Dark Mode Light Mode
24-Stunden-Drohung im Namen von WhatsApp: Neue Phishing-Mails setzen Nutzer unter Druck
5TH AVENUE PRODUCTS TRADING-GMBH unter vorläufiger Insolvenzverwaltung – Exklusivimporteur kubanischer Zigarren betroffen
Probealarm in ganz Deutschland: Heute schrillen Millionen Handys und Sirenen

5TH AVENUE PRODUCTS TRADING-GMBH unter vorläufiger Insolvenzverwaltung – Exklusivimporteur kubanischer Zigarren betroffen

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Die 5TH AVENUE PRODUCTS TRADING-GMBH, der offizielle Exklusivimporteur kubanischer Habanos-Zigarren für Deutschland, Österreich und Polen, befindet sich in einem Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen ordnete am 9. September 2026 um 17 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 4 IN 194/26 geführt.

Firmensitz des Unternehmens ist Schwarzenbergstraße 3–7, 79761 Waldshut-Tiengen. Geschäftsführer ist Christoph Puszkar. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. André Berbuer aus Freiburg bestellt.

Verfügungen der Gesellschaft über ihr Vermögen sind seitdem nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam. Dieser wurde außerdem ermächtigt, Bankguthaben und offene Forderungen einzuziehen sowie eingehende Zahlungen entgegenzunehmen.

Exklusivimporteur für Deutschland, Österreich und Polen

Der eingetragene Unternehmensgegenstand umfasst den Handel mit Havanna-Zigarren, anderen Tabakwaren, Raucherbedarfsartikeln, Spirituosen, alkoholfreien Getränken und Gastronomiebedarf. Die tatsächliche Geschäftstätigkeit konzentrierte sich vor allem auf den Import und Großhandel mit hochwertigen Zigarren.

5TH AVENUE war kein gewöhnlicher Tabakhändler, sondern der von der kubanischen Habanos S.A. offiziell eingesetzte Exklusivvertrieb für Habanos-Zigarren in Deutschland, Österreich und Polen. Das Unternehmen nahm damit eine Schlüsselposition zwischen dem kubanischen Hersteller beziehungsweise Rechteinhaber und dem europäischen Tabakfachhandel ein.

Zu den über die Gesellschaft vertriebenen kubanischen Marken gehörten unter anderem:

  • Cohiba,
  • Montecristo,
  • Romeo y Julieta,
  • Partagás,
  • H. Upmann,
  • Bolívar,
  • Trinidad,
  • Hoyo de Monterrey,
  • Ramón Allones,
  • Punch,
  • Quai d’Orsay,
  • Vegas Robaina,
  • José L. Piedra und
  • La Gloria Cubana.

Darüber hinaus umfasste das Sortiment internationale Premiumzigarren und kleinere Zigarrenformate. Dazu zählten unter anderem VegaFina, Flor de Copán, Henry Clay, Capitol, Guantanamera und verschiedene Cuban Mini Cigars.

Belieferung des Tabakfachhandels

Die Gesellschaft importierte die Zigarren und vertrieb sie vor allem über spezialisierte Tabakwarenfachgeschäfte. Zum Geschäft gehörten die Bestellung, Einfuhr, Lagerung, Preisauszeichnung und Auslieferung der empfindlichen Tabakprodukte.

Hochwertige Zigarren müssen unter kontrollierten Bedingungen gelagert werden. Luftfeuchtigkeit und Temperatur spielen eine wesentliche Rolle, damit die Produkte nicht austrocknen oder durch eine zu feuchte Lagerung beschädigt werden. Entsprechend wichtig waren geeignete Lager- und Logistikstrukturen am Standort Waldshut-Tiengen.

5TH AVENUE betreute außerdem verschiedene von Habanos entwickelte Fachhandelskonzepte. Dazu gehörten insbesondere:

  • La Casa del Habano als besonders autorisierte Fachgeschäfte,
  • Habanos Specialist für Händler mit ausgewiesenem Fachwissen und großem Sortiment,
  • Habanos Point als ausgewählte Verkaufsstellen,
  • Habanos Lounge sowie
  • Habanos Terrace für gastronomische und auf Genuss ausgerichtete Betriebe.

Zuletzt durften rund 70 Fachgeschäfte in Deutschland die Bezeichnung „Habanos Specialist“ führen. 5TH AVENUE übernahm damit nicht nur die Warenbelieferung, sondern auch die Betreuung und Qualifizierung eines weitreichenden Fachhändlernetzes.

Habanos Club und Veranstaltungen

Neben dem Großhandel betrieb die Gesellschaft den digitalen Habanos Club. Registrierte Zigarrenliebhaber erhielten dort Informationen über Marken, Neuerscheinungen, Veranstaltungen und die Kultur rund um kubanische Zigarren.

Das Unternehmen organisierte und begleitete außerdem Produkteinführungen, Fachveranstaltungen und Präsentationen. Eine besondere Rolle spielten limitierte Editionen und sogenannte Regionales-Editionen, die nur in bestimmten Absatzgebieten erhältlich waren.

Solche Sonderauflagen besitzen bei Sammlern und Zigarrenliebhabern teilweise einen hohen Stellenwert. Für den Vertrieb waren daher nicht allein große Stückzahlen, sondern auch Markenpflege, Produktkenntnis und langfristige Beziehungen zum spezialisierten Handel entscheidend.

Unternehmen besteht seit 1989

Die Geschichte von 5TH AVENUE reicht bis in das Jahr 1989 zurück. Das Unternehmen wurde als Gemeinschaftsunternehmen mit kubanischen Partnern und der traditionsreichen schweizerisch-deutschen Villiger-Gruppe gegründet.

Es handelte sich seinerzeit um eines der ersten Gemeinschaftsunternehmen zwischen der kubanischen Tabakwirtschaft und einem westlichen Zigarrenhersteller beziehungsweise Vertriebspartner. Ziel war der exklusive Import und die kontrollierte Vermarktung kubanischer Premiumzigarren in Deutschland.

Später wurde das Vertriebsgebiet auf Österreich und Polen erweitert. Über mehr als drei Jahrzehnte entwickelte sich 5TH AVENUE zu einer festen Größe im europäischen Premiumzigarrenmarkt.

Die Tätigkeit war eng mit der kubanischen Habanos S.A. verbunden. Diese verwaltet die Markenrechte und den internationalen Vertrieb der in Kuba hergestellten Habanos. Das weltweite Vertriebssystem basiert auf ausgewählten Exklusivimporteuren für bestimmte Länder oder Regionen. Dadurch soll der Vertrieb gesteuert, die Echtheit der Produkte gesichert und der Handel mit Fälschungen erschwert werden.

Auftragsannahme offenbar bereits ausgesetzt

Kurz vor der gerichtlichen Anordnung soll 5TH AVENUE seine Kunden darüber informiert haben, vorerst keine neuen Bestellungen mehr annehmen und ausliefern zu können. Damit hätten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bereits unmittelbare Auswirkungen auf den Tabakfachhandel gehabt.

Ob und in welchem Umfang noch vorhandene Bestellungen ausgeliefert werden können, hängt nun von der Bestandsaufnahme des vorläufigen Insolvenzverwalters ab. Entscheidend ist, welche Zigarren und sonstigen Waren sich noch im Lager befinden, ob diese bereits bezahlt wurden und ob Lieferanten oder andere Vertragspartner Rechte daran geltend machen.

Für Fachhändler in Deutschland, Österreich und Polen ist die weitere Entwicklung besonders bedeutsam. Da 5TH AVENUE als Exklusivimporteur fungierte, kann der Vertrieb kubanischer Zigarren nicht ohne Weiteres kurzfristig über beliebige andere Großhändler fortgesetzt werden. Habanos S.A. müsste gegebenenfalls einen neuen Vertriebspartner bestimmen oder eine Zwischenlösung vereinbaren.

Vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt

Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen setzte zusätzlich einen vorläufigen Gläubigerausschuss ein. Ihm gehören ein Vertreter der Agentur für Arbeit, der Betriebsratsvorsitzende Hüsamettin Alkan und Rechtsanwalt Horst Teichmanis an.

Die Beteiligung der Agentur für Arbeit und des Betriebsratsvorsitzenden zeigt, dass auch Arbeitnehmerinteressen eine wichtige Rolle spielen. Wie viele Beschäftigte von dem Verfahren betroffen sind, geht aus dem Beschluss nicht hervor.

Ein vorläufiger Gläubigerausschuss wird insbesondere bei größeren oder wirtschaftlich komplexeren Insolvenzverfahren eingesetzt. Er soll die Arbeit des vorläufigen Insolvenzverwalters begleiten und die Interessen unterschiedlicher Gläubigergruppen vertreten.

