Der Windpark Hamdorf hat das Geschäftsjahr 2025 erneut mit einem Verlust abgeschlossen. Die Umsatzerlöse gingen auf rund 500.800 Euro zurück, während sich der Jahresfehlbetrag auf knapp 122.700 Euro erhöhte. Gleichzeitig konnte die Gesellschaft ihre Bankschulden um rund 290.000 Euro reduzieren und verfügte zum Jahresende weiterhin über mehr als 1,15 Millionen Euro Bankguthaben.
Das zeigt der am 21. September 2026 veröffentlichte Jahresabschluss der Windpark Hamdorf GmbH & Co. KG.
Hinter der Gesellschaft stehen zwei bekannte Akteure der deutschen Windenergiebranche: RheinEnergie Windkraft GmbH hält 80,1 Prozent, die PROKON Regenerative Energien eG 19,9 Prozent.
Für Anleger insbesondere von PROKON ist interessant, wie sich der Windpark wirtschaftlich entwickelt und ob künftig Ausschüttungen aus der Beteiligung möglich sind.
Die Zahlen für 2025 ergeben ein gemischtes Bild.
Stromerlöse gehen um knapp vier Prozent zurück
Die Umsatzerlöse des Windparks betrugen 2025 exakt 500.837,14 Euro.
Im Vorjahr waren es noch 521.005,97 Euro.
Damit gingen die Erlöse rechnerisch um 20.168,83 Euro beziehungsweise rund 3,9 Prozent zurück.
Nach Angaben des Unternehmens stammen die Umsätze ausschließlich aus der Einspeisung von Strom und wurden vollständig im Inland erzielt.
Warum die Einspeiseerlöse zurückgingen, lässt sich aus dem Jahresabschluss allerdings nicht eindeutig beantworten.
Entscheidende operative Kennzahlen fehlen.
So wird beispielsweise nicht angegeben, wie viele Kilowatt- beziehungsweise Megawattstunden der Windpark 2025 tatsächlich produziert und eingespeist hat.
Damit bleibt offen, ob geringere Strommengen, Preise beziehungsweise Vermarktungserlöse oder eine Kombination verschiedener Faktoren für den Umsatzrückgang verantwortlich waren.
Gerade für die Beurteilung eines Windparks wäre die produzierte Strommenge eine wichtige Kennzahl.
452.000 Euro Umsatz über RheinEnergie
Interessant ist außerdem, über wen der erzeugte Strom vermarktet wurde.
Von den insgesamt rund 501.000 Euro Umsatz entfielen laut Jahresabschluss 452.000 Euro auf Direktvermarktungsumsätze mit der RheinEnergie AG.
Gleichzeitig zahlte der Windpark dafür ein Dienstleistungsentgelt von rund 21.000 Euro.
Zusätzlich bezog die Gesellschaft Strom für rund 4.000 Euro von RheinEnergie.
Damit läuft ein erheblicher Teil des operativen Geschäfts über ein Unternehmen aus demselben Konzernumfeld.
Der Jahresabschluss erklärt allerdings ausdrücklich, dass 2025 keine Geschäfte mit nahestehenden Unternehmen oder Personen zu nicht marktüblichen Bedingungen stattgefunden hätten.
Kleine Entschädigung für Leistungsreduzierungen
Anders als bei manchen Windparks spielen Entschädigungen wegen Leistungsreduzierungen in Hamdorf 2025 nur eine vergleichsweise kleine Rolle.
Die Gesellschaft verbuchte 7.000 Euro Erträge aus Leistungsreduzierungen durch den Netzbetreiber nach den §§ 13, 13a und 14 EnWG beziehungsweise durch den Direktvermarkter.
Weitere 13.000 Euro entfielen auf Erstattungen der Kommunalabgabe.
Hinzu kamen 5.000 Euro aus der Auflösung von Rückstellungen.
Insgesamt stiegen die sonstigen betrieblichen Erträge dadurch von 17.955,86 auf 25.929,42 Euro – rechnerisch um rund 44,4 Prozent.
Dieser Zuwachs konnte den Rückgang der Stromerlöse allerdings nicht verhindern.
Wartung bleibt größter laufender Kostenblock
Der Materialaufwand ging dagegen zurück.
2024 hatte die Gesellschaft dafür 140.432,39 Euro ausgegeben. 2025 waren es noch 131.137,34 Euro.
Das entspricht rechnerisch einem Rückgang um etwa 6,6 Prozent.
Den größten Einzelposten bildete weiterhin die Wartung mit rund 87.000 Euro.
Hinzu kamen:
- rund 21.000 Euro Dienstleistungsentgelt für die Einspeisung,
- 15.000 Euro für die Betriebsführung,
- sowie 8.000 Euro sonstige Materialaufwendungen.
Im Vorjahr hatten diese Kosten zusammen noch rund 140.000 Euro betragen.
Die operativen Dienstleistungs- und Wartungskosten haben sich damit zumindest leicht reduziert.
Abschreibungen drücken das Ergebnis erheblich
Der mit Abstand größte Aufwandsposten ist allerdings nicht die Wartung.
Es sind die Abschreibungen.
2025 verbuchte der Windpark Abschreibungen von 415.074,92 Euro.
Das entspricht fast 83 Prozent der gesamten Jahresumsätze.
Dabei muss allerdings zwischen Aufwand und tatsächlichem Zahlungsmittelabfluss unterschieden werden.
Abschreibungen sind zunächst ein bilanzieller Aufwand. Sie verteilen die Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten der Anlagen auf deren angenommene Nutzungsdauer.
Für die wesentlichen Erzeugungsanlagen setzt die Gesellschaft Nutzungsdauern von 15 bis 20 Jahren an.
Der hohe Abschreibungsbetrag erklärt deshalb einen erheblichen Teil des bilanziellen Verlusts, bedeutet aber nicht, dass 2025 tatsächlich mehr als 415.000 Euro aus der Kasse abgeflossen wären.
Jahresverlust steigt um gut 16 Prozent
Unter dem Strich reichte das Ergebnis dennoch nicht für schwarze Zahlen.
Vor Steuern entstand ein Verlust von 122.464,32 Euro.
Nach Steuern weist die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von 122.702,32 Euro aus.
2024 hatte der Verlust bei 105.483,75 Euro gelegen.
Damit verschlechterte sich das Jahresergebnis rechnerisch um 17.218,57 Euro beziehungsweise rund 16,3 Prozent.
Der Jahresfehlbetrag wurde vollständig auf die Verlustvortragskonten übertragen.
Deshalb weist die Gewinn- und Verlustrechnung anschließend einen Bilanzgewinn von null Euro aus.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass der Windpark weder Gewinn noch Verlust gemacht hätte.
Der wirtschaftliche Jahresverlust beträgt knapp 123.000 Euro.
Verlustvortrag steigt auf mehr als 316.000 Euro
Die wiederholten Verluste hinterlassen zunehmend Spuren im Eigenkapital.
Der Verlustvortrag erhöhte sich von 193.350,57 Euro auf 316.052,89 Euro.
Der Anstieg entspricht exakt dem Jahresfehlbetrag 2025.
Gleichzeitig blieb die Rücklage unverändert bei 2.161.399 Euro.
Das gesamte Eigenkapital sank dadurch von 1.978.048,43 Euro auf 1.855.346,11 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 6,2 Prozent.
Der zunehmende Verlustvortrag sollte daher beobachtet werden.
Er bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Windpark in finanziellen Schwierigkeiten steckt.
Eigenkapitalquote bleibt mit rund 41 Prozent solide
Denn gleichzeitig ist die Bilanz weiterhin mit erheblichem Eigenkapital ausgestattet.
Bei einer Bilanzsumme von rund 4,51 Millionen Euro ergibt sich zum Jahresende 2025 rechnerisch eine Eigenkapitalquote von etwa 41,2 Prozent.
Im Vorjahr waren es bei 1,978 Millionen Euro Eigenkapital und einer Bilanzsumme von 4,969 Millionen Euro rund 39,8 Prozent.
Die Eigenkapitalquote hat sich damit trotz des Jahresverlusts sogar leicht verbessert.
Der Grund liegt vor allem darin, dass die gesamte Bilanzsumme stärker zurückgegangen ist als das Eigenkapital.
Bankkredite werden planmäßig reduziert
Besonders deutlich wird das beim Fremdkapital.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sanken von 2.831.984 Euro auf 2.541.520 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 290.464 Euro beziehungsweise rund 10,3 Prozent.
Damit reduziert die Gesellschaft ihre Bankverschuldung deutlich schneller, als ihr Eigenkapital durch den Jahresverlust zurückgeht.
Die detaillierte Laufzeitenübersicht zeigt:
Von den Bankschulden sind rund 290.000 Euro innerhalb eines Jahres fällig.
