Der Jahresabschluss 2025 der wpd Windpark Hagenbach Beteiligungs GmbH wirft aus Anlegersicht einige Fragen auf. Besonders auffällig: Die Finanzanlagen, die Ende 2024 noch mit 5.000 Euro bilanziert wurden, stehen zum 31. Dezember 2025 nur noch mit einem Euro in den Büchern. Gleichzeitig weist die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von 17.359 Euro aus.
Damit haben die bisherigen Verluste einen erheblichen Teil des Stammkapitals aufgezehrt. Eine unmittelbare wirtschaftliche Schieflage des eigentlichen Windparkprojekts lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Dafür gibt der veröffentlichte Abschluss zu wenig Informationen preis.
Von 5.000 Euro auf einen symbolischen Euro
Die auffälligste Veränderung findet sich beim Anlagevermögen. Ende 2024 waren Finanzanlagen von 5.000 Euro ausgewiesen. Ein Jahr später beträgt der Wert nur noch 1 Euro.
Laut Anhang handelt es sich bei den Finanzanlagen um Anteile an verbundenen Unternehmen. Diese werden grundsätzlich zu Anschaffungskosten bewertet. Soweit erforderlich, wird jedoch ein niedrigerer beizulegender Wert angesetzt.
Die Reduzierung auf einen Euro deutet damit auf eine erhebliche Wertkorrektur der gehaltenen Beteiligung hin. Welcher konkrete wirtschaftliche Vorgang dahintersteht, erläutert der veröffentlichte Jahresabschluss allerdings nicht.
Genau hier liegt aus Anlegersicht der größte Informationsbedarf.
Jahresverlust steigt auf mehr als 17.000 Euro
Auch die Ergebnisentwicklung fällt deutlich negativ aus.
2025 entstand ein Jahresfehlbetrag von 17.359,13 Euro. Im Vorjahr waren es lediglich 2.357,01 Euro.
Der Vergleich muss allerdings relativiert werden: 2024 umfasste lediglich das Rumpfgeschäftsjahr vom 7. Mai bis zum 31. Dezember. Der höhere Verlust 2025 kann daher nicht eins zu eins als operative Verschlechterung interpretiert werden.
Die absolute Größenordnung bleibt dennoch bemerkenswert. Allein der Fehlbetrag 2025 entspricht rund 69 Prozent des Stammkapitals von 25.000 Euro.
Zusammen mit dem Verlustvortrag von 2.357 Euro haben sich rechnerisch bereits Verluste von rund 19.716 Euro angesammelt.
Nur noch 5.284 Euro Eigenkapital
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Eigenkapital.
Zum Jahresende stehen noch 5.283,86 Euro Eigenkapital in der Bilanz. Bezogen auf das gezeichnete Kapital von 25.000 Euro sind damit rechnerisch knapp 79 Prozent des Stammkapitals durch aufgelaufene Verluste aufgezehrt.
Dabei wurde die Kapitalbasis 2025 sogar zunächst gestärkt: Ende 2024 waren erst 12.500 Euro des Stammkapitals eingefordert. Zum Jahresende 2025 ist das vollständige Kapital von 25.000 Euro eingefordert.
Trotz dieser zusätzlichen Einzahlung sank das ausgewiesene Eigenkapital von 10.143 Euro auf nur noch 5.284 Euro.
Das unterstreicht die Bedeutung des hohen Jahresverlustes.
Keine Schulden – aber das allein reicht nicht
Auf der anderen Seite zeigt die Bilanz auch einen wichtigen positiven Aspekt: Die Gesellschaft weist keine Verbindlichkeiten aus.
Das Bankguthaben beträgt 6.685,91 Euro und liegt sogar etwas über den 6.035,49 Euro des Vorjahres. Hinzu kommen lediglich Rückstellungen von rund 1.403 Euro.
Damit besteht auf Ebene dieser Beteiligungs-GmbH keine erkennbare hohe Fremdfinanzierung.
Das Problem liegt also nicht bei Bankkrediten oder einem großen kurzfristigen Schuldenberg. Kritischer ist vielmehr die Frage, warum der Wert der Beteiligung praktisch vollständig verschwunden ist und wodurch der hohe Jahresverlust verursacht wurde.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Verlust und Abschreibung?
Die Zahlen legen eine naheliegende Frage nahe: Hängt der Jahresfehlbetrag von 17.359 Euro mit der Reduzierung der Finanzanlage auf einen Euro zusammen?
Aus dem veröffentlichten Abschluss lässt sich das nicht eindeutig feststellen.
Eine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung, aus der beispielsweise Abschreibungen auf Finanzanlagen separat hervorgehen würden, liegt in den veröffentlichten Angaben nicht vor.
Deshalb sollte nicht behauptet werden, der hohe Verlust sei durch die Wertkorrektur verursacht worden.
Für Anleger wäre eine solche Erläuterung allerdings besonders wichtig.
Was bedeutet der 1-Euro-Wert für das Windparkprojekt?
Auch hier ist Vorsicht bei der Interpretation erforderlich.
Die wpd Windpark Hagenbach Beteiligungs GmbH ist eine Beteiligungsgesellschaft. Ihre Bilanz ist nicht automatisch die Bilanz eines operativen Windparks.
Ein Beteiligungswert von einem Euro bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass Windenergieanlagen im Wert von Millionen Euro abgeschrieben wurden oder ein Windpark wirtschaftlich gescheitert ist.
Möglich ist vielmehr, dass sich die Bewertung einer Projekt- oder Tochtergesellschaft verändert hat.
Welche Gesellschaft konkret gehalten wird, in welchem Entwicklungsstadium sich das Projekt befindet und weshalb der Beteiligungswert reduziert wurde, geht aus dem vorgelegten Jahresabschluss jedoch nicht hervor.
Auffällige Parallele zu Windpark Flothfeld
Bemerkenswert ist zudem die Ähnlichkeit zur wpd Windpark Flothfeld Beteiligungs GmbH.
Auch dort sank der ausgewiesene Wert der Finanzanlagen 2025 von 5.000 Euro auf einen Euro. Gleichzeitig wurde ein Jahresfehlbetrag von rund 16.784 Euro ausgewiesen.
Bei Hagenbach beträgt der Fehlbetrag sogar rund 17.359 Euro.
Die parallele Entwicklung könnte auf vergleichbare Vorgänge innerhalb der jeweiligen Projektstrukturen hindeuten. Aus den einzelnen Jahresabschlüssen allein lässt sich die Ursache jedoch nicht belastbar bestimmen.
Für Anleger wäre deshalb interessant, ob es sich um projektindividuelle Entwicklungen oder um eine systematische gesellschaftsrechtliche beziehungsweise bilanzielle Neuordnung mehrerer Windparkprojekte handelt.
Einbindung in die wpd-Gruppe
Die Gesellschaft wird laut Anhang in den Konzernabschluss der wpd GmbH mit Sitz in Bremen einbezogen.
Geschäftsführer waren im Geschäftsjahr 2025 Dr. Gernot Blanke und Björn Nullmeyer.
Diese Konzernzugehörigkeit ist für die Bewertung wichtig: Die Bilanz einer kleinen Projekt- oder Beteiligungsgesellschaft darf nicht mit der Finanzlage des gesamten wpd-Konzerns gleichgesetzt werden.
Für die Bewertung des konkreten Hagenbach-Projekts wären vielmehr Informationen über die darunterliegende Projektgesellschaft, den Entwicklungsstand, Investitionen, Genehmigungen und die weitere Finanzierung erforderlich.
Was Anleger jetzt wissen möchten
Der Jahresabschluss hinterlässt vor allem drei offene Fragen: Warum wurde die Beteiligung von 5.000 Euro auf einen Euro reduziert? Wodurch entstand der Jahresverlust von 17.359 Euro? Und welche wirtschaftliche Perspektive besitzt das zugrunde liegende Windenergieprojekt noch?
Die Bilanz selbst liefert darauf keine ausreichenden Antworten.
Positiv sind das vorhandene Bankguthaben und das Fehlen von Verbindlichkeiten. Gleichzeitig ist die verbliebene Eigenkapitalbasis mit gut 5.000 Euro inzwischen ausgesprochen klein.
Fazit: Nicht die Schulden, sondern der Beteiligungswert ist das Thema
Die wpd Windpark Hagenbach Beteiligungs GmbH ist Ende 2025 praktisch schuldenfrei und verfügt über knapp 6.700 Euro Liquidität. Auf den ersten Blick spricht das gegen ein klassisches Verschuldungsproblem.
Doch die andere Seite der Bilanz verdient Aufmerksamkeit: Fast 20.000 Euro aufgelaufene Verluste, nur noch rund 5.300 Euro Eigenkapital und eine Finanzanlage mit einem Buchwert von lediglich einem Euro.
Das sind auffällige Zahlen – aber noch kein Beweis für das Scheitern eines Windparkprojekts.