Wer im Urlaub essen geht, sollte inzwischen nicht nur Hunger, sondern am besten auch einen Taschenrechner mitbringen. Denn mancherorts kostet nicht nur das Essen. Auch Musik, Pfeffer, Pizzaschneiden, ein Fensterplatz, ein zusätzlicher Löffel oder sogar ein Haken für die Handtasche können plötzlich als eigene Position auf der Rechnung auftauchen.
Früher war Restaurantbesuch noch einfach.
Man setzte sich hin.
Man bestellte.
Man aß.
Man bezahlte.
Heute setzt man sich hin und denkt besser zunächst:
Was kostet eigentlich das Hinsetzen?
Denn Restaurants rund um den Globus scheinen eine neue Disziplin entdeckt zu haben:
Zusatzgebühren.
Und zwar für Dinge, bei denen man bislang davon ausging, sie gehörten irgendwie zum Restaurantbesuch dazu.
Sie hören Musik? Das macht sieben Euro
Eine Urlauberin besuchte das berühmte Caffè Florian am Markusplatz in Venedig.
Dass dort ein Aperol Spritz nicht zum Discounterpreis ausgeschenkt wird, dürfte niemanden überraschen.
Auf der Rechnung standen laut Bericht:
34 Euro für zwei Aperol Spritz.
16 Euro für ein Croissant.
15 Euro für einen Toast.
Und dann noch:
sieben Euro für die Musik.
Es spielte ein kleines Orchester mit drei Musikern.
Schön.
Nur wusste offenbar auch die Rechnung sehr genau, dass es gespielt hatte.
Früher nannte man so etwas Atmosphäre.
Heute heißt es möglicherweise:
„Live Entertainment Service Package.“
Und irgendwo sitzt schon ein Controller und überlegt, ob man zusätzlich abrechnen könnte:
„Taube über Markusplatz gesehen: 1,50 Euro.“
Venedig kann inzwischen Eintritt
Ganz überraschend kommt die Kreativität bei Zusatzkosten natürlich nicht.
Venedig wird jedes Jahr von Millionen Touristen besucht und verlangt inzwischen an bestimmten Tagen von Tagesgästen Eintritt. Restaurants können zusätzlich beispielsweise Gedeck oder Brot berechnen.
Man könnte sagen:
Venedig hat verstanden, dass Touristen freiwillig Geld mitbringen.
Und arbeitet nun konsequent daran, dass sie es nicht wieder mit nach Hause nehmen.
Brasilien: Applaus bitte – vorher bezahlen
Musikgebühren gibt es nicht nur in Italien.
In Brasilien existiert der sogenannte „Couvert artístico“ – ein Aufschlag für tatsächliche Live-Musik.
Auch Griechenland-Urlauber berichten von entsprechenden Gebühren. Ein Gast in Athen musste laut Bericht drei Euro pro Person zahlen, auf Skopelos wurden acht Euro für Live-Musik verlangt.
Der praktische Urlaubstipp lautet also:
Wenn irgendwo jemand eine Gitarre auspackt, nicht sofort romantisch werden.
Erst fragen:
„Was kostet das Lied?“
Und falls der Musiker „Hotel California“ anstimmt:
vorsichtshalber Rechnung verlangen, bevor das Gitarrensolo beginnt.
50 Cent für Pfeffer
Besonders schön wird es beim Thema Gewürze.
Ein Urlauber bestellte in Italien eine Pizza und wollte etwas Pfeffer dazu.
Kostenpunkt:
50 Cent.
Das ist natürlich nur ein kleiner Betrag.
Aber damit eröffnet sich gastronomisch ein völlig neues Geschäftsmodell.
Salz: 40 Cent.
Pfeffer: 50 Cent.
Oregano: Premium-Paket.
Parmesan: Finanzierung auf zwölf Monate.
Und wenn der Kellner persönlich an der Mühle dreht:
Servicepauschale.
Pizza schneiden? 1,90 Euro
In Österreich soll ein Restaurant sogar 1,90 Euro fürs Vorschneiden einer Pizza verlangt haben.
