Nach einer schweren technischen Panne bei der britischen Flugsicherung müssen Reisende in Großbritannien weiterhin mit Flugausfällen und erheblichen Verspätungen rechnen. Obwohl die eigentliche Störung inzwischen behoben wurde, kämpft der Flugverkehr noch immer mit den Folgen.
Besonders stark betroffen ist London-Heathrow. Nach Angaben des Flugdatendienstes Flightradar24 waren für Mittwochmorgen bereits 177 Flüge gestrichen, fast alle davon am größten britischen Flughafen.
1.300 Flüge an einem Tag gestrichen
Das Ausmaß der Panne war erheblich: Am Dienstag wurden nach Daten von Flightradar24 rund 1.300 Flüge von und zu britischen Flughäfen gestrichen. Hinzu kamen zahlreiche Verspätungen.
Neben Heathrow waren unter anderem Gatwick, Stansted, Manchester und Birmingham betroffen. Die Auswirkungen reichten bis auf das europäische Festland. Auch Verbindungen von deutschen Flughäfen nach London wurden gestrichen.
Was ist passiert?
Auslöser war eine technische Störung beim britischen Flugsicherungsanbieter NATS. Betroffen war das System zur Verarbeitung von Flugdaten.
Die Störung begann am Dienstagmittag. Erst knapp vier Stunden später meldete NATS, dass das technische Problem behoben worden sei. Nach Angaben der Flugsicherung war die Sicherheit des Flugverkehrs während des Vorfalls nicht beeinträchtigt.
Doch die Behebung des Fehlers bedeutet nicht, dass sofort wieder Normalbetrieb herrscht.
Warum das Chaos noch anhält
Im internationalen Flugverkehr reicht eine mehrstündige Störung aus, um Flugpläne weit über den eigentlichen Ausfall hinaus durcheinanderzubringen.
Flugzeuge befinden sich anschließend nicht mehr an den vorgesehenen Flughäfen, Crews fehlen an ihren Einsatzorten und Passagiere müssen auf andere Verbindungen umgebucht werden. Dadurch entstehen weitere Verspätungen und Ausfälle.
NATS selbst bezeichnete die Wiederherstellung des normalen Betriebs als äußerst komplex. Auch British Airways warnte vor erheblichen Folgewirkungen für Passagiere und Mitarbeiter.
Fluggesellschaften üben scharfe Kritik
Der erneute Ausfall hat auch eine Diskussion über die Zuverlässigkeit der britischen Flugsicherung ausgelöst.
Ryanair erklärte, dass rund 150.000 Passagiere von Verspätungen von bis zu acht Stunden betroffen gewesen seien und mehr als 200 Flüge gestrichen wurden. Die Fluggesellschaft forderte als Konsequenz sogar den Rücktritt von NATS-Chef Martin Rolfe. Auch Wizz Air verlangte Reformen.
Die britische Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority erwartet nun einen vollständigen Bericht über den Vorfall und will anschließend prüfen, ob weitere Maßnahmen notwendig sind.
Nicht die erste große Panne
Besonders brisant: Es handelt sich nicht um den ersten größeren technischen Ausfall der britischen Flugsicherung in den vergangenen Jahren.
Bereits frühere Störungen hatten den Flugverkehr erheblich beeinträchtigt. Nach einer früheren Panne waren der Luftfahrtbranche nach Angaben von Airline-Managern Kosten von mehr als 100 Millionen Pfund durch Erstattungen und Entschädigungen entstanden.
Der neuerliche Ausfall dürfte deshalb die Diskussion darüber verschärfen, wie widerstandsfähig die technische Infrastruktur der britischen Flugsicherung tatsächlich ist.
Was Reisende jetzt beachten sollten
Wer am Mittwoch von oder nach Großbritannien fliegt, sollte den Flugstatus unmittelbar bei seiner Airline überprüfen, bevor er sich auf den Weg zum Flughafen macht.
Besonders bei Verbindungen über London-Heathrow sind weiterhin kurzfristige Änderungen möglich.
Auch nachdem das technische Problem selbst gelöst wurde, können die Folgen noch länger spürbar bleiben. Denn nach mehr als tausend gestrichenen Verbindungen müssen Flugzeuge, Crews und Passagiere erst wieder in die regulären Umläufe gebracht werden.