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Nadelöhr des Welthandels fast leer: Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bricht ein

Kati_D (CC0), Pixabay

Auf einer der strategisch wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt herrscht ungewöhnliche Leere. Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran massiv eingebrochen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Tage passierten nur noch rund zehn Frachtschiffe pro Tag die Meerenge – so wenige wie seit Mai nicht mehr.

Die Entwicklung zeigt, wie stark der seit Ende Februar andauernde Krieg und die gegenseitigen Blockademaßnahmen inzwischen die internationale Handelsschifffahrt beeinträchtigen.

Besonders drastisch war die Situation am Samstag: Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler durchquerten lediglich zwei Frachtschiffe die Straße von Hormus. Am Sonntag waren es sechs. Vor Beginn des Konflikts waren täglich noch deutlich mehr als 100 Handelsschiffe auf der Route unterwegs.

Saudi-arabischer Tanker muss umkehren

Wie angespannt die Lage inzwischen ist, zeigt auch der Fall eines Tankers aus Saudi-Arabien.

Nach Tracking-Daten des Finanzmarktdienstes LSEG versuchte das Schiff, die Meerenge zu verlassen, musste jedoch umkehren.

Auch die besonders großen Rohöltanker sind betroffen. Seit Mittwoch soll kein sogenannter Very Large Crude Carrier die Straße von Hormus in Richtung offenes Meer verlassen haben.

Für die Reedereien wird jede Passage damit zunehmend zu einer Abwägung zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Sicherheitsrisiko.

Angriffe auf Tanker verschärfen die Situation

Auslöser für den jüngsten Einbruch des Schiffsverkehrs sind neue militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran.

Die USA griffen zuletzt drei iranische Öltanker an. Nach amerikanischer Darstellung geschah dies als Reaktion auf vorherige iranische Angriffe auf US-Kriegsschiffe.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten anschließend, mehrere Tanker und mit den USA in Verbindung stehende Schiffe angegriffen zu haben.

Damit geraten Handelsschiffe zunehmend unmittelbar zwischen die militärischen Fronten.

Für Reedereien, Versicherer und Besatzungen bedeutet das eine erhebliche Verschärfung des Risikos.

Iran kündigt neue Sperrzone an

Zusätzliche Unsicherheit schafft eine Ankündigung aus Teheran.

Der Iran will nach Angaben des Chefs des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resaei, außerhalb der Straße von Hormus eine neue Sperrzone einrichten.

Diese solle sich bis in Teile des Persischen Golfs erstrecken.

Schiffe, die ohne entsprechende Genehmigung in das Gebiet einfahren, sollen nach iranischer Darstellung auf eine Sanktionsliste gesetzt werden.

Welche konkreten Auswirkungen die angekündigte Zone auf den internationalen Schiffsverkehr haben wird, bleibt zunächst abzuwarten.

Seit Ende Februar ist die Passage massiv eingeschränkt

Die Straße von Hormus ist bereits seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar erheblich beeinträchtigt.

Vor dem Konflikt passierten nach Angaben von Kpler täglich etwa 100 bis 130 Schiffe die Meerenge.

Die Größenordnung macht deutlich, wie weit der gegenwärtige Verkehr vom früheren Normalzustand entfernt ist.

Zeitweise hatte sich die Lage nach einer politischen Annäherung zwischen Washington und Teheran etwas entspannt. Im Juni nahm der Schiffsverkehr vorübergehend wieder zu.

Eine dauerhafte Normalisierung blieb jedoch aus.

Inzwischen haben die erneuten Angriffe die Situation wieder erheblich verschärft.

Hunderte Schiffe sitzen im Persischen Golf fest

Die Folgen reichen weit über einzelne Tanker hinaus.

Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO saßen Ende August noch rund 400 Schiffe mit etwa 6.000 Seeleuten im Persischen Golf fest.

Die IMO hatte seit Kriegsbeginn Dutzende Angriffe auf internationale Schiffe in der Region registriert.

Damit ist aus dem politischen und militärischen Konflikt längst auch eine Krise der internationalen Handelsschifffahrt geworden.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und anschließend mit dem Indischen Ozean.

Für die großen Öl- und Gasproduzenten der Golfregion ist sie damit ein zentraler Zugang zu den Weltmärkten.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain, Irak und Iran liegen entweder direkt am Persischen Golf oder sind für einen erheblichen Teil ihrer Energieexporte auf die Region angewiesen.

Deshalb können Störungen in der Straße von Hormus weit über den Nahen Osten hinaus wirtschaftliche Folgen haben.

Es geht nicht nur um Tanker und ihre Besatzungen.

Es geht um Öl, Flüssiggas, Transportkosten, Versicherungsprämien und letztlich um Energiepreise auf internationalen Märkten.

Reedereien stehen vor schwierigen Entscheidungen

Für die Schifffahrtsunternehmen entsteht dadurch ein Dilemma.

Eine Fahrt durch die Meerenge kann mit erheblichen Risiken verbunden sein. Gleichzeitig lässt sich die Straße von Hormus für viele Transporte nicht einfach auf einer wenige Kilometer entfernten Alternativroute umfahren.

Wer den Persischen Golf auf dem Seeweg verlassen will, muss grundsätzlich durch dieses geografische Nadelöhr.

Genau das unterscheidet Hormus von vielen anderen gefährdeten Handelsrouten.

Die Unternehmen müssen deshalb entscheiden, ob eine Passage unter den jeweiligen Sicherheitsbedingungen vertretbar ist oder ob Schiffe warten.

Tracking-Daten zeigen möglicherweise nicht das vollständige Bild

Bei den aktuellen Zahlen ist allerdings Vorsicht notwendig.

Die Angaben von Kpler beruhen auf beobachtbaren Schiffsbewegungen. Nicht jedes Schiff ist jederzeit über die üblichen Tracking-Systeme sichtbar.

Einzelne Tanker können ihr automatisches Identifikationssystem AIS abschalten oder ihre Positionsdaten anderweitig verschleiern.

Die tatsächliche Zahl der Passagen kann deshalb höher liegen als die unmittelbar sichtbaren Bewegungen vermuten lassen.

Am grundlegenden Befund ändert dies jedoch wenig: Der regulär beobachtbare Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist drastisch zurückgegangen.

Aus einer Wasserstraße wird ein geopolitischer Druckpunkt

Die Krise zeigt erneut die besondere strategische Bedeutung der Straße von Hormus.

Die Meerenge ist nicht nur eine Handelsroute. Sie ist zugleich ein militärischer und geopolitischer Druckpunkt.

Wer die Passage kontrollieren oder erheblich beeinträchtigen kann, besitzt damit Einfluss auf einen wichtigen Teil des internationalen Energiehandels.

Genau deshalb beobachten nicht nur die unmittelbar beteiligten Staaten die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit.

Auch Energieunternehmen, Reedereien, Versicherer und Regierungen außerhalb der Region verfolgen jede neue Eskalation.

Zehn Schiffe statt früher mehr als hundert

Am deutlichsten lässt sich die außergewöhnliche Lage vielleicht mit zwei Zahlen beschreiben.

Vor dem Krieg passierten täglich ungefähr 100 bis 130 Schiffe die Straße von Hormus.

In den vergangenen zehn Tagen waren es nach den von Kpler erfassten Daten durchschnittlich nur noch zehn Frachtschiffe pro Tag.

Das bedeutet nicht, dass der gesamte Warenverkehr vollständig zum Erliegen gekommen ist.

Aber es zeigt, wie weit die wichtigste Seeverbindung des Persischen Golfs inzwischen von einem normalen Betrieb entfernt ist.

Die angekündigte iranische Sperrzone könnte die Unsicherheit zusätzlich erhöhen.

Damit bleibt die Straße von Hormus eines der gefährlichsten Nadelöhre des Welthandels – und eine Wasserstraße, auf der derzeit jede einzelne Passage zu einer politischen und wirtschaftlichen Entscheidung werden kann.

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