Die EWP Eifel-Windpark Ormont-Stadtkyll GmbH & Co. KG hat das Geschäftsjahr 2025 erneut mit einem Millionengewinn abgeschlossen. Gleichzeitig konnte die Betreibergesellschaft ihre Bankverbindlichkeiten um mehr als zwei Millionen Euro reduzieren.
Ganz ohne Fragezeichen kommt die Bilanz allerdings nicht aus. Denn trotz des fortschreitenden Schuldenabbaus stehen weiterhin knapp 19,9 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten in den Büchern. Zusätzlich bestehen langfristige vertragliche Verpflichtungen in erheblicher Größenordnung.
Der Jahresabschluss zeigt damit ein Windparkprojekt mit hoher Liquidität und positivem Jahresergebnis, das sich gleichzeitig noch mitten in einer langfristigen Finanzierungs- und Betriebsphase befindet.
1,12 Millionen Euro Gewinn
Für 2025 weist die Gesellschaft einen Jahresüberschuss von 1.122.237,73 Euro aus.
Im Vorjahr waren es noch 1.323.311,14 Euro. Damit ist der Gewinn um rund 201.000 Euro beziehungsweise 15,2 Prozent zurückgegangen.
Trotz dieses Rückgangs bleibt unter dem Strich ein Gewinn von mehr als einer Million Euro.
Die vorliegenden Angaben erlauben allerdings keine vollständige Analyse der Ursachen des Ergebnisrückgangs. Insbesondere sollte aus der Bilanz allein nicht auf Veränderungen bei Stromproduktion, Strompreisen oder Windverhältnissen geschlossen werden.
Mehr als zwei Millionen Euro Bankschulden abgebaut
Deutlich fällt der Schuldenabbau aus.
Ende 2024 bestanden gegenüber Kreditinstituten noch Verbindlichkeiten von rund 22,05 Millionen Euro. Ende 2025 waren es knapp 19,89 Millionen Euro.
Damit wurden die Bankverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um rund 2,15 Millionen Euro beziehungsweise 9,8 Prozent reduziert.
Die gesamten Verbindlichkeiten gingen sogar von rund 23,47 Millionen auf 20,72 Millionen Euro zurück. Das entspricht einer Verringerung um etwa 2,75 Millionen Euro.
Dazu beigetragen hat neben dem Abbau der Bankschulden auch der deutliche Rückgang der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Diese reduzierten sich von knapp 1,25 Millionen auf rund 590.000 Euro.
Knapp sieben Millionen Euro Bankschulden laufen noch länger als fünf Jahre
Von einer weitgehend abgeschlossenen Finanzierung kann allerdings noch keine Rede sein.
Von den knapp 19,9 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten sind rund 2,15 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig.
Weitere rund 10,75 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit zwischen einem und fünf Jahren. Rund 6,99 Millionen Euro laufen noch länger als fünf Jahre.
Interessant ist der Vergleich zum Vorjahr: Damals lagen die Bankverbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren noch bei rund 9,14 Millionen Euro.
Die Finanzierungsstruktur verschiebt sich damit erwartungsgemäß mit fortschreitender Laufzeit des Projekts.
Windkraftanlagen sichern das Bankdarlehen ab
Hinter den Bankverbindlichkeiten steht ein Darlehen der DZ Bank AG.
Dieses ist umfangreich besichert. Genannt werden unter anderem die Abtretung der Einspeisevergütung, weitere Forderungsabtretungen und Eintrittsrechte in Verträge.
Hinzu kommt die Sicherungsübereignung der Windkraftanlagen mit einem bilanziellen Wert von rund 18,31 Millionen Euro sowie die Abtretung zweier Konten mit rund 2,29 Millionen Euro.
Die Bankfinanzierung ist damit eng mit den Vermögenswerten und Zahlungsströmen des Windparkprojekts verbunden.
Windpark steht noch mit 18,3 Millionen Euro in der Bilanz
Der Windpark selbst ist mit Abstand der größte Vermögenswert der Gesellschaft.
Die technischen Anlagen und Maschinen standen Ende 2025 noch mit 18.308.803 Euro in der Bilanz. Ende 2024 waren es rund 20,86 Millionen Euro.
Die ursprünglichen Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten werden mit rund 40,85 Millionen Euro angegeben.
Bis Ende 2025 hatten sich die kumulierten Abschreibungen auf rund 22,54 Millionen Euro erhöht. Allein 2025 kamen planmäßige Abschreibungen von rund 2,554 Millionen Euro hinzu.
