Der Windpark Haltern Moddefeld GmbH & Co. KG ist 2025 in sein erstes operatives Jahr gestartet – und musste dabei gleich mehrere Belastungen verkraften. Obwohl die neun Windenergieanlagen knapp 9 Millionen Euro Umsatz erzielten, schloss die Gesellschaft das Geschäftsjahr mit einem Jahresfehlbetrag von 2,33 Millionen Euro ab.
Der Verlust fällt damit zwar deutlich geringer aus als im Vorjahr, als während der Bau- und Investitionsphase ein Minus von rund 4,15 Millionen Euro entstanden war. Dennoch zeigt der Jahresabschluss, dass der Start des rund 82 Millionen Euro schweren Windenergieprojekts schwieriger verlief als geplant.
Neben einem ausgesprochen schwachen Windjahr belastete vor allem ein Netzproblem den Windpark: Bis Anfang Dezember 2025 konnte die zugesagte Einspeiseleistung nicht vollständig genutzt werden.
Die Gesellschaft fordert deshalb vom Netzbetreiber einen Ausgleich von rund 3,01 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil dieser Forderung war bei Aufstellung des Jahresabschlusses allerdings noch nicht bestätigt. Vorsichtshalber wurden deshalb rund 1,35 Millionen Euro wertberichtigt.
Neun Windräder mit insgesamt 54 Megawatt
Hinter der Gesellschaft steht ein großer neuer Windpark im Münsterland.
Die Windpark Haltern Moddefeld GmbH & Co. KG mit Sitz in Metelen wurde bereits 2015 gegründet. Insgesamt wurden neun Windenergieanlagen in zwei Windgebieten errichtet.
Fünf Anlagen stehen auf dem Gebiet der Gemeinde Metelen, vier weitere im Gebiet der Stadt Horstmar.
Zum Einsatz kommen moderne Anlagen des Herstellers Vestas. Sechs Windräder gehören zum Typ V162-6.0 MW, drei zum Typ V150-6.0 MW. Jede Anlage besitzt eine Nennleistung von sechs Megawatt.
Damit erreicht der Windpark insgesamt 54 Megawatt installierte Leistung.
Die Anlagen wurden im zweiten Halbjahr 2024 fertiggestellt und im ersten Quartal 2025 schrittweise in Betrieb genommen. Das gesamte Investitionsvolumen soll nach Angaben der Gesellschaft voraussichtlich rund 82,1 Millionen Euro erreichen.
Fast 9 Millionen Euro Umsatz im ersten Betriebsjahr
Mit der Inbetriebnahme begann 2025 erstmals die eigentliche Stromproduktion.
Die Umsatzerlöse erreichten 8,989 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es aufgrund der noch laufenden Errichtung des Windparks keine entsprechenden Umsätze gegeben.
Allerdings besteht eine Besonderheit: In den knapp neun Millionen Euro Umsatz sind 3,0096 Millionen Euro an geltend gemachten Ersatzleistungen gegenüber dem Netzbetreiber enthalten.
Der Hintergrund ist für die wirtschaftliche Entwicklung des Windparks entscheidend.
Die ursprünglich zugesagte Netzkapazität stand fast das gesamte Jahr nicht vollständig zur Verfügung. Bis zum 9. Dezember konnte der Windpark deshalb nur mit reduzierter Leistung Strom produzieren.
Erst seit dem 10. Dezember 2025 stehen die vollen 54 Megawatt Einspeisekapazität zur Verfügung.
Von 54 auf 17 Megawatt gedrosselt
Das Ausmaß der Einschränkung wird im Prognosebericht deutlich.
Demnach war der Windpark zeitweise auf eine Einspeiseleistung von lediglich 17 Megawatt begrenzt – obwohl die neun Anlagen zusammen 54 Megawatt leisten können.
Damit konnte ein erheblicher Teil der möglichen Leistung nicht regulär ins Netz eingespeist werden.
Für den daraus entstandenen Schaden verlangt die Gesellschaft vom Netzbetreiber einen Ausgleich.
Insgesamt wurden für 2025 3,0096 Millionen Euro Ersatzleistung angefordert.
Doch hier liegt gleichzeitig eines der größten bilanziellen Fragezeichen.
Der Netzbetreiber hatte die Forderungen zum Zeitpunkt der Aufstellung von Bilanz und Lagebericht noch nicht vollständig bestätigt. Deshalb nahm die Gesellschaft eine Wertberichtigung von 1,3516 Millionen Euro vor.
In der Bilanz verbleiben aus diesem Sachverhalt Forderungen von rund 1,658 Millionen Euro.
Schwacher Wind verschärft die Situation
Als zweites großes Problem kam das Wetter hinzu.
Das Windaufkommen blieb 2025 erheblich hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Der im Lagebericht verwendete regionale BDB-Index erreichte lediglich 79,8 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 92,9 Prozent gewesen.
