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Italien schrumpft dramatisch: Fast vier Millionen Einwohner weniger bis 2050 – langfristig droht ein massiver demografischer Umbruch

mcmurryjulie (CC0), Pixabay

Italien steht vor einer tiefgreifenden demografischen Veränderung. Nach aktuellen Prognosen des italienischen Statistikamtes Istat dürfte die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten deutlich zurückgehen. Von derzeit rund 58,9 Millionen Einwohnern könnte die Zahl bis 2050 auf nur noch etwa 55 Millionen sinken. Bis 2080 wird sogar ein Rückgang auf lediglich 45,8 Millionen Menschen erwartet.

Sollte sich dieses mittlere Szenario bewahrheiten, würde Italien bis 2050 innerhalb weniger Jahrzehnte fast vier Millionen Einwohner verlieren. Langfristig fällt die Veränderung noch wesentlich drastischer aus: Gegenüber dem heutigen Niveau entspräche eine Bevölkerung von 45,8 Millionen einem Rückgang um mehr als 13 Millionen Menschen beziehungsweise rund 22 Prozent.

Die Entwicklung kommt allerdings nicht überraschend. Schon heute schrumpft Italiens Bevölkerung leicht. Ende 2024 lebten nach offiziellen Istat-Daten 58.943.464 Menschen im Land – rund 27.800 weniger als ein Jahr zuvor. Besonders stark war der Rückgang im Süden und auf den Inseln, während Teile Norditaliens noch Bevölkerungszuwächse verzeichneten.

Immer weniger Geburten treffen auf immer mehr Sterbefälle

Hauptursache der langfristigen Entwicklung ist die sogenannte negative natürliche Bevölkerungsbilanz. Vereinfacht bedeutet das: In Italien sterben mehr Menschen, als Kinder geboren werden.

Dieser Effekt könnte sich über Jahrzehnte selbst verstärken. Bleiben Geburtenzahlen dauerhaft niedrig, gibt es später nicht nur weniger Kinder, sondern auch weniger Frauen und Männer in den Altersgruppen, in denen normalerweise Familien gegründet werden.

Migration kann den Bevölkerungsrückgang zwar abschwächen. Schon heute trägt die ausländische Bevölkerung dazu bei, den Rückgang zu begrenzen. Ende 2024 lebten laut Istat rund 5,37 Millionen ausländische Staatsangehörige in Italien. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag bei 9,1 Prozent.

Sie kann die grundlegende Altersverschiebung nach den derzeitigen Projektionen jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Italien wird nicht nur kleiner – sondern vor allem älter

Für Wirtschaft und Sozialstaat ist deshalb nicht allein die sinkende Einwohnerzahl entscheidend. Noch bedeutender könnte die Veränderung der Altersstruktur werden.

Bereits frühere Istat-Projektionen zeigen die Dimension. Damals waren rund 24 Prozent der italienischen Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt, während lediglich 12,4 Prozent jünger als 15 Jahre waren. Das Durchschnittsalter lag bei 46,4 Jahren. Bis 2050 könnte es im mittleren Szenario auf rund 50,8 Jahre steigen.

Das bedeutet: Italien verliert nicht einfach Einwohner. Das Verhältnis zwischen jüngeren, erwerbstätigen und älteren Menschen verschiebt sich gleichzeitig erheblich.

Und genau darin liegt die größere wirtschaftliche Herausforderung.

Arbeitsmarkt könnte immer stärker unter Druck geraten

Wenn weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, während geburtenstarke Generationen ausscheiden, kann sich der bereits bestehende Fach- und Arbeitskräftemangel verschärfen.

Unternehmen könnten Schwierigkeiten bekommen, freie Stellen zu besetzen. Besonders betroffen wären möglicherweise Branchen, die ohnehin mit Nachwuchsproblemen kämpfen.

Für die italienische Wirtschaft entsteht damit ein strukturelles Problem: Wirtschaftswachstum muss künftig mit einer tendenziell kleineren Erwerbsbevölkerung erwirtschaftet werden.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Wirtschaftsleistung im gleichen Verhältnis wie die Bevölkerung sinken muss. Höhere Produktivität, Automatisierung, eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen sowie Zuwanderung können einen Teil der demografischen Belastung kompensieren.

