Wer einen Kredit aufnimmt, schaut normalerweise zuerst auf Zinsen und monatliche Rate. Doch bei Kunden der Santander Consumer Bank kann nach Angaben der Verbraucherzentralen noch ein erheblicher zusätzlicher Kostenblock hinzukommen: die Versicherung „Santander Protect“.
Die Verbraucherschützer warnen aktuell vor dem Produkt und berichten von Fällen, in denen die monatlichen Versicherungsbeiträge noch einmal die Hälfte bis drei Viertel der eigentlichen Kreditrate ausgemacht hätten.
Besonders problematisch sei, dass Verbraucher nach Angaben der Verbraucherzentralen immer wieder den Eindruck gewonnen hätten, eine solche Versicherung sei notwendig, um überhaupt einen Kredit zu erhalten.
Dabei stellen die von der Verbraucherzentrale zitierten Santander-Unterlagen ausdrücklich klar, dass der Abschluss von Santander Protect keine Voraussetzung für die Gewährung des Darlehens ist.
Die Versicherung ist also freiwillig.
Santander Protect wird im Zusammenhang mit Krediten angeboten und soll bestimmte existenzielle Risiken absichern. Das Produkt deckt ähnliche Situationen ab, wie sie auch bei klassischen Restschuldversicherungen eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise der Todesfall, ein längerer Arbeitsausfall infolge einer Krankheit oder Arbeitslosigkeit.
Tritt ein versichertes Ereignis ein, erhält der Versicherungsnehmer beziehungsweise im Todesfall ein Hinterbliebener für einen bestimmten Zeitraum eine monatliche Zahlung. Diese entspricht allerdings nicht automatisch der Kreditrate. Die Höhe wird vielmehr separat vereinbart und kann über der eigentlichen monatlichen Darlehensrate liegen.
Damit unterscheidet sich Santander Protect in wichtigen Punkten von einer klassischen Restschuldversicherung. Die Versicherung läuft zunächst fest über fünf Jahre und verlängert sich anschließend jeweils um ein weiteres Jahr. Außerdem wird die Versicherungsprämie monatlich zusammen mit der Kreditrate gezahlt, statt zu Beginn des Darlehens als hoher Einmalbetrag finanziert zu werden.
Gerade die Höhe dieser laufenden Prämie kann nach Darstellung der Verbraucherzentralen erheblich sein. In den ihnen bekannten Fällen hätten die Kosten der Versicherung zusätzlich 50 bis 75 Prozent der monatlichen Kreditrate erreicht.
Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Würde eine Kreditrate 400 Euro betragen und die Versicherungsprämie zusätzlich 50 Prozent der Rate ausmachen, kämen weitere 200 Euro pro Monat hinzu. Bei 75 Prozent wären es sogar 300 Euro. Die monatliche Gesamtbelastung läge dann bei 600 beziehungsweise 700 Euro. Dabei handelt es sich lediglich um ein Rechenbeispiel auf Grundlage der von den Verbraucherzentralen genannten Größenordnung, nicht um einen konkreten Santander-Tarif.
Brisant wird das Thema vor dem Hintergrund der strengeren gesetzlichen Regeln für klassische Restschuldversicherungen. Diese Produkte stehen seit Jahren in der Kritik. Verbraucherschützer bemängeln insbesondere hohe Kosten und einen aus ihrer Sicht häufig begrenzten Nutzen.
Der Gesetzgeber hat deshalb Schutzmaßnahmen eingeführt. Dazu gehört unter anderem ein Provisionsdeckel. Seit 2025 kommt außerdem eine sogenannte Cooling-off-Regel hinzu: Eine Restschuldversicherung darf demnach erst sieben Tage nach Abschluss des Kreditvertrags abgeschlossen werden.
Die Verbraucherzentralen werfen deshalb eine entscheidende Frage auf: Könnte Santander Protect aufgrund seiner Konstruktion Regeln umgehen, die inzwischen für klassische Restschuldversicherungen gelten?
Die Verbraucherschützer sehen einen möglichen Anhaltspunkt darin, dass Santander Protect zwar im Zusammenhang mit einem Kredit vertrieben wird und ähnliche Risiken absichert, aufgrund abweichender Produktmerkmale formal jedoch keine klassische Restschuldversicherung ist.
Eine festgestellte rechtswidrige Umgehung lässt sich aus der Warnung allerdings nicht ableiten. Die Verbraucherzentrale formuliert diesen Punkt selbst als offene Frage.
Für Kreditkunden ist unabhängig davon entscheidend, dass sie die Versicherung nach den vorliegenden Informationen nicht abschließen müssen, um einen Santander-Kredit zu bekommen.
Das geht sogar aus den von der Verbraucherzentrale wiedergegebenen Produktunterlagen hervor. Dort heißt es ausdrücklich, Santander Protect diene nicht der Absicherung der Kreditraten. Ebenso werde festgehalten, dass der Versicherungsabschluss keine Voraussetzung für die Gewährung des Darlehens durch die Santander Consumer Bank sei.
Genau deshalb sollten Kunden aufmerksam werden, wenn während eines Beratungsgesprächs ein anderer Eindruck entsteht.
Die Verbraucherzentralen berichten von Verbrauchern, denen im Gespräch nahegelegt worden sei, eine Versicherung sei für die Kreditvergabe erforderlich. Wer mit einer solchen Aussage konfrontiert wird und Santander Protect nicht möchte, kann die Versicherung ausdrücklich ablehnen und auf die schriftlichen Informationen zum Produkt verweisen.
Auch nach einem bereits erfolgten Abschluss bestehen nach den Angaben der Verbraucherzentrale Möglichkeiten, sich wieder von der Versicherung zu lösen. Innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss könne die Versicherung widerrufen werden. Nach Ablauf dieser Frist sei eine Kündigung mit einer Kündigungsfrist von einem Monat zum folgenden Monat möglich.
Gerade bei längeren Kreditlaufzeiten können sich hohe monatliche Zusatzbeiträge zu beträchtlichen Summen addieren. Eine Versicherungsprämie von beispielsweise 200 Euro monatlich würde innerhalb eines Jahres 2.400 Euro ausmachen. Über die zunächst vorgesehene fünfjährige Laufzeit wären es bei unverändertem Beitrag rechnerisch 12.000 Euro. Auch dies ist lediglich ein Rechenbeispiel und keine Aussage über die tatsächlichen Kosten eines individuellen Santander-Protect-Vertrags.
Für Kreditnehmer lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Unterlagen. Entscheidend ist nicht nur die Frage, welche Risiken versichert sind, sondern auch, welche Ausschlüsse und Voraussetzungen gelten, wie hoch die monatliche Prämie ausfällt und welche Leistungen im Versicherungsfall tatsächlich gezahlt werden.
Vor allem sollte die Entscheidung über einen Kredit von der Entscheidung über die zusätzliche Versicherung getrennt betrachtet werden.
Die Warnung der Verbraucherzentralen vom 14. September 2026 macht genau diesen Punkt deutlich: Wer einen Kredit bei Santander aufnehmen möchte, muss Santander Protect nach den wiedergegebenen Vertragsinformationen nicht abschließen.
Wer im Beratungsgespräch trotzdem den Eindruck bekommt, ohne Versicherung gebe es keinen Kredit, sollte deshalb nachfragen und sich Aussagen gegebenenfalls schriftlich bestätigen lassen.
Denn bei einer ohnehin bestehenden monatlichen Kreditbelastung kann ein Versicherungsbeitrag, der nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen noch einmal die Hälfte oder sogar drei Viertel der Kreditrate erreicht, finanziell einen erheblichen Unterschied machen.