Zu seinen möglichen Aufgaben gehört es, sich mit der Fortführung des Unternehmens, einer möglichen Sanierung, der Auswahl eines Investors oder einem Verkauf des Geschäftsbetriebs zu befassen. Die Bestellung der einzelnen Mitglieder wird allerdings erst wirksam, wenn diese ihre Mitwirkung gegenüber dem Gericht annehmen.

Geschäftsbetrieb kann grundsätzlich fortgeführt werden

Mit der Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung ist das Insolvenzverfahren noch nicht endgültig eröffnet. Die Gesellschaft bleibt zunächst bestehen und kann ihren Geschäftsbetrieb grundsätzlich fortführen.

Geschäftsführer Christoph Puszkar bleibt formal im Amt. Er darf jedoch keine wirtschaftlich bedeutsamen Verfügungen mehr ohne Zustimmung von Dr. André Berbuer vornehmen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter soll prüfen:

  • ob ein gesetzlicher Insolvenzgrund vorliegt,
  • ob das Vermögen die Kosten eines Insolvenzverfahrens deckt,
  • welche Warenbestände und Forderungen vorhanden sind,
  • welche Liefer- und Vertriebsverträge bestehen,
  • ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann und
  • ob eine Sanierung oder ein Verkauf des Unternehmens möglich ist.

Zu den besonders bedeutsamen Vermögenswerten dürften die vorhandenen Zigarrenbestände, Forderungen gegen Fachhändler, Vertriebs- und Lieferverträge, Marken- und Nutzungsrechte, Kundendaten sowie die Beziehungen zu Habanos S.A. und zum europäischen Fachhandel gehören.

Exklusivvertrag ist für eine Sanierung entscheidend

Für die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens dürfte vor allem die Frage entscheidend sein, ob die exklusive Vertriebsbeziehung zu Habanos S.A. erhalten bleibt. Ohne diese Vereinbarung würde 5TH AVENUE sein wichtigstes Geschäftsfeld verlieren.

Bleibt der Exklusivvertrag bestehen, könnte das Unternehmen für Investoren oder andere Tabakunternehmen von erheblichem Interesse sein. Das über Jahrzehnte aufgebaute Händlernetz, die Marktkenntnis und die Vertriebsrechte für drei Länder stellen grundsätzlich wertvolle Bestandteile des Geschäftsbetriebs dar.

Denkbar wären eine Sanierung innerhalb des bestehenden Unternehmens, der Einstieg eines Investors oder die Übertragung des Vertriebs auf eine andere Gesellschaft. Ob Habanos S.A. und die bisherigen Gesellschafter eine Fortführung unterstützen, ist bislang nicht bekannt.

Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht veröffentlicht

Der Beschluss enthält keine Angaben zu den Ursachen der wirtschaftlichen Krise, zur Höhe der Verbindlichkeiten oder zur Zahl der Gläubiger. Auch ist nicht bekannt, ob Lieferantenforderungen, steuerliche Verpflichtungen, Finanzierungskosten oder andere Belastungen den Insolvenzantrag ausgelöst haben.

Der Markt für kubanische Zigarren war in den vergangenen Jahren von eingeschränkter Warenverfügbarkeit und deutlichen Preissteigerungen geprägt. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Lagerhaltung, Finanzierung und Logistik. Ob diese allgemeinen Marktbedingungen für das Verfahren eine konkrete Rolle spielten, lässt sich derzeit nicht feststellen.

Keine Verbindung zur US-Kaufhauskette Saks Fifth Avenue

Trotz des ähnlichen Namens besteht keine erkennbare Verbindung zur amerikanischen Luxuswarenhauskette Saks Fifth Avenue oder deren insolventer Muttergesellschaft Saks Global. Bei der 5TH AVENUE PRODUCTS TRADING-GMBH aus Waldshut-Tiengen handelt es sich um einen eigenständigen deutschen Tabakimporteur.

Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen wird nach Abschluss der Prüfung entscheiden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Bis dahin steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob der Geschäftsbetrieb stabilisiert und die Belieferung des Tabakfachhandels in Deutschland, Österreich und Polen wieder aufgenommen werden kann.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

24-Stunden-Drohung im Namen von WhatsApp: Neue Phishing-Mails setzen Nutzer unter Druck

Next Post

Probealarm in ganz Deutschland: Heute schrillen Millionen Handys und Sirenen