Für die LIFE IS PAIN GmbH aus Waldshut-Tiengen wird es kein reguläres Insolvenzverfahren geben. Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen hat den von der Gesellschaft selbst gestellten Insolvenzantrag am 1. September 2026 mangels Masse abgewiesen.
Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 4 IN 22/26 geführt. Geschäftsanschrift der Gesellschaft ist Gaisbergweg 40, 79761 Waldshut-Tiengen. Die LIFE IS PAIN GmbH ist beim Amtsgericht Freiburg unter HRB 728137 eingetragen. Geschäftsführer ist der Unternehmensgründer Mazlum Celik.
Die Abweisung mangels Masse ist wirtschaftlich besonders einschneidend: Nach Einschätzung des Insolvenzgerichts reicht das vorhandene Vermögen voraussichtlich nicht einmal aus, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu decken.
Vom eigenen Modelabel zur LIFE IS PAIN GmbH
Hinter der Gesellschaft steht die Modemarke LIFEISPAIN, die bereits vor Gründung der GmbH existierte.
Nach den Unternehmensangaben gründete Mazlum Celik das ursprüngliche Gewerbe LIFEISPAIN im Jahr 2022. Die später gegründete GmbH übernahm diese Geschäftstätigkeit.
Der Gesellschaftsvertrag der LIFE IS PAIN GmbH datiert vom 21. Dezember 2022. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgte am 24. Januar 2023.
Das ursprüngliche Stammkapital betrug 25.000 Euro. Bereits wenige Monate später wurde es auf 25.001 Euro erhöht.
Mazlum Celik ist seit der Gründung alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer.
Tatsächlich betrieb das Unternehmen ein eigenes Fashionlabel
Anders als bei zahlreichen Gesellschaften mit sehr weit formuliertem Unternehmensgegenstand lässt sich bei LIFE IS PAIN die tatsächliche operative Tätigkeit deutlich nachvollziehen.
Das Unternehmen betrieb unter der Marke LIFEISPAIN einen eigenen Onlineshop und vertrieb dort insbesondere moderne Streetwear und Fashionartikel.
Zum Sortiment gehörten unter anderem Jeans, Hosen, T-Shirts, Longsleeves, Hoodies, Pullover, Jacken, Tops, Shorts, Caps und weitere Accessoires.
Dabei handelte es sich nicht lediglich um einen allgemeinen Textilhändler. LIFEISPAIN trat nach außen als eigenständige Modemarke mit eigenen Kollektionen, Produktbezeichnungen und einem deutlich auf jüngere Käufer ausgerichteten Markenauftritt auf.
Kollektionen wurden beispielsweise unter Bezeichnungen wie „TRUST ISSUES“, „ZEITGEIST“, „SPRING SUMMER“ und „FALL/WINTER“ vermarktet.
Jeans für mehr als 100 Euro, Jacken für über 200 Euro
Preislich bewegte sich LIFEISPAIN nicht im klassischen Billigsegment.
T-Shirts wurden beispielsweise für rund 40 bis 55 Euro angeboten, Longsleeves für rund 65 bis 70 Euro und Pullover für etwa 80 Euro.
Jeans lagen vielfach zwischen rund 95 und 130 Euro. Jacken wurden teilweise für deutlich mehr als 200 Euro angeboten. Eine vegane Lederjacke war beispielsweise mit knapp 260 Euro ausgezeichnet.
Damit positionierte sich die Marke preislich deutlich oberhalb klassischer günstiger Fast-Fashion-Anbieter.
Der Schwerpunkt des Sortiments lag erkennbar auf auffälliger, trend- und streetwearorientierter Mode mit weiten Jeans, speziellen Schnitten und einem eigenen Markenauftritt.
Nachhaltigkeit war Teil des Markenimages
LIFEISPAIN verband sein Modegeschäft zugleich mit einem Nachhaltigkeitsversprechen.
Das Unternehmen warb damit, für jedes verkaufte Produkt einen Baum pflanzen zu lassen. Nach Angaben des Shops arbeitete LIFEISPAIN dafür mit einer Organisation zusammen, die entsprechende Aufforstungsprojekte umsetzt.
Mazlum Celik begründete diese Initiative mit seiner persönlichen Verbindung zur Natur und seiner Kindheit in unmittelbarer Nähe eines Waldes.
Für die Aufforstung wurde insbesondere ein Projekt in Ghana genannt. Auf der Internetseite warb LIFEISPAIN zuletzt damit, bereits mehr als 63.000 Bäume gepflanzt zu haben.
Das ökologische Engagement wurde damit zu einem Bestandteil des Markenauftritts und sollte das Fashionlabel von klassischen Bekleidungsanbietern unterscheiden.
Partys und Promotion gehörten ebenfalls zum Konzept
Der Unternehmensgegenstand beschränkte sich bewusst nicht auf den Verkauf von Kleidung.
Die LIFE IS PAIN GmbH durfte zusätzlich Partyevents und Promotionsveranstaltungen organisieren und durchführen, sofern diese mit dem Textil- und Modegeschäft in Zusammenhang standen.