Die Begründung: zusätzlicher Service- und Personalaufwand.
Man muss schließlich verstehen:
Ein Messer hebt sich nicht von allein.
Das sind mehrere hochkomplexe Bewegungsabläufe.
Ansetzen.
Drücken.
Schneiden.
Drehen.
Noch einmal schneiden.
Das grenzt praktisch an Feinmechanik.
Wer sparen will, bekommt künftig vielleicht einfach eine ganze Pizza und einen Werkzeugkoffer.
Fensterplatz mit Seeblick: 10,60 Euro
Auch die Schweiz zeigt Innovationskraft.
Ein thailändisches Restaurant in Zürich soll für einen Platz direkt am Fenster mit Blick auf den Zürichsee zehn Franken, also rund 10,60 Euro, verlangt haben.
Das ist immerhin konsequent.
Der Blick ist schließlich da.
Warum sollte man ihn kostenlos ansehen?
Mögliche nächste Tarifstufen:
Tisch Mitte: inklusive.
Fensterplatz: 10 Franken.
Sonnenuntergang: 15 Franken.
Schwan schwimmt vorbei: Aufpreis nach Tagesform.
Regen:
keine Erstattung.
Noch schöner: 10,60 Euro für einen Löffel
In Luzern wird es dann philosophisch.
Ein Restaurant verlangte laut Bericht zehn Franken für einen zusätzlichen Löffel, weil Gäste ein Dessert teilen wollten.
Ein Löffel.
10,60 Euro.
Dafür erwartet man eigentlich, dass er anschließend mit nach Hause darf.
Oder zumindest einen Namen trägt.
„Ihr Dessert wird heute serviert mit unserem exklusiven Löffel Guillaume, Jahrgang 2024.“
Die Botschaft ist klar:
Liebe kann vieles teilen.
Dessert offenbar nicht.
Pizza teilen? Kostet
Auch beim gemeinsamen Pizzaessen hat die Gastronomie wirtschaftliches Potenzial entdeckt.
In einer Schweizer Trattoria sollte das Teilen einer Pizza zusätzlich drei Franken kosten.
Man stelle sich künftig vor:
„Eine Pizza Margherita bitte.“
„Für Sie allein?“
„Nein, wir teilen.“
Der Kellner holt daraufhin ernst ein Formular hervor:
„Dann brauche ich zunächst die Namen beider Vertragsparteien.“
Und jetzt: der Taschenhaken
Den vermutlich schönsten Eintrag liefert ein Sushi-Restaurant auf Ibiza.
Drei Frauen hängten dort ihre Handtaschen an bereitgestellte Haken.
Auf der Rechnung erschien anschließend:
vier Euro pro Tasche.
Drei Taschen.
Zwölf Euro.
Nach Protest mussten die Frauen die Gebühr laut Bericht schließlich nicht bezahlen.
Man darf gespannt sein, welches gastronomische Zusatzprodukt als Nächstes entdeckt wird.
Stuhl benutzen: 2 Euro.
Serviette entfalten: 80 Cent.
Speisekarte anschauen: Leselizenz.
Toilette finden ohne Personalhilfe: kostenlos.
Toilette finden mit Wegbeschreibung: 1,50 Euro.
Vielleicht künftig vor dem Essen einen Kostenvoranschlag verlangen
Natürlich sind solche Gebühren Einzelfälle und viele Restaurants weisen Zusatzkosten transparent aus.
Trotzdem zeigt die Sammlung:
Wer im Urlaub essen geht, sollte inzwischen gelegentlich nicht nur die Speisekarte lesen.
Sondern auch das Kleingedruckte.
Denn die gefährlichste Frage im Restaurant lautet womöglich nicht mehr:
„Was kostet das Tagesgericht?“
Sondern:
„Was genau kostet hier eigentlich NICHT extra?“
Und wenn im Hintergrund plötzlich ein Geiger erscheint:
Nicht applaudieren.
Erst die Rechnung abwarten.