Wer für die Herbst- oder Weihnachtsferien 2026 noch auf ein besonders günstiges Flugticket hofft, könnte enttäuscht werden. Die Zeit aggressiver Rabattaktionen scheint zumindest vorerst vorbei zu sein. Hohe Öl- und Kerosinpreise treffen die Fluggesellschaften mit voller Wucht – und ein Teil dieser zusätzlichen Kosten landet inzwischen bei den Passagieren.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, auf die sich BR24 beruft, kosteten Auslandsflüge im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 8,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. BR24 führt die Entwicklung insbesondere auf die Folgen des Iran-Krieges und die Störungen rund um die Straße von Hormus zurück.
Die Situation ist bemerkenswert: Trotz weiterhin hoher Nachfrage verdienen Fluggesellschaften im Durchschnitt deutlich weniger. Der internationale Luftfahrtverband IATA erwartet für 2026 zwar mehr als fünf Milliarden Passagiere, gleichzeitig aber eine Halbierung der weltweiten Branchengewinne.
Kerosin wird zum entscheidenden Kostenfaktor
Für Fluggesellschaften gehört Treibstoff zu den größten Kostenblöcken. Steigt der Ölpreis massiv, lässt sich das deshalb kaum kompensieren.
Nach der aktuellen IATA-Prognose sollen die durchschnittlichen Kerosinpreise 2026 etwa 70 Prozent über dem Niveau des Vorjahres liegen.
Für die weltweite Luftfahrtbranche bedeutet das nach Berechnungen des Verbandes zusätzliche Treibstoffkosten von ungefähr 100 Milliarden US-Dollar.
Noch drastischer war zwischenzeitlich die Entwicklung am Markt: Nach IATA-Angaben erreichten die globalen Kerosinpreise im April 2026 einen Spitzenwert, der 121 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.
Das erklärt, weshalb Fluggesellschaften derzeit wenig Interesse daran haben dürften, mit extrem niedrigen Preisen zusätzliche Passagiere anzulocken.
Warum Airlines die Kosten nicht einfach vollständig weitergeben
Naheliegend wäre, die höheren Treibstoffkosten komplett auf die Tickets aufzuschlagen.
So einfach funktioniert der Luftverkehrsmarkt jedoch nicht.
Fluggesellschaften stehen weiterhin im Wettbewerb miteinander. Ein Unternehmen, das seine Preise deutlich stärker als die Konkurrenz erhöht, riskiert, Passagiere zu verlieren.
Genau dieses Problem beschreibt auch die IATA. Nach ihrer Einschätzung können die höheren Treibstoffkosten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden. Die Airlines müssen deshalb einen Teil des Kostenschocks selbst tragen.
Für Verbraucher entsteht dadurch eine ungewöhnliche Situation: Tickets werden teurer, obwohl gleichzeitig die Gewinne der Airlines unter Druck geraten.
Nur noch zwei Prozent Nettomarge
Wie angespannt die Lage ist, zeigt die Gewinnprognose der Branche.
Für 2025 veranschlagt die IATA den weltweiten Nettogewinn der Fluggesellschaften noch auf rund 45 Milliarden US-Dollar.
2026 sollen davon nur noch etwa 23 Milliarden US-Dollar übrig bleiben.
Die erwartete Nettogewinnmarge fällt damit von 4,2 Prozent auf gerade einmal 2,0 Prozent.
Anders ausgedrückt: Von 100 Dollar Umsatz bleiben der Branche im Durchschnitt lediglich rund zwei Dollar Nettogewinn.
Der erwartete Nettogewinn pro Passagier sinkt nach IATA-Berechnungen von 9,10 auf nur noch 4,50 US-Dollar.
Mehr Umsatz – trotzdem weniger Gewinn
Besonders interessant ist der scheinbare Widerspruch zwischen Umsatz und Gewinn.
Die IATA erwartet 2026 einen weltweiten Branchenumsatz von rund 1,165 Billionen US-Dollar.
Das wären etwa 9,4 Prozent mehr als die für 2025 erwarteten 1,065 Billionen Dollar.
Trotz dieses deutlichen Umsatzwachstums soll sich der Nettogewinn nahezu halbieren.
Der Grund liegt vor allem auf der Kostenseite: Die zusätzlichen Einnahmen reichen nicht aus, um die höheren Belastungen vollständig aufzufangen.
Mehr als fünf Milliarden Passagiere erwartet
Von einem grundsätzlichen Einbruch der Reiselust kann gleichzeitig keine Rede sein.
Die IATA erwartet für 2026 rund 5,1 Milliarden Passagiere. Das wären etwa 2,4 Prozent mehr als 2025.
Auch die Auslastung der Flugzeuge soll mit durchschnittlich 84 Prozent ein sehr hohes Niveau erreichen.
Allerdings verläuft die Entwicklung nicht gleichmäßig. Im Juni 2026 lag die globale Passagiernachfrage gemessen an den verkauften Passagierkilometern beispielsweise 1,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Die IATA führte dies unter anderem auf schwächere Inlandsmärkte und die Situation im Nahen Osten zurück.
Das Bild ist also differenzierter als die reine Jahresprognose vermuten lässt.
Warum Schnäppchenangebote derzeit wenig attraktiv sind
Normalerweise nutzen Fluggesellschaften Sonderangebote, um ihre Maschinen möglichst gut auszulasten.
Doch wenn die Flugzeuge ohnehin sehr voll sind, sinkt der wirtschaftliche Anreiz, Sitzplätze weit unter dem regulären Preis anzubieten.
Bei gleichzeitig hohen Treibstoffkosten verschärft sich dieser Effekt.
Ein leerer Sitz bringt einer Airline zwar keinen Umsatz. Ein extrem günstig verkaufter Sitz kann bei hohen variablen Kosten aber ebenfalls wenig attraktiv sein.
Das dürfte erklären, weshalb derzeit kaum größere europäische Fluggesellschaften mit besonders aggressiven Preiskampagnen auffallen, wie BR24 berichtet.
Kleinere Airlines besonders unter Druck
Für finanzstarke Fluggesellschaften sind Phasen hoher Treibstoffpreise bereits herausfordernd. Für kleinere Unternehmen mit schwächeren Bilanzen kann die Situation wesentlich schwieriger werden.
Auch die IATA weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere Fluggesellschaften mit schwachen Bilanzen unter Druck stehen.
Die Kombination ist problematisch: hohe Treibstoffkosten, geopolitische Unsicherheit, geringe Gewinnmargen und begrenzte Möglichkeiten, sämtliche Kosten auf Passagiere abzuwälzen.
Gerade die traditionell schwächeren Wintermonate können dann zum Belastungstest werden.
Hohe Ticketpreise bedeuten nicht automatisch hohe Airline-Gewinne
Für Verbraucher ist ein Punkt besonders wichtig.
Steigende Flugpreise bedeuten nicht automatisch, dass Fluggesellschaften entsprechend höhere Gewinne erzielen.
2026 dürfte nach der IATA-Prognose vielmehr das Gegenteil der Fall sein: höhere Ticketpreise treffen auf deutlich niedrigere Branchengewinne.
Die Fluggesellschaften versuchen, einen Teil der höheren Kosten weiterzugeben, tragen aber gleichzeitig selbst einen erheblichen Teil der Belastung.
Für Passagiere macht das die Reise trotzdem nicht günstiger.
Werden Flugtickets wieder billiger?
Eine belastbare Prognose über die weitere Preisentwicklung ist schwierig.
Ein entscheidender Faktor bleibt der Öl- beziehungsweise Kerosinpreis. Entspannt sich die geopolitische Situation und normalisieren sich die Energiepreise, könnte der Kostendruck auf die Fluggesellschaften sinken.
Die IATA selbst betont, dass eine Stabilisierung im Nahen Osten und eine Normalisierung der Ölversorgung die Aussichten sowohl für Airlines als auch für Reisende verbessern würden.
Ob und wann dies geschieht, ist jedoch offen.
Hinzu kommen weitere Faktoren wie Kapazitäten, Nachfrage, Flugzeugverfügbarkeit, Personalkosten, Gebühren und Steuern.
Für Verbraucher wird der Preisvergleich wichtiger
Wer in den kommenden Monaten fliegen möchte, sollte deshalb weniger darauf vertrauen, dass kurzfristig wieder flächendeckend extrem günstige Tickets angeboten werden.
Wichtig bleibt der Vergleich unterschiedlicher Reisetage, Flughäfen und Tarife.
Dabei sollte nicht nur der zunächst angezeigte Grundpreis betrachtet werden. Gerade bei günstigeren Tarifen können zusätzliche Kosten für Aufgabegepäck, Sitzplatzreservierungen oder andere Leistungen den Endpreis deutlich erhöhen.
Ein vermeintliches Schnäppchen ist deshalb erst dann tatsächlich günstig, wenn der Gesamtpreis aller benötigten Leistungen berücksichtigt wird.
Fazit: Die Ära extrem billiger Tickets bekommt zumindest vorerst Gegenwind
Die Luftfahrt erlebt 2026 eine ungewöhnliche Konstellation.
Die Nachfrage bleibt insgesamt hoch, die Flugzeuge sind stark ausgelastet und die Branche erwartet mehr als fünf Milliarden Passagiere.
Trotzdem brechen die erwarteten Gewinne ein.
Der wesentliche Grund ist der enorme Kostendruck durch Kerosin. Die IATA rechnet mit durchschnittlich rund 70 Prozent höheren Treibstoffpreisen und einer zusätzlichen globalen Treibstoffrechnung von etwa 100 Milliarden Dollar. Gleichzeitig soll die Nettomarge der Branche auf lediglich zwei Prozent sinken.
Für Verbraucher bedeutet das: Fluggesellschaften haben derzeit wenig finanziellen Spielraum für aggressive Preiskämpfe. Einen Teil ihrer zusätzlichen Kosten versuchen sie über höhere Ticketpreise auszugleichen.
Die oft erstaunlich günstigen Flugtickets der vergangenen Jahre dürften deshalb zumindest solange schwerer zu finden sein, wie Kerosin teuer bleibt und die Margen der Fluggesellschaften unter Druck stehen.
Die paradox wirkende Botschaft lautet damit: Fliegen wird für Passagiere teurer – während die Airlines gleichzeitig weniger daran verdienen.