Das Deutschlandticket könnte im kommenden Jahr knapp 67 Euro kosten. Wer sich noch an die Einführung für 49 Euro erinnert, verfügt damit offenbar bereits über historisches Wissen. Nach Informationen der „Rheinischen Post“ steht die nächste Preiserhöhung im Raum. Aktuell kostet das Ticket 63 Euro. Über die mögliche Anhebung will der Koordinierungsrat von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und Verkehrsunternehmen entscheiden.
Es war einmal ein Deutschlandticket für 49 Euro.
Einfach, bundesweit gültig und preislich attraktiv – so sollte der öffentliche Nahverkehr für Millionen Menschen interessanter werden.
Dann kostete es mehr.
Und noch etwas mehr.
Nun könnte die nächste Stufe folgen: knapp 67 Euro.
Man könnte das als konsequente Verkehrspolitik bezeichnen. Schließlich bewegt sich zumindest der Preis zuverlässig vorwärts.
Von 49 auf möglicherweise 67 Euro
Sollte die berichtete Erhöhung tatsächlich beschlossen werden, hätte sich der monatliche Preis gegenüber dem ursprünglichen 49-Euro-Ticket um knapp 18 Euro erhöht.
Das wären rund 37 Prozent mehr als zum Startpreis.
Aus dem ursprünglichen Jahrespreis von 588 Euro würden bei angenommenen 67 Euro monatlich 804 Euro pro Jahr.
Das sind 216 Euro mehr.
Natürlich bleibt das Deutschlandticket damit ein bundesweit nutzbares Angebot. Nur der Name „49-Euro-Ticket“, unter dem das Modell ursprünglich bekannt wurde, wirkt inzwischen ungefähr so aktuell wie der Fahrplan vom vorletzten Jahr.
Aktuell sind es immerhin „nur“ 63 Euro
Noch kostet das Deutschlandticket 63 Euro pro Monat.
Bei einem Anstieg auf knapp 67 Euro wären das etwa vier Euro zusätzlich im Monat beziehungsweise knapp 48 Euro mehr im Jahr.
Für sich betrachtet klingt das überschaubar.
Der interessantere Vergleich ist allerdings die Entwicklung seit der Einführung.
Aus 49 Euro wurden zunächst höhere Preise – und nun stehen möglicherweise knapp 67 Euro im Raum.
Das Prinzip scheint einfach zu sein: Der Fahrgast bleibt sitzen, der Preis fährt weiter.
Warum soll es teurer werden?
Ganz grundlos kommt die mögliche Erhöhung natürlich nicht.
Nach dem Bericht sollen künftig auch Personal-, Energie- und Betriebskosten der Verkehrsbranche bei der Preisbildung berücksichtigt werden.
Dass Busse und Bahnen Personal benötigen, Energie verbrauchen und im Betrieb Geld kosten, dürfte selbst für verkehrspolitische Laien keine sensationelle Erkenntnis sein.
Für die Finanzierung des Deutschlandtickets ist die Berücksichtigung dieser Kosten allerdings von erheblicher Bedeutung.
Denn ein bundesweit gültiges Ticket kann dauerhaft nur funktionieren, wenn gleichzeitig geklärt ist, wer die entstehenden Kosten trägt.
Und genau an diesem Punkt wird aus der sympathischen Idee eines einfachen Tickets regelmäßig eine Finanzierungsdebatte zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Verkehrsunternehmen – und am Ende den Fahrgästen.
Verkehrswende mit eingebauter Preisautomatik?
Politisch stellt sich damit eine unangenehme Frage:
Wie attraktiv bleibt ein Instrument der Verkehrswende, wenn dessen Preis regelmäßig steigt?
Das Deutschlandticket konkurriert schließlich nicht nur mit anderen Fahrkarten.
Es konkurriert für viele Menschen mit dem eigenen Auto, Fahrrad, Homeoffice oder der Entscheidung, bestimmte Fahrten überhaupt nicht zu unternehmen.
Wer Menschen dauerhaft für Bus und Bahn gewinnen möchte, braucht deshalb nicht nur ein einfaches Tarifsystem. Er braucht auch eine gewisse Verlässlichkeit beim Preis.
Eine Verkehrswende nach dem Motto „Steig ein, den Preis sagen wir dir nächstes Jahr“ dürfte zumindest erklärungsbedürftig sein.
Pro Bahn: nur noch „zähneknirschend“
Auch beim Fahrgastverband Pro Bahn hält sich die Begeisterung offenbar in Grenzen.
Der Verband würde eine weitere Erhöhung nach der vorliegenden Meldung nur „zähneknirschend“ hinnehmen.
Der Ehrenvorsitzende Neuß fordert stattdessen eine Preissenkung und zieht einen Vergleich mit dem Tankrabatt für Autofahrer.
Die dahinterstehende Botschaft ist unschwer zu erkennen:
Wenn Autofahren politisch finanziell entlastet werden kann, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet das bundesweite ÖPNV-Ticket regelmäßig teurer werden muss.
Der Preis ist allerdings noch nicht beschlossen
Bei aller berechtigten Debatte ist ein Punkt wichtig:
Die knapp 67 Euro stehen nach der vorliegenden Meldung noch nicht endgültig fest.
Die „Rheinische Post“ berichtet über die geplante Größenordnung. Der Koordinierungsrat aus Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und Verkehrsunternehmen soll darüber entscheiden.
Erst nach dieser Entscheidung lässt sich verbindlich sagen, welcher Preis tatsächlich gelten wird.
Aus einem möglichen Preis sollte deshalb noch kein beschlossener gemacht werden.
Das eigentliche Problem ist die Richtung
Vier Euro mehr im Monat werden nicht jeden Nutzer dazu bringen, sein Deutschlandticket zu kündigen.
Doch die Entwicklung besitzt eine politische Symbolwirkung.
Das Deutschlandticket startete mit dem Versprechen, den Tarifdschungel zu vereinfachen und öffentliche Verkehrsmittel attraktiver zu machen.
Wenn aus dem 49-Euro-Angebot innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein Ticket für möglicherweise knapp 67 Euro wird, entsteht zwangsläufig die Frage, wo diese Entwicklung endet.
70 Euro?
75 Euro?
Oder irgendwann ein „Deutschlandticket Premium“, bei dem die pünktliche Bahn separat freigeschaltet werden muss?
Letzteres ist selbstverständlich Satire.
Die bisherige Preisentwicklung leider nicht.
Verkehrswende, aber bitte mit Taschenrechner
Das Deutschlandticket bleibt trotz steigender Preise ein außergewöhnliches Tarifmodell: Ein Ticket ermöglicht die Nutzung des Nahverkehrs in ganz Deutschland und ersetzt für viele Fahrgäste eine Vielzahl regionaler Abonnements.
Gerade deshalb wäre eine langfristig verlässliche Finanzierung wichtig.
Denn wer Menschen dauerhaft zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen möchte, sollte ihnen zumindest ungefähr sagen können, was dieser Umstieg künftig kostet.
Sollte der Preis tatsächlich auf knapp 67 Euro steigen, wäre aus dem ursprünglichen 49-Euro-Ticket innerhalb weniger Jahre ein rund 37 Prozent teureres Angebot geworden.
Die Verkehrswende kommt also voran. Zumindest auf der Rechnung.