US-Präsident Donald Trump hat erneut mit einer möglichen geografischen Umbenennung für Aufsehen gesorgt. Diesmal geht es nicht um einen Golf oder einen See, sondern um einen ganzen Bundesstaat: New Mexico.
Ein von Trump veröffentlichter Beitrag in sozialen Medien legt nahe, dass aus „New Mexico“ künftig „New America“ werden könnte. Auf einer Karte des Bundesstaates war das Wort „Mexico“ durchgestrichen und durch „America“ ersetzt worden.
Ob Trump damit tatsächlich ein konkretes politisches Vorhaben ankündigen wollte oder zunächst eine symbolische Botschaft setzte, blieb offen.
Die Reaktion aus New Mexico ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten.
Gouverneurin: „Der Name New Mexico steht nicht zur Debatte“
Die demokratische Gouverneurin Michelle Lujan Grisham widersprach dem Präsidenten umgehend.
Sie stellte klar, dass der Name ihres Bundesstaates nicht zur Disposition stehe, und verwies auf dessen lange Geschichte. New Mexico habe seinen Namen bereits getragen, bevor die Vereinigten Staaten überhaupt gegründet worden seien.
Damit wird aus einem zunächst ungewöhnlich wirkenden Social-Media-Post schnell eine politische Auseinandersetzung um Geschichte, Identität und die Frage, wie weit ein Präsident bei geografischen Namensänderungen überhaupt gehen kann.
Der Name ist älter als die Vereinigten Staaten
Tatsächlich reicht die Bezeichnung „New Mexico“ weit in die spanische Kolonialgeschichte Nordamerikas zurück.
Das Gebiet gehörte lange zu Neuspanien und später zu Mexiko, bevor es Mitte des 19. Jahrhunderts infolge des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten gelangte.
Als Bundesstaat gehört New Mexico erst seit 1912 zur Union.
Der Name ist damit wesentlich älter als sein Status als US-Bundesstaat.
Gerade deshalb besitzt die Bezeichnung für viele Einwohner eine historische und kulturelle Bedeutung, die weit über einen modernen Verwaltungsnamen hinausgeht.
„Nuevo México“ als bewusste Antwort
Lujan Grisham reagierte auf Trump nicht nur mit einer Zurückweisung.
Sie bezeichnete ihren Bundesstaat in ihrer Antwort demonstrativ auch mit dem spanischen Namen „Nuevo México“.
Das dürfte kein Zufall gewesen sein.
New Mexico ist stark durch spanische, mexikanische und indigene Geschichte geprägt. Spanischsprachige Kultur gehört seit Jahrhunderten zur Identität der Region.
Die Gouverneurin setzte Trumps „New America“ damit demonstrativ einen Namen entgegen, der genau jene historische Verbindung hervorhebt, die durch die vorgeschlagene Änderung verschwinden würde.
Gouverneurin wirft Trump Ablenkung vor
Lujan Grisham beließ es nicht bei der historischen Argumentation.
Sie warf Trump vor, mit der Debatte über den Namen von anderen politischen Problemen abzulenken.
Nach ihrer Darstellung beschäftige sich das Weiße Haus mit dem Umzeichnen von Landkarten, während ihre Regierung in New Mexico an konkreten politischen Projekten arbeite.
Zu den von ihr genannten Themen gehören Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung.
Die Behauptung, Trump wolle mit der Namensdebatte gezielt von anderen Themen ablenken, ist dabei eine politische Bewertung der demokratischen Gouverneurin – kein belegter Beweggrund des Präsidenten.
Trump hat bereits geografische Namen geändert
Dass die Idee nicht völlig aus dem Nichts kommt, zeigt Trumps bisheriger Umgang mit geografischen Bezeichnungen.
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat der Präsident mehrfach versucht, Namen auf amerikanischen Karten zu verändern.
Besonders bekannt wurde die Umbenennung des „Gulf of Mexico“ in „Gulf of America“ für den offiziellen Gebrauch durch US-Bundesbehörden.
Auch beim Ontariosee griff Trump das Thema auf und führte im US-Namensverzeichnis die Bezeichnung „Lake America“ ein.
