Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Schauenstein GmbH & Co. KG ist auf den ersten Blick solide: Die Gesellschaft schreibt weiterhin schwarze Zahlen, verfügt über eine hohe Eigenkapitalbasis und hat ihre Bankverschuldung innerhalb eines Jahres erheblich reduziert. Hinter dieser robusteren Bilanz verbirgt sich jedoch eine Entwicklung, die Anleger genauer betrachten sollten: Der Jahresüberschuss ist von 255.506 Euro auf lediglich 52.173 Euro eingebrochen. Das entspricht einem Rückgang von rund 80 Prozent.
Der wichtigste Warnhinweis: Die Ertragskraft hat deutlich nachgelassen
Ein Jahresüberschuss von gut 52.000 Euro ist angesichts einer Bilanzsumme von 6,81 Mio. Euro und ursprünglicher Investitionen in die Erzeugungsanlagen von 18,74 Mio. Euro ausgesprochen überschaubar. Rechnerisch entspricht der Gewinn nur etwa 0,8 Prozent der aktuellen Bilanzsumme.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Windparks aufgrund hoher planmäßiger Abschreibungen bilanziell häufig deutlich weniger verdienen, als sie an operativem Cashflow erwirtschaften. Genau hier liegt eine wesentliche Informationslücke des veröffentlichten Abschlusses: Aus den vorliegenden Angaben lässt sich nicht ausreichend erkennen, wie sich Stromproduktion, erzielter Strompreis, operative Kosten und Cashflow gegenüber 2024 entwickelt haben.
Das ist gerade angesichts des Gewinneinbruchs entscheidend. Ohne diese Informationen lässt sich nicht sicher beurteilen, ob 2025 beispielsweise ein schwaches Windjahr, höhere Betriebs- und Wartungskosten, niedrigere Erlöse oder andere Effekte für das Ergebnis verantwortlich waren.
Hohe Abschreibungen verzerren den Blick auf den Gewinn
Besonders wichtig ist deshalb die Abschreibung. Die Anlagen wurden 2025 um rund 1,175 Mio. Euro abgeschrieben. Der Buchwert sank dadurch von 6,38 Mio. auf 5,21 Mio. Euro. Seit Anschaffung wurden auf ursprüngliche Anschaffungskosten von 18,74 Mio. Euro bereits rund 13,53 Mio. Euro abgeschrieben.
Das bedeutet: Der niedrige Jahresüberschuss von 52.000 Euro ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem ähnlich niedrigen Mittelzufluss.
Aus Anlegersicht wäre deshalb der operative Cashflow wesentlich aussagekräftiger als der handelsrechtliche Jahresüberschuss. Der Abschluss liefert hierzu jedoch keine Kapitalflussrechnung.
Gerade bei einem Windpark ist das bedauerlich. Ein weitgehend abgeschriebener Windpark kann wirtschaftlich durchaus attraktiv sein, wenn die Anlagen technisch zuverlässig weiterlaufen und nach Ende der ursprünglichen Abschreibungs- beziehungsweise Finanzierungsphase weiterhin Stromerlöse generieren.
Sehr positiv: Mehr als eine Million Euro Bankschulden getilgt
Die stärkste Entwicklung des Jahres findet sich auf der Passivseite. Die Bankverbindlichkeiten wurden von rund 3,67 Mio. Euro auf 2,60 Mio. Euro reduziert. Innerhalb eines Jahres wurden damit rund 1,07 Mio. Euro beziehungsweise 29 Prozent der Bankschulden abgebaut.
Noch interessanter ist die Restlaufzeit. Von den verbleibenden 2,60 Mio. Euro Bankverbindlichkeiten sind 1,067 Mio. Euro innerhalb eines Jahres und weitere 1,533 Mio. Euro nach mehr als einem Jahr fällig. Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren bestehen zum Bilanzstichtag nicht mehr.
Das deutet darauf hin, dass sich der Windpark bereits in einer fortgeschrittenen Phase seiner Projektfinanzierung befindet.
Für Anleger könnte das perspektivisch interessant werden: Ist die Bankfinanzierung vollständig zurückgeführt und laufen die Anlagen anschließend noch mehrere Jahre wirtschaftlich weiter, entfällt ein erheblicher Teil des bisherigen Kapitaldienstes. Dann könnte grundsätzlich mehr Liquidität für Ausschüttungen oder Reinvestitionen zur Verfügung stehen.
Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, lässt sich aus dem Jahresabschluss allerdings nicht ableiten.
Eigenkapitalquote steigt deutlich
Auch die Eigenkapitalentwicklung ist positiv. Das Eigenkapital beträgt zum Jahresende rund 3,61 Mio. Euro gegenüber 3,57 Mio. Euro im Vorjahr. Weil gleichzeitig die Bilanzsumme von 8,08 Mio. auf 6,81 Mio. Euro gefallen ist, steigt die rechnerische Eigenkapitalquote deutlich.
Sie beträgt nun rund 53,1 Prozent, gegenüber ungefähr 44,2 Prozent im Vorjahr.
Für eine projektfinanzierte Windparkgesellschaft ist diese Entwicklung grundsätzlich komfortabel. Die Abhängigkeit von Fremdkapital nimmt sichtbar ab.
Allerdings sollte man die Eigenkapitalquote nicht isoliert betrachten. Ein Teil des Bilanzrückgangs entsteht schlicht dadurch, dass die Anlagen jedes Jahr weiter abgeschrieben und gleichzeitig Kredite getilgt werden. Die steigende Quote bedeutet daher nicht automatisch, dass der wirtschaftliche Wert des Windparks entsprechend gestiegen ist.
Liquidität: Auf den zweiten Blick weniger komfortabel
Etwas kritischer fällt der Blick auf die Bankguthaben aus. Diese gingen von 1,251 Mio. Euro auf 835.777 Euro zurück.
Hinzu kommt eine wichtige Einschränkung: In den Bankguthaben sind 536.000 Euro Projektreserve beziehungsweise Guthaben zur Kapitaldienstreserve und Avalabsicherung enthalten, die im Rahmen der Projektfinanzierung verpfändet sind.
Damit stehen erhebliche Teile der ausgewiesenen Liquidität nicht ohne Weiteres zur freien Verfügung.
Vereinfacht gerechnet verbleiben nach Abzug dieser 536.000 Euro nur rund 300.000 Euro Bankguthaben, die nicht unter diese ausdrücklich genannte Verpfändung fallen. Das bedeutet nicht zwingend, dass diese 300.000 Euro vollständig frei ausschüttbar wären – aber es zeigt, warum Anleger nicht einfach den gesamten Kassenbestand als verfügbare Liquiditätsreserve betrachten sollten.
Gleichzeitig steigen die sonstigen Vermögensgegenstände stark
Interessant ist allerdings, dass der Rückgang der Bankguthaben teilweise durch einen deutlichen Anstieg anderer kurzfristiger Vermögenspositionen kompensiert wird.
Die sonstigen Vermögensgegenstände stiegen von rund 187.000 auf 471.000 Euro, während die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 254.000 auf 289.000 Euro zunahmen. Insgesamt erhöhten sich Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von rund 441.000 auf 760.000 Euro.
Für Anleger wäre interessant zu erfahren, woraus insbesondere der Anstieg der sonstigen Vermögensgegenstände um rund 284.000 Euro resultiert. Der Anhang liefert hierzu keine detaillierte Aufschlüsselung.
Das ist kein unmittelbares Warnsignal, aber durchaus eine Position, die man bei einer tieferen Analyse hinterfragen würde.
Rückbaukosten werden zunehmend relevant
Ein Windpark besitzt am Ende seiner Betriebszeit nicht nur einen möglichen Restwert, sondern auch Verpflichtungen. Die sonstigen Rückstellungen liegen bei 566.900 Euro und betreffen im Wesentlichen Rückbauverpflichtungen sowie ausstehende Rechnungen.
Die Rückbaurückstellungen werden über die Nutzungsdauer angesammelt und entsprechend ihrer Restlaufzeit abgezinst.