Weitere rund 2,252 Millionen Euro besitzen eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
Davon wiederum entfallen rund 1,089 Millionen Euro auf Laufzeiten von mehr als fünf Jahren.
Die Tilgungsstruktur deutet damit auf eine fortlaufende Rückführung der Projektfinanzierung hin.
Windpark und Stromerlöse dienen der Bank als Sicherheit
Die Kredite sind vollständig besichert.
Nach Angaben der Gesellschaft wurde das Anlagevermögen zur Sicherheit an die finanzierende Bank übereignet.
Zusätzlich wurden bereits entstandene und zukünftige Ansprüche aus der Stromerzeugung an die Bank abgetreten.
Das ist bei Projektfinanzierungen von Windenergieanlagen grundsätzlich nachvollziehbar.
Für die wirtschaftliche Bewertung bedeutet es allerdings auch, dass sowohl die Anlagen als auch deren künftige Stromerlöse in die Kreditbesicherung eingebunden sind.
Mehr als 1,15 Millionen Euro auf Bankkonten
Auf der Liquiditätsseite verfügt die Gesellschaft weiterhin über einen erheblichen Puffer.
Zum Jahresende lagen 1.152.336,57 Euro auf Bankkonten.
Ein Jahr zuvor waren es 1.257.632,75 Euro.
Das Bankguthaben ging damit um 105.296,18 Euro beziehungsweise rund 8,4 Prozent zurück.
Dieser Rückgang sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden.
Im gleichen Zeitraum wurden die Bankverbindlichkeiten um mehr als 290.000 Euro reduziert.
Aus der Bilanz allein lässt sich nicht vollständig rekonstruieren, welche Zahlungsströme genau hinter der Veränderung der Liquidität stehen.
Deshalb wäre es zu weitgehend, den Rückgang des Bankguthabens allein mit der Kredittilgung zu erklären.
Forderungen aus Stromverkauf steigen deutlich
Auffällig ist außerdem die Entwicklung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.
Sie stiegen von 63.972,65 Euro auf 109.426,39 Euro.
Das entspricht einem rechnerischen Zuwachs von rund 71 Prozent.
Der Jahresabschluss liefert hierfür allerdings eine nachvollziehbare Erklärung:
Die Forderungen betreffen vollständig die Netzeinspeisung aus November und Dezember 2025.
Sie bestanden gegenüber der RheinEnergie AG.
Der Anstieg muss daher nicht zwangsläufig auf Zahlungsprobleme hindeuten.
Er kann beispielsweise mit unterschiedlichen Abrechnungs- und Einspeisemengen zum Jahresende zusammenhängen.
Anlagen haben noch einen Buchwert von 3,18 Millionen Euro
Der ursprüngliche Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungswert des Anlagevermögens liegt laut Anlagenspiegel bei insgesamt rund 6,64 Millionen Euro.
Davon waren bis Ende 2025 bereits rund 3,46 Millionen Euro abgeschrieben.
Der verbleibende Buchwert beträgt 3.182.240,82 Euro.
Davon entfallen rund 2,768 Millionen Euro auf technische Anlagen und Maschinen und knapp 414.000 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände.
Der Buchwert darf allerdings nicht mit dem heutigen Marktwert des Windparks verwechselt werden.
Aus dem Jahresabschluss lässt sich nicht ablesen, welchen Preis die Anlagen bei einem Verkauf erzielen würden oder welchen wirtschaftlichen Wert die zukünftige Stromproduktion besitzt.
Kommunen erhalten 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde
Der Windpark beteiligt außerdem die betroffenen Gemeinden finanziell an der Stromproduktion.
Die Gesellschaft verpflichtet sich laut Jahresabschluss zu Zahlungen von 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde.
2025 entstand daraus ein Aufwand von rund 12.000 Euro.
Besteht in einem Monat Anspruch auf Marktprämie, wird die Kommunalabgabe nach Angaben der Gesellschaft durch den Netzbetreiber erstattet. 2025 wurden 13.000 Euro entsprechende Erstattungen als sonstige betriebliche Erträge ausgewiesen.
Interessant wäre hier die tatsächliche eingespeiste Strommenge. Aus den genannten 12.000 Euro lässt sie sich wegen der Formulierung „anteilig“ und möglicher Vertragsdetails nicht belastbar zurückrechnen.