Damit trafen den Windpark im ersten vollständigen Produktionsanlauf gleich zwei Belastungen: Einerseits konnte wegen der Netzbeschränkung nicht die volle Leistung eingespeist werden, andererseits stand weniger Windenergie zur Verfügung als kalkulatorisch zu erwarten gewesen wäre.
Die Geschäftsführung formuliert ihre Bewertung entsprechend deutlich: Aufgrund der schwachen Windernte, der noch offenen Ausgleichszahlungen und des negativen Jahresergebnisses sei sie mit dem Geschäftsverlauf 2025 nicht zufrieden.
2,33 Millionen Euro Verlust
Die Gewinn- und Verlustrechnung verdeutlicht die Belastungen.
Den Umsatzerlösen von 8,989 Millionen Euro standen erhebliche Kosten gegenüber.
Allein die Abschreibungen beliefen sich auf 4,741 Millionen Euro.
Hinzu kamen sonstige betriebliche Aufwendungen von 2,929 Millionen Euro und Zinsaufwendungen von 3,491 Millionen Euro.
Insgesamt weist der Lagebericht Aufwendungen von rund 11,322 Millionen Euro aus.
Unter dem Strich entstand damit ein Jahresfehlbetrag von 2,332 Millionen Euro.
Immerhin fällt der Verlust erheblich geringer aus als 2024.
Damals hatte die Gesellschaft noch einen Fehlbetrag von 4,154 Millionen Euro verbucht. Das Minus wurde somit um rund 1,82 Millionen Euro beziehungsweise knapp 44 Prozent reduziert.
Das ist allerdings vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass 2024 noch keine Stromumsätze erzielt wurden.
Nicht gedeckter Verlustanteil steigt auf 7,12 Millionen Euro
Auffällig ist insbesondere die Eigenkapitalsituation.
In der Bilanz erscheint auf der Aktivseite ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil Kommanditisten“ von 7,123 Millionen Euro.
Ende 2024 hatte dieser Betrag noch bei 4,791 Millionen Euro gelegen.
Damit ist die Position innerhalb eines Jahres um rund 2,332 Millionen Euro beziehungsweise knapp 49 Prozent gestiegen – praktisch exakt um den Jahresverlust 2025.
Die Position sollte nicht mit einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Windparks gleichgesetzt werden. Bei einer GmbH & Co. KG sind zudem die gesellschaftsrechtliche Kapitalstruktur, ausstehende beziehungsweise geplante Einlagen und die Finanzierung zu berücksichtigen.
Für die wirtschaftliche Beurteilung ist sie dennoch von großer Bedeutung.
Denn das geplante langfristige Eigenkapital war Ende 2025 noch nicht vollständig eingeworben.
14 Millionen Euro neues Eigenkapital geplant
Genau hier setzt die Finanzierungsplanung für 2026 an.
Die Gesellschaft will zusätzlich 14,041 Millionen Euro Kommanditkapital einwerben. Mit diesem Geld sollen unter anderem kurzfristige Finanzierungen abgelöst und die langfristige Finanzierungsstruktur des Windparks vervollständigt werden.
Im zweiten Quartal 2026 wurde dafür laut Lagebericht ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüftes Verkaufsprospekt herausgegeben.
Die Eigenkapitaleinzahlung war für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Die Geschäftsführung berichtet von einem hohen Interesse während der nahezu abgeschlossenen Interessensbekundungsphase und zeigt sich zuversichtlich, das geplante Kapital vollständig einwerben zu können.
Gerade dieser Punkt dürfte für die weitere Entwicklung von erheblicher Bedeutung sein.
Mehr als 81 Millionen Euro Bankschulden
Denn der Windpark ist bislang sehr stark fremdfinanziert.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten erhöhten sich von 74,60 Millionen Euro auf 81,84 Millionen Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 7,25 Millionen Euro beziehungsweise knapp zehn Prozent.
Insgesamt weist die Bilanz Verbindlichkeiten von 82,93 Millionen Euro aus.
Zusätzlich bestehen Rückstellungen von rund 3,76 Millionen Euro.
Der hohe Fremdkapitalanteil ist im Zusammenhang mit der noch laufenden Investitions- und Finanzierungsphase zu betrachten.
Die Gesellschaft erklärt, dass ein lokales Bankenkonsortium eine Finanzierungszusage für das gesamte Investitionsvolumen erteilt habe. Diese umfasse auch die Vorfinanzierung des später einzuwerbenden Eigenkapitals.
2025 wurden zudem rund 50 Millionen Euro von kurzfristiger in langfristige Finanzierung überführt.
Liquidität steigt auf 5,83 Millionen Euro
Trotz des Jahresverlustes hat sich die kurzfristige Liquiditätslage erheblich verbessert.
Zum Jahresende lagen 5,831 Millionen Euro an liquiden Mitteln auf den Konten. Ende 2024 waren es lediglich rund 170 Euro gewesen.
Der operative Cashflow war mit 3,965 Millionen Euro positiv.
Aus der Investitionstätigkeit flossen weitere 1,888 Millionen Euro ab. Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit erreichte 3,754 Millionen Euro.
Unter dem Strich erhöhten sich die liquiden Mittel um rund 5,831 Millionen Euro.
Nach Darstellung der Gesellschaft war die Liquidität während des gesamten Jahres durch die Finanzierungszusage des Bankenkonsortiums sichergestellt.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur reinen Betrachtung des Jahresverlustes: Ein bilanzieller Verlust bedeutet nicht automatisch, dass einem Unternehmen kurzfristig das Geld ausgeht.
Technischer Schaden an einem Windrad
Zum schwierigen Jahresende kam ein weiteres Problem hinzu.
Am 25. Dezember 2025 trat an der Windenergieanlage Nummer 2 ein technischer Schaden auf.
Während der Reparaturarbeiten entstand nach Angaben der Gesellschaft zusätzlich ein Folgeschaden. Dadurch stand die Anlage mehrere Monate still und konnte erst am 27. April 2026 wieder in Betrieb genommen werden.
Ein Großteil der Reparaturkosten soll durch den Wartungsvertrag abgedeckt sein.
Auch der Produktionsausfall fällt nach Darstellung der Gesellschaft unter die Verfügbarkeitsgarantie des Herstellers. Allerdings erfolgt die Berechnung entsprechender Ersatzleistungen erstmals 60 Monate nach Inbetriebnahme – also erst 2030.
Für 2026 rechnet die Gesellschaft deshalb zunächst mit negativen Auswirkungen auf Liquidität und möglicherweise auch auf das Ergebnis.
2026 soll trotzdem erstmals Gewinn bringen
Trotz dieser Belastungen erwartet die Geschäftsführung für 2026 die Wende.
Im Verkaufsprospekt wurde für das laufende Geschäftsjahr ein positives Jahresergebnis von 234.100 Euro prognostiziert.
Allerdings enthält der Lagebericht bereits eine Einschränkung: Auch die ersten Monate 2026 waren von unterdurchschnittlichem Windaufkommen geprägt. Deshalb könnte das ursprünglich prognostizierte Ergebnis unterschritten werden.
Die Geschäftsführung geht dennoch davon aus, 2026 insgesamt einen Gewinn zu erreichen.
In den folgenden Jahren sollen nach ihrer Planung dauerhaft positive Ergebnisse erzielt werden.
Ausschüttungen an die Kommanditisten sind für 2026 allerdings noch nicht vorgesehen. Erste Auszahlungen sollen für das Geschäftsjahr 2027 erfolgen.
Hohe Vergütung von durchschnittlich 9,32 Cent
Eine wichtige wirtschaftliche Grundlage bildet die EEG-Vergütung.
Für den Standort wird eine durchschnittliche Standortgüte von rund 71,7 Prozent angegeben. Daraus ergibt sich voraussichtlich ein Korrekturfaktor von ungefähr 1,27.
Die durchschnittliche Vergütung der neun Anlagen liegt dadurch derzeit bei 9,32 Cent je Kilowattstunde.
Die Gesellschaft bezeichnet diese feste Vergütung im Lagebericht als ausreichend ertragbringende Ausgangsbasis für einen wirtschaftlichen Betrieb.
Das schützt den Windpark jedoch nicht vor sämtlichen Marktrisiken.
Insbesondere negative Strompreise werden zunehmend wichtig. Für 2025 nennt der Lagebericht bereits 557 Stunden mit negativen Preisen, gegenüber 425 Stunden im Vorjahr.
Der entscheidende Test beginnt erst jetzt
Der Jahresabschluss 2025 zeichnet damit ein ungewöhnliches Bild.
Auf der einen Seite steht ein moderner Windpark mit neun Anlagen, 54 Megawatt Leistung, einem Investitionsvolumen von rund 82 Millionen Euro und einer langfristig kalkulierten EEG-Vergütung.
Auf der anderen Seite stehen ein Jahresverlust von 2,33 Millionen Euro, ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil von 7,12 Millionen Euro und Bankverbindlichkeiten von mehr als 81 Millionen Euro.
Allerdings war 2025 kein normales Betriebsjahr.
Die Anlagen gingen erst schrittweise in Betrieb, die vollständige Netzkapazität stand fast das gesamte Jahr nicht zur Verfügung, das Windaufkommen war außergewöhnlich schwach und ein Teil der geforderten Entschädigung des Netzbetreibers ist weiterhin offen.
Damit dürfte 2026 zum ersten wirklich aussagekräftigen Test für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Windparks werden.
Entscheidend sind dabei vier Entwicklungen: die vollständige Einwerbung der geplanten 14,041 Millionen Euro Eigenkapital, die endgültige Höhe der Entschädigung des Netzbetreibers, das tatsächliche Windaufkommen und die Frage, ob der Windpark nach dem schwierigen Start wie prognostiziert erstmals einen Jahresgewinn erzielt.