Für Anleger wird diese Position mit zunehmendem Anlagenalter wichtiger. Entscheidend ist letztlich, ob die angesammelten Rückstellungen die tatsächlichen Rückbaukosten ausreichend abdecken.
Der Jahresabschluss erklärt zwar, dass nach Einschätzung der Gesellschaft ausreichend Vorsorge getroffen wurde, ermöglicht aber keine unabhängige Beurteilung der später tatsächlich zu erwartenden Rückbaukosten.
Weitere 1,54 Millionen Euro vertragliche Verpflichtungen
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen außerdem Verpflichtungen aus Wartungs-, Betriebsführungs- und Pachtverträgen von insgesamt 1,539 Mio. Euro.
Davon entfallen 374.000 Euro auf 2026, weitere 920.000 Euro auf die Jahre 2027 bis 2030 und 245.000 Euro auf die Zeit danach.
Diese Beträge sind nicht per se problematisch – Wartung, Betriebsführung und Pacht gehören zum normalen Betrieb eines Windparks. Anleger sollten sie aber berücksichtigen, wenn sie versuchen, aus zukünftigen Stromerlösen mögliche Ausschüttungen abzuleiten.
Der entscheidende Punkt: Der Windpark befindet sich offenbar in einer reifen Phase
Die Zahlen vermitteln insgesamt das Bild eines reifen Windkraftprojekts.
Die Anlagen sind bereits zu einem großen Teil abgeschrieben, die Projektfinanzierung wird schnell zurückgeführt und größere Neuinvestitionen fanden 2025 nicht statt. Gleichzeitig bestehen weiterhin Rückbau-, Wartungs-, Betriebsführungs- und Pachtverpflichtungen. Die Erzeugungsanlagen werden über Nutzungsdauern von zwölf bis 16 Jahren abgeschrieben.
Genau daraus entsteht aus Anlegersicht die zentrale Frage:
Wie viel wirtschaftliche Restlaufzeit besitzen die Anlagen nach vollständiger Tilgung der Kredite noch?
Wenn die Windenergieanlagen nach weitgehender Abschreibung und Rückzahlung der Bankdarlehen noch mehrere Jahre zuverlässig Strom produzieren können, könnte diese Phase wirtschaftlich interessant sein.
Wenn dagegen größere Reparaturen, technische Probleme, sinkende Erlöse oder baldige Ersatzinvestitionen auftreten, kann sich dieses Bild schnell verändern.
Keine neuen Investitionen – positiv oder Warnzeichen?
2025 wurden keinerlei Zugänge zum Sachanlagevermögen ausgewiesen. Die Anschaffungskosten der Erzeugungsanlagen blieben unverändert bei 18,739 Mio. Euro.
Das lässt zwei unterschiedliche Interpretationen zu.
Einerseits spricht es dafür, dass momentan keine größeren Ersatzinvestitionen erforderlich waren. Das wäre positiv für den Cashflow.
Andererseits stellt sich bei älteren Windenergieanlagen irgendwann zwangsläufig die Frage nach größeren Komponenten, Lebensdauerverlängerungen oder Repowering. Der Abschluss enthält hierzu keine konkreten Angaben.
Gerade deshalb wäre für eine langfristige Anlegerbewertung das technische Alter und der Zustand der einzelnen Windenergieanlagen eine der wichtigsten Zusatzinformationen.
Auch die Gesellschafterstruktur verdient Beachtung
Bemerkenswert ist außerdem die Gesellschafterstruktur. Größter Kommanditist ist die N-ERGIE Regenerativ GmbH mit 39,183 Prozent. Daneben sind mehrere kommunale Versorger und Kommunen beteiligt, darunter die Stadtwerke Schwabach mit 21,472 Prozent sowie weitere Stadt- und Gemeindewerke.
Das spricht für eine stark kommunal beziehungsweise energiewirtschaftlich geprägte Eigentümerstruktur. Daraus lässt sich jedoch allein weder eine Garantie für zukünftige Erträge noch eine bestimmte Ausschüttungspolitik ableiten.