Unternehmen anstrebt, geht aus dem bereitgestellten Artikel nicht hervor.
Auch Volkswagen selbst hat die Kündigung tariflicher Vereinbarungen angekündigt, darunter des Manteltarifvertrags. Bei Cariad treffen damit zwei Entwicklungen zusammen: weniger Arbeitsplätze und die geplante Neuverhandlung tariflicher Bedingungen.
Die Kündigung von Tarifverträgen ist dabei nicht mit der Kündigung einzelner Beschäftigter gleichzusetzen. Wie der angekündigte Stellenabbau erfolgen soll, ist weiterhin ungeklärt.

Vom zentralen Softwareentwickler zu stärkerer Arbeitsteilung

Cariad war mit einem großen Anspruch gestartet: Die Tochter sollte wesentliche Teile der Software für den gesamten Volkswagen-Konzern entwickeln. Nach Problemen bei wichtigen Projekten tauschte der Konzern vor drei Jahren die Führung aus und änderte die Strategie.
Konzernchef Oliver Blume setzt stärker auf externe Partner wie Rivian aus den USA und Xpeng aus China. Für Cariad bleiben nach dem Bericht unter anderem Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und Infotainment-Systeme wichtige Aufgaben.
Der Konzern verteilt die Softwareentwicklung damit auf mehrere Beteiligte. Die nun berichteten Sparpläne werfen die Frage auf, mit welchen personellen und finanziellen Mitteln Cariad seine verbleibenden Aufgaben künftig erfüllen soll.

Großer Einschnitt, viele offene Fragen

Für die Beschäftigten ist die Größenordnung der möglichen Veränderungen erheblich. Rund 1.000 zusätzliche Stellen weniger würden eine bereits deutlich geschrumpfte Belegschaft erneut treffen.
Eine detaillierte öffentliche Bestätigung der Maßnahmen enthält der vorliegende Bericht allerdings nicht. Die Angaben zum Stellenabbau stammen aus dem Handelsblatt-Bericht über die Betriebsversammlung, die Investitionsziele aus einem zitierten internen Papier.
Offen bleiben vor allem der Zeitplan, die betroffenen Bereiche und die konkrete Umsetzung. Gerade diese Antworten werden darüber entscheiden, was der nächste Sparkurs für die Beschäftigten und die künftige Rolle von Cariad bedeutet.

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