Damit sind bilanziell bereits rund 55 Prozent der ursprünglichen Anschaffungskosten abgeschrieben.
Die Gesellschaft erklärt, dass Sachanlagen linear abgeschrieben werden.
6,8 Millionen Euro auf Bankkonten
Auffällig hoch ist weiterhin die Liquiditätsposition.
Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über 6.805.699 Euro Guthaben bei Kreditinstituten. Im Vorjahr waren es rund 7,41 Millionen Euro.
Das Bankguthaben sank damit um knapp 600.000 Euro, bleibt aber beträchtlich.
Zusammen mit Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen von rund 2,19 Millionen Euro ergibt sich ein Umlaufvermögen von knapp 9 Millionen Euro.
Demgegenüber stehen kurzfristig fällige Verbindlichkeiten von rund 2,97 Millionen Euro.
Rein bilanziell besteht damit ein deutlicher Puffer zwischen kurzfristigem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Eine vollständige Liquiditätsbeurteilung erfordert allerdings zusätzlich Informationen über die tatsächlichen Zahlungsströme und zukünftigen Verpflichtungen.
Eigenkapitalquote liegt bei knapp 20 Prozent
Das Eigenkapital belief sich Ende 2025 auf rund 5,42 Millionen Euro.
Bei einer Bilanzsumme von rund 27,51 Millionen Euro ergibt sich daraus rechnerisch eine Eigenkapitalquote von etwa 19,7 Prozent.
Im Vorjahr waren es rund 5,62 Millionen Euro Eigenkapital bei einer Bilanzsumme von 30,41 Millionen Euro, entsprechend etwa 18,5 Prozent.
Die Eigenkapitalquote hat sich damit trotz des niedrigeren absoluten Eigenkapitals verbessert.
Das liegt insbesondere daran, dass die Bilanzsumme stärker gesunken ist.
Warum sinkt das Eigenkapital trotz Millionengewinn?
Auf den ersten Blick erscheint eine andere Entwicklung erklärungsbedürftig.
Die Gesellschaft erwirtschaftete 2025 einen Jahresüberschuss von gut 1,12 Millionen Euro. Trotzdem sank das ausgewiesene Eigenkapital von rund 5,62 Millionen auf 5,42 Millionen Euro.
Die festen Kapitalanteile der Kommanditisten blieben unverändert bei 4,3 Millionen Euro. Der Unterschied liegt beim jeweils ausgewiesenen Jahresüberschuss.
Aus den vorliegenden Bilanzangaben allein sollte jedoch nicht auf eine konkrete Ausschüttung oder Entnahme geschlossen werden. Dafür wären ergänzende Angaben zur Ergebnisverwendung beziehungsweise zu den Gesellschafterkonten erforderlich.
Mehr als eine Million Euro Gewerbesteuer-Erstattung
Eine ungewöhnlich große Position findet sich bei den sonstigen Vermögensgegenständen.
Dort ist ein Gewerbesteuer-Erstattungsanspruch von rund 1,132 Millionen Euro enthalten. Im Vorjahr waren es bereits rund 1,013 Millionen Euro.
Zusätzlich werden nicht anrechenbare Vorsteuern von rund 90.000 Euro genannt.
Der Steuererstattungsanspruch macht damit einen erheblichen Teil der insgesamt rund 1,23 Millionen Euro sonstigen Vermögensgegenstände aus.
Forderungen gegenüber Gesellschaftern steigen
Zum Bilanzstichtag bestanden außerdem Forderungen gegenüber Gesellschaftern von rund 867.600 Euro. Im Vorjahr waren es knapp 789.000 Euro.
Der Anhang liefert hierzu eine konkrete Erklärung.
Die Forderungen betreffen im Wesentlichen die e-regio GmbH & Co. KG und stehen im Zusammenhang mit noch ausstehenden Erlösen aus der EEG-Direktvermarktung für Dezember sowie dem Regionalnachweis. Ein kleinerer Betrag betrifft Erlös- und Kostenpooling mit der eegon Eifelenergiegenossenschaft eG.
Die Position ist damit im Jahresabschluss konkret erläutert und sollte nicht mit einem klassischen Gesellschafterdarlehen verwechselt werden.
Rückbau kostet bilanziell bereits 741.000 Euro
Auch das spätere Ende des Windparkbetriebs spielt bereits heute eine Rolle.