Damit konnte das Unternehmen die Modemarke nicht nur über den klassischen Onlinehandel, sondern auch über Veranstaltungen und Events vermarkten.
Das Geschäftsmodell verband somit Mode, Streetwear, Lifestyle, Onlinehandel und Eventmarketing.
Onlineshop ist weiterhin erreichbar
Auffällig ist, dass der Onlineshop der Marke auch Anfang September 2026 weiterhin erreichbar ist und zahlreiche Produkte präsentiert.
Dort werden beispielsweise T-Shirts, Jeans, Shorts, Pullover und Jacken mit Preisen und teilweise mit dem Hinweis „auf Lager“ sowie kurzen Lieferzeiten angeboten.
Allein daraus lässt sich allerdings nicht sicher ableiten, ob Bestellungen nach der Abweisung des Insolvenzantrags weiterhin regulär bearbeitet und ausgeliefert werden. Ein erreichbarer Onlineshop bedeutet nicht zwangsläufig, dass der dahinterstehende Geschäftsbetrieb unverändert fortgeführt wird.
Gerade nach einer Abweisung des Insolvenzantrags mangels Masse sollten Kunden deshalb bei Bestellungen und insbesondere bei Vorauszahlungen berücksichtigen, dass die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft erheblich beeinträchtigt ist.
Jahresabschluss für 2023 veröffentlicht
Für die LIFE IS PAIN GmbH ist ein Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2023 hinterlegt worden. Öffentlich frei zugängliche detaillierte Finanzkennzahlen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft sind allerdings nur eingeschränkt verfügbar.
Damit lässt sich anhand der verfügbaren Informationen nicht seriös feststellen, wann die finanziellen Probleme begannen oder welche konkreten Ursachen letztlich zur Insolvenzreife führten.
Insbesondere liegen keine ausreichenden öffentlichen Informationen darüber vor, ob rückläufige Umsätze, hohe Warenbestände, Kosten des Onlinehandels, Marketingaufwendungen, Forderungen von Lieferanten oder andere wirtschaftliche Faktoren für die Insolvenz ausschlaggebend waren.
Fest steht lediglich, dass die finanzielle Situation schließlich so gravierend war, dass die Gesellschaft selbst einen Insolvenzantrag stellte.
Unternehmen stellte selbst Insolvenzantrag
Anders als bei einem Gläubigerantrag ging die Initiative hier ausdrücklich von der LIFE IS PAIN GmbH selbst aus.
In der gerichtlichen Entscheidung heißt es, dass der Antrag der Schuldnerin auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen abgewiesen wird.
Damit hatte die Geschäftsführung die Insolvenz selbst beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen beantragt.
Das Gericht kam anschließend zu dem Ergebnis, dass nicht genügend Insolvenzmasse vorhanden ist, um ein reguläres Verfahren durchzuführen.
Was „Abweisung mangels Masse“ bedeutet
Die Entscheidung ist nicht mit einer gewöhnlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu verwechseln.
Bei einem eröffneten Insolvenzverfahren ist zumindest genügend Vermögen vorhanden beziehungsweise ein ausreichender Kostenvorschuss geleistet worden, um die Verfahrenskosten zu finanzieren.
Bei der LIFE IS PAIN GmbH ist dies nach der gerichtlichen Prüfung nicht der Fall.
Die vorhandene Insolvenzmasse reicht voraussichtlich nicht einmal zur Deckung der Kosten des Insolvenzverfahrens. Deshalb wurde die Verfahrenseröffnung mangels Masse abgewiesen.
Für eine GmbH hat eine rechtskräftige Abweisung des Insolvenzantrags mangels Masse regelmäßig weitreichende gesellschaftsrechtliche Konsequenzen. Die Gesellschaft wird grundsätzlich aufgelöst und ihre Löschung aus dem Handelsregister kann im weiteren Verlauf folgen.
Vom jungen Streetwear-Label zur Insolvenz in wenigen Jahren
Bemerkenswert ist vor allem die kurze Unternehmensgeschichte.
Das zugrunde liegende Modelabel entstand nach Unternehmensangaben erst 2022. Ende desselben Jahres wurde die GmbH gegründet und im Januar 2023 in das Handelsregister eingetragen.
Nur rund dreieinhalb Jahre nach der Eintragung reichte das Vermögen der Gesellschaft nicht mehr aus, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu decken.
Damit endet zumindest für die LIFE IS PAIN GmbH die Geschichte eines jungen Fashionunternehmens, das sich mit eigenem Onlineshop, Streetwear-Kollektionen, Lifestyle-Marketing, Veranstaltungen und einem Nachhaltigkeitsversprechen am Modemarkt positioniert hatte.
Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen hat den Eigenantrag der LIFE IS PAIN GmbH, Gaisbergweg 40, 79761 Waldshut-Tiengen, am 1. September 2026 mangels Masse abgewiesen. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 4 IN 22/26 geführt.