Aber dafür wären entsprechende politische und wirtschaftliche Anpassungen erforderlich.

Rentensystem vor einer schwierigen Belastungsprobe

Besonders sensibel ist die Entwicklung für die sozialen Sicherungssysteme.

Wenn der Anteil älterer Menschen steigt und gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen stagniert oder sinkt, müssen perspektivisch weniger Beschäftigte die wirtschaftliche Grundlage für Renten, Gesundheitsversorgung und Pflege einer größeren älteren Bevölkerung erwirtschaften.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, dass Italien Einwohner verliert. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern.

Auch die Gesundheits- und Pflegeversorgung dürfte stärker beansprucht werden. Eine ältere Bevölkerung benötigt tendenziell mehr medizinische und pflegerische Leistungen.

Der Süden könnte besonders betroffen sein

Hinzu kommen enorme regionale Unterschiede. Bereits die aktuellen Bevölkerungsdaten zeigen, dass der Rückgang nicht gleichmäßig über Italien verteilt ist.

Während Nordwest- und Nordostitalien Ende 2024 noch leichte Bevölkerungszuwächse verzeichneten, ging die Einwohnerzahl im Süden um 2,5 Promille und auf den Inseln um 2,8 Promille zurück. Besonders stark war die Abnahme in der Basilikata mit 6,1 Promille.

Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte sich die wirtschaftliche Kluft zwischen einzelnen Regionen weiter verschärfen.

In strukturschwachen ländlichen Gebieten entsteht zudem ein Kreislauf: Junge Menschen ziehen wegen Ausbildung und Arbeit weg. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Geschäften, Schulen und Dienstleistungen. Werden Angebote anschließend reduziert, verliert die Region wiederum an Attraktivität für Familien und Unternehmen.

Schulen, Wohnungen und Infrastruktur müssen neu gedacht werden

Eine schrumpfende Bevölkerung verändert langfristig nahezu alle Bereiche der öffentlichen Planung.

Wo deutlich weniger Kinder leben, werden weniger Schulen und Kindergärten benötigt. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Pflegeeinrichtungen, medizinischer Versorgung und altersgerechten Wohnungen.

Auch für den Immobilienmarkt kann die Entwicklung erhebliche Folgen haben. Allerdings wäre es falsch, daraus einen generellen Preisverfall für italienische Immobilien abzuleiten.

In wirtschaftlich starken Städten und touristisch attraktiven Regionen kann die Nachfrage trotz sinkender Gesamtbevölkerung hoch bleiben. In ländlichen und strukturschwachen Gebieten könnte dagegen ein zunehmendes Überangebot an Wohnraum entstehen.

Die demografische Entwicklung dürfte Italien deshalb regional sehr unterschiedlich treffen.

Prognose ist kein unabänderliches Schicksal

Die Zahlen bis 2050 und insbesondere bis 2080 sollten dennoch nicht als exakte Vorhersage verstanden werden. Bevölkerungsprojektionen beruhen auf Annahmen darüber, wie sich Geburten, Lebenserwartung und Migration entwickeln.

Über mehrere Jahrzehnte können sich diese Faktoren erheblich verändern.

Politische Maßnahmen zur Familienförderung, Kinderbetreuung und besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnten beispielsweise Einfluss auf die Geburtenentwicklung haben. Ebenso kann eine stärkere Zuwanderung den Bevölkerungsrückgang abschwächen.

Die Größenordnung der Istat-Projektionen zeigt allerdings, wie schwierig eine schnelle Trendwende wäre. Italiens demografische Entwicklung wird stark von seiner bereits vorhandenen Altersstruktur bestimmt. Schon frühere Istat-Berechnungen kamen zu dem Ergebnis, dass die künftige Entwicklung zu einem großen Teil durch dieses bestehende Ungleichgewicht zwischen jungen und älteren Generationen geprägt wird.

Italiens eigentliches Problem ist größer als die Einwohnerzahl

Die Schlagzeile von fast vier Millionen weniger Einwohnern bis 2050 ist spektakulär. Wirtschaftlich betrachtet ist aber eine andere Zahl möglicherweise wichtiger: Wie viele Menschen im erwