Bei der QE Windpark Römberg GmbH, die zuvor unter dem Namen QE Windpark 521 GmbH firmierte, fällt der Jahresabschluss 2024 durch eine ungewöhnlich schwache Eigenkapitalposition auf.
Die Berliner Gesellschaft startete das Geschäftsjahr bilanziell mit einem Eigenkapital von 25.000 Euro. Zum 31. Dezember 2024 wird dagegen kein positives Eigenkapital mehr ausgewiesen.
Mehr noch: Auf der Aktivseite erscheint ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ von 10.276,59 Euro.
Damit war das bilanzielle Eigenkapital zum Jahresende vollständig aufgezehrt und rechnerisch darüber hinaus negativ.
Für eine Gesellschaft, die den Begriff „Windpark“ im Namen trägt, ist außerdem bemerkenswert, was in dieser Bilanz noch nicht zu sehen ist: Sachanlagen beziehungsweise Windenergieanlagen werden überhaupt nicht ausgewiesen.
Aus 25.000 Euro Eigenkapital werden rechnerisch minus 10.276 Euro
Die auffälligste Entwicklung betrifft die Kapitalausstattung.
Zum 1. Januar 2024 weist die Bilanz noch 25.000 Euro Eigenkapital aus. Zum Jahresende steht diese Position bei 0 Euro.
Gleichzeitig wird auf der Aktivseite ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 10.276,59 Euro ausgewiesen.
Vereinfacht bedeutet das: Die Verluste beziehungsweise die bilanzielle Unterdeckung haben das ursprünglich vorhandene Eigenkapital vollständig aufgezehrt und überschreiten es rechnerisch um weitere 10.276,59 Euro.
Damit ergibt sich eine erhebliche Veränderung innerhalb des Geschäftsjahres.
Rechnerisch mehr als 35.000 Euro Kapital aufgezehrt
Aus der Veränderung lässt sich die Größenordnung besonders anschaulich darstellen.
Ausgehend von 25.000 Euro positivem Eigenkapital zu Beginn des Geschäftsjahres und einem rechnerisch negativen Eigenkapital von 10.276,59 Euro am Jahresende ergibt sich eine Verschlechterung der Eigenkapitalposition von insgesamt 35.276,59 Euro.
Das ist für eine Gesellschaft dieser Größenordnung erheblich.
Allerdings enthält der vorliegende Abschluss keine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung, anhand derer nachvollzogen werden könnte, aus welchen einzelnen Aufwendungen oder Geschäftsvorfällen diese Entwicklung entstanden ist.
Deshalb lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht seriös feststellen, warum das Eigenkapital in dieser Größenordnung aufgezehrt wurde.
Nur noch knapp 2.000 Euro Umlaufvermögen
Auch die Aktivseite ist auffällig klein.
Zum 31. Dezember 2024 werden lediglich 1.923,68 Euro Umlaufvermögen ausgewiesen.
Zu Beginn des Geschäftsjahres waren es noch 25.000 Euro.
Damals bestand die Position vollständig aus eingeforderten, aber noch ausstehenden Kapitaleinlagen in Höhe von 25.000 Euro. Zum Jahresende wird für diese Position kein Betrag mehr ausgewiesen.
Damit ist auch hier eine erhebliche Veränderung erkennbar.
Zusammen mit dem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 10.276,59 Euro ergibt sich eine Bilanzsumme von 12.200,27 Euro.
Zum Jahresanfang hatte die Bilanzsumme noch 25.000 Euro betragen.
Sie hat sich damit innerhalb des Jahres mehr als halbiert.
Keine Windenergieanlagen in der Bilanz
Besonders interessant ist ein Blick auf das Anlagevermögen.
In der vorliegenden Bilanz werden keine Sachanlagen ausgewiesen.
Damit befinden sich zum Bilanzstichtag jedenfalls nach dieser veröffentlichten Bilanz keine bilanzierten Windenergieanlagen, Grundstücke oder vergleichbaren Sachanlagen direkt in dieser Gesellschaft.
Auch Finanzanlagen werden nicht ausgewiesen.
Das ist für die Interpretation wichtig: Aus dem Namen „QE Windpark Römberg GmbH“ darf deshalb nicht automatisch geschlossen werden, dass die Gesellschaft zum 31. Dezember 2024 bereits einen fertiggestellten Windpark mit entsprechenden Millionenwerten in ihrer Bilanz hielt.
Der Abschluss könnte beispielsweise eine Gesellschaft in einer frühen Projektphase betreffen. Ob das tatsächlich der Fall ist und welchen Entwicklungsstand ein mögliches Windparkprojekt erreicht hatte, geht aus dem vorliegenden Jahresabschluss jedoch nicht hervor.
Fast 10.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten
Auf der Passivseite werden 9.800,27 Euro Verbindlichkeiten ausgewiesen.
Sämtliche Verbindlichkeiten haben laut Bilanz eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Hinzu kommen Rückstellungen von 2.400 Euro.
Damit ergeben sich insgesamt 12.200,27 Euro Passiva.
Langfristige Bankkredite oder andere langfristige Finanzierungsverbindlichkeiten sind in der vorliegenden Bilanz nicht ausgewiesen.
Auch das unterscheidet diese Gesellschaft deutlich von einer klassischen operativen Windparkgesellschaft, die bereits Windenergieanlagen betreibt und deren Errichtung langfristig über Bankdarlehen finanziert wurde.
Negatives Eigenkapital – was bedeutet das?
Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag von 10.276,59 Euro ist zweifellos das auffälligste Signal des Abschlusses.
Er zeigt, dass die bilanziellen Verpflichtungen beziehungsweise Verluste das vorhandene Eigenkapital übersteigen.
Das ist ein wichtiger Warnhinweis.
Allerdings darf daraus nicht automatisch eine Insolvenz der Gesellschaft abgeleitet werden.
Bilanzielle Unterdeckung, Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtliche Überschuldung sind nicht identisch. Für eine insolvenzrechtliche Beurteilung wären weitere Informationen erforderlich, insbesondere über Liquidität, Zahlungsfähigkeit, Fälligkeiten, Finanzierungsmöglichkeiten und gegebenenfalls die Fortführungsprognose.
Solche Angaben enthält der hier vorliegende Abschluss nicht.
Die korrekte Aussage lautet deshalb: Die Gesellschaft weist zum 31. Dezember 2024 kein positives bilanzielles Eigenkapital mehr aus und bilanziert einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 10.276,59 Euro.
Weitergehende Schlussfolgerungen wären anhand dieser Zahlen allein nicht belastbar.
Namensänderung fällt ebenfalls auf
Interessant ist außerdem die Firmenbezeichnung.
Der Jahresabschluss wird unter QE Windpark Römberg GmbH veröffentlicht. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Gesellschaft zuvor als QE Windpark 521 GmbH firmierte.
In den Angaben zur Identifikation beim Registergericht wird noch der Name QE Windpark 521 GmbH genannt.
Der Sitz befindet sich in Berlin. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Charlottenburg unter der Handelsregisternummer HRB 261475 registriert.
Allein aus der Umbenennung lassen sich keine wirtschaftlichen Schlussfolgerungen ziehen. Bei Projektgesellschaften können Namensänderungen beispielsweise mit der Zuordnung zu einem konkreten Projekt zusammenhängen. Ob dies hier der Hintergrund war, lässt sich aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht feststellen.
Drei Personen in der Geschäftsführung
Unterzeichnet wurde der Jahresabschluss am 3. Juli 2026.
Als Geschäftsführer beziehungsweise Geschäftsführerin werden Johannes Overbeck, Philipp Wagener und Irene Salgado Doval genannt.
Auffällig ist damit auch der zeitliche Abstand: Der vorliegende Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr 2024, wurde jedoch erst im Juli 2026 unterzeichnet und am 14. September 2026 veröffentlicht beziehungsweise mit diesem Veröffentlichungsdatum versehen.
Welche Gründe für diesen zeitlichen Abstand bestehen, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht entnehmen.
Die entscheidende Frage: Was geschah 2024?
Der Jahresabschluss wirft deshalb mehr Fragen auf, als er beantwortet.
Die zentrale Frage lautet: Warum wurde innerhalb eines Geschäftsjahres das komplette ursprüngliche Eigenkapital aufgezehrt?
Zu Beginn standen 25.000 Euro Eigenkapital in der Bilanz. Ende 2024 war dieses vollständig verschwunden. Zusätzlich bestand eine bilanzielle Unterdeckung von mehr als 10.000 Euro.
Gleichzeitig sind keine Windenergieanlagen und keine anderen Sachanlagen bilanziert.
Um die wirtschaftliche Entwicklung nachvollziehen zu können, wären deshalb insbesondere Informationen darüber wichtig,
welche Aufwendungen 2024 angefallen sind, welche Projektentwicklungskosten entstanden, ob ein Windparkprojekt bereits konkret verfolgt wurde, welche Finanzierung zur Verfügung stand und wie sich die wirtschaftliche Situation nach dem Bilanzstichtag entwickelt hat.
Diese Antworten liefert der veröffentlichte Abschluss nicht.
2025 dürfte besonders interessant werden
Damit bekommt der nächste Jahresabschluss eine besondere Bedeutung.
Entscheidend wird sein, ob der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag fortbesteht, reduziert oder durch neues Kapital ausgeglichen wurde.
Ebenso interessant wäre, ob inzwischen Investitionen in ein konkretes Windparkprojekt erfolgt sind und erstmals entsprechende Vermögenswerte in der Bilanz erscheinen.
Denn Ende 2024 zeigt sich die QE Windpark Römberg GmbH bilanziell noch nicht als Gesellschaft mit einem millionenschweren Windparkvermögen.
Stattdessen stehen lediglich 1.923,68 Euro Umlaufvermögen, 2.400 Euro Rückstellungen, 9.800,27 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten und ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 10.276,59 Euro in den Büchern.