Für den pachtvertraglich vereinbarten Rückbau der Windkraftanlage zum Pachtende bestehen Rückstellungen von rund 741.000 Euro.
Im Vorjahr waren dafür noch 664.000 Euro zurückgestellt.
Die Rückbauvorsorge ist damit innerhalb eines Jahres um rund 77.000 Euro gestiegen.
Insgesamt weist die Gesellschaft sonstige Rückstellungen von knapp 766.000 Euro aus.
Verpflichtungen von mehr als 14 Millionen Euro bis 2037
Ein besonders wichtiger Blick geht über die eigentliche Bilanz hinaus.
Die Gesellschaft nennt erhebliche sonstige finanzielle Verpflichtungen bis zum Jahr 2037.
Für Pachtverträge und den sogenannten Schallhandel werden rund 7,463 Millionen Euro angegeben. Weitere rund 5,835 Millionen Euro entfallen auf den Vollwartungsvertrag mit Enercon.
Hinzu kommen Verpflichtungen von rund 1,243 Millionen Euro für die kaufmännische und technische Betriebsführung sowie rund 174.000 Euro für Geschäftsführung und Haftungsvergütung.
Zusammengerechnet sind das rund 14,7 Millionen Euro an vertraglichen Verpflichtungen.
Diese Summe ist allerdings nicht mit heutigen Schulden gleichzusetzen. Es handelt sich um zukünftige finanzielle Verpflichtungen aus laufenden Verträgen bis 2037.
Für die langfristige Betrachtung des Windparks sind sie dennoch relevant, weil sie zeigen, welche vertraglich gebundenen Aufwendungen über die kommenden Jahre noch anfallen.
Keine eigenen Mitarbeiter
Die EWP Ormont-Stadtkyll KG beschäftigt keine eigenen Arbeitnehmer.
Das passt zur Struktur einer Projektgesellschaft, bei der zahlreiche operative Aufgaben vertraglich an andere Unternehmen vergeben werden.
Im Jahresabschluss werden entsprechend unter anderem externe Vereinbarungen zur technischen und kaufmännischen Betriebsführung sowie ein Vollwartungsvertrag genannt.
Wer hinter dem Windpark steht
Das Kommanditkapital von 4,3 Millionen Euro verteilt sich auf vier Gesellschafter.
Die e-regio GmbH & Co. KG hält rund 34,9 Prozent, die Becker PBB GmbH rund 27,9 Prozent, die VR-Bank Nordeifel eG rund 23,3 Prozent und die eegon Eifelenergiegenossenschaft eG knapp 14 Prozent.
Geschäftsführer der persönlich haftenden Verwaltungsgesellschaft ist Alessandro Lanfranconi. Für ihre Geschäftsführungstätigkeit erhielt die Geschäftsführung nach Angaben im Jahresabschluss 2025 keine Vergütung.
Fazit: Millionengewinn trifft auf langfristige Finanzierung
Der Jahresabschluss 2025 der EWP Eifel-Windpark Ormont-Stadtkyll GmbH & Co. KG zeichnet ein differenziertes Bild.
Auf der positiven Seite steht ein Jahresüberschuss von 1,12 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden die Bankverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um rund 2,15 Millionen Euro reduziert. Mit rund 6,8 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft zudem über erhebliche Bankguthaben.
Demgegenüber stehen weiterhin knapp 19,9 Millionen Euro Bankschulden, davon fast sieben Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren. Zusätzlich bestehen bis 2037 vertragliche finanzielle Verpflichtungen von zusammengerechnet rund 14,7 Millionen Euro.
Diese Beträge dürfen nicht einfach addiert und als Gesamtverschuldung bezeichnet werden: Die sonstigen finanziellen Verpflichtungen betreffen zukünftige Zahlungen aus Verträgen und haben einen anderen bilanziellen Charakter als bestehende Bankverbindlichkeiten.
Unterm Strich zeigt der Abschluss einen Windpark, der profitabel arbeitet und seine Bankfinanzierung deutlich zurückführt, dessen langfristige Kosten- und Finanzierungsstruktur aber weiterhin erhebliches Gewicht besitzt.
Besonders interessant wird deshalb die weitere Entwicklung: Kann die Gesellschaft ihren Millionengewinn halten, während gleichzeitig Bankschulden abgebaut, Anlagen abgeschrieben und die langfristigen Betriebs-, Wartungs-, Pacht- und Rückbauverpflichtungen erfüllt werden?