PROKON hält knapp ein Fünftel des Windparks
Für Mitglieder der PROKON Regenerative Energien eG dürfte insbesondere die Beteiligungsstruktur interessant sein.
RheinEnergie Windkraft hält 80,1 Prozent des Kapitals.
PROKON hält 19,9 Prozent.
Das nominelle Kommanditkapital beträgt lediglich 10.000 Euro, davon entfallen 8.010 Euro auf RheinEnergie Windkraft und 1.990 Euro auf PROKON.
Diese nominellen Kapitalbeträge sagen allerdings wenig über den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert der Beteiligungen aus.
Für PROKON-Mitglieder wäre vielmehr relevant, welche Ausschüttungen die Genossenschaft in der Vergangenheit aus dem Windpark erhalten hat und welche Rendite sie mit ihrer Beteiligung erzielt.
Dazu enthält der Jahresabschluss keine Angaben.
Keine eigenen Mitarbeiter
Der Windpark beschäftigt keine eigenen Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung erfolgt über die RheinEnergie Windkraft Geschäftsführungs-GmbH.
Als Geschäftsführer werden Ulrich Bemmann, Abteilungsleiter Erneuerbare Energien bei RheinEnergie, und Gregor Laarmann, Abteilungsleiter Finanzen und Controlling bei RheinEnergie, genannt.
Betriebsführung, Wartung und Vermarktung werden entsprechend über externe beziehungsweise verbundene Dienstleister organisiert.
Was der Jahresabschluss nicht beantwortet
Für eine belastbare wirtschaftliche Beurteilung fehlen einige wichtige operative Angaben.
Vor allem veröffentlicht die Gesellschaft in diesem Jahresabschluss keine konkrete Stromproduktion in Megawattstunden.
Damit lässt sich nicht feststellen, wie sich die tatsächliche Energieproduktion gegenüber 2024 entwickelt hat.
Ebenso fehlen Angaben zur technischen Verfügbarkeit der Anlagen, zu Stillstandszeiten und zur Zahl beziehungsweise Leistung der betriebenen Windenergieanlagen.
Auch die langfristige Perspektive – insbesondere verbleibende technische Nutzungsdauer, mögliche Laufzeitverlängerungen oder Repowering – lässt sich aus dem Abschluss nicht erkennen.
Gemischtes Bild für Anleger
Aus Anlegersicht liefert der Jahresabschluss deshalb weder ein eindeutiges Warnsignal noch eine reine Erfolgsgeschichte.
Positiv ist vor allem der weitere Schuldenabbau.
Die Bankschulden wurden innerhalb eines Jahres um rund 290.000 Euro beziehungsweise gut zehn Prozent reduziert. Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft weiterhin über mehr als 1,15 Millionen Euro Bankguthaben, und die rechnerische Eigenkapitalquote liegt bei rund 41 Prozent.
Auf der anderen Seite steht eine weniger erfreuliche Ergebnisentwicklung.
Die Stromerlöse gingen um knapp vier Prozent zurück. Der Jahresverlust erhöhte sich um gut 16 Prozent auf knapp 123.000 Euro, und der kumulierte Verlustvortrag ist inzwischen auf mehr als 316.000 Euro angewachsen.
Dabei darf allerdings der hohe Abschreibungsaufwand von rund 415.000 Euro nicht übersehen werden. Er belastet das handelsrechtliche Ergebnis erheblich, ohne in gleicher Höhe einen aktuellen Zahlungsmittelabfluss darzustellen.
Gerade deshalb wären für Anleger zusätzliche operative Zahlen wichtig.
Wie viele Megawattstunden hat Hamdorf 2025 tatsächlich produziert? Wie hoch war die technische Verfügbarkeit? Warum gingen die Einspeiseerlöse zurück? Welche Ausschüttungen haben RheinEnergie Windkraft und PROKON in den vergangenen Jahren erhalten? Und wann soll die Projektfinanzierung vollständig zurückgeführt sein?
Der Jahresabschluss zeigt jedenfalls einen Windpark, der weiter Schulden abbaut und über erhebliche Liquidität verfügt – gleichzeitig aber das zweite ausgewiesene Verlustjahr in Folge verzeichnet und 2025 einen nochmals höheren Fehlbetrag hinnehmen musste.
Für die Beurteilung, wie attraktiv die Beteiligung für RheinEnergie und insbesondere die PROKON-Mitglieder tatsächlich ist, reicht die veröffentlichte Bilanz deshalb allein nicht aus.