Kanada akzeptiert diese Bezeichnung allerdings nicht und verwendet weiterhin den traditionellen Namen.
Die unterschiedlichen Bezeichnungen zeigen ein grundsätzliches Problem solcher Entscheidungen: Ein Staat kann festlegen, welche Namen seine eigenen Behörden verwenden. Damit ändert er aber nicht zwangsläufig die international gebräuchliche Bezeichnung eines geografischen Ortes.
Ein Bundesstaat ist etwas anderes als ein See
Bei New Mexico wäre die Situation noch einmal grundlegend anders.
Hier geht es nicht lediglich um die Bezeichnung eines geografischen Gewässers in amtlichen Dokumenten.
New Mexico ist einer der 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten.
Sein Name taucht in der Verfassung des Bundesstaates, in Gesetzen, Behördenbezeichnungen, Verträgen, Gerichtsunterlagen und zahllosen weiteren Rechts- und Verwaltungsdokumenten auf.
Eine tatsächliche Änderung wäre deshalb weit mehr als der Austausch eines Namens auf einer Landkarte.
Aus einem Social-Media-Post allein folgt noch keine rechtswirksame Umbenennung.
Symbolpolitik mit enormer Aufmerksamkeit
Politisch funktioniert die Botschaft allerdings schon jetzt.
Mit einem einzigen Bild hat Trump eine Debatte ausgelöst, die weit über New Mexico hinaus Aufmerksamkeit bekommt.
„New Mexico“ gegen „New America“ lässt sich in Sekunden verstehen.
Die Botschaft ist kurz, provokant und für soziale Netzwerke geradezu maßgeschneidert.
Gleichzeitig berührt sie eine viel grundsätzlichere Frage: Wie definiert sich amerikanische Identität in einem Land, dessen heutige Grenzen und Ortsnamen aus spanischer, französischer, britischer, mexikanischer und indigener Geschichte hervorgegangen sind?
Für New Mexico geht es um mehr als zwei Wörter
Gerade deshalb dürfte die Reaktion aus Santa Fe so deutlich ausgefallen sein.
Für die Einwohner des Bundesstaates ist „New Mexico“ nicht einfach eine geografische Bezeichnung.
Der Name ist Teil einer jahrhundertealten Geschichte.
Das heutige New Mexico wurde von indigenen Kulturen, der spanischen Kolonisation, Mexiko und schließlich den Vereinigten Staaten geprägt.
Eine Umbenennung in „New America“ wäre deshalb nicht nur eine sprachliche Änderung.
Sie würde zwangsläufig eine Debatte darüber auslösen, welcher Teil dieser Geschichte im Namen des Bundesstaates sichtbar bleiben soll.
Aber will Trump die Umbenennung tatsächlich durchsetzen?
Genau hier ist Zurückhaltung angebracht.
Aus dem bislang bekannten Social-Media-Beitrag lässt sich eine Namensidee beziehungsweise Andeutung ableiten.
Das ist jedoch etwas anderes als ein formal ausgearbeiteter Plan zur rechtswirksamen Umbenennung des Bundesstaates.
Bislang steht deshalb vor allem die politische Botschaft im Mittelpunkt.
Trump hat eine Karte veröffentlicht, auf der „Mexico“ gestrichen und durch „America“ ersetzt wurde.
Die Gouverneurin hat geantwortet: Der Name bleibt.
Damit ist die politische Auseinandersetzung eröffnet – die formale Umbenennung aber keineswegs vollzogen.
„New America“ gegen „Nuevo México“
Fast symbolisch stehen sich damit zwei Bezeichnungen gegenüber.
Auf der einen Seite Trumps „New America“.
Auf der anderen Seite Lujan Grishams demonstratives „Nuevo México“.
Dahinter verbergen sich unterschiedliche politische Botschaften über nationale Identität, Geschichte und den Umgang mit dem spanisch-mexikanischen Erbe des amerikanischen Südwestens.
Ob Trump aus seinem Social-Media-Post tatsächlich ein konkretes politisches Vorhaben entwickelt, bleibt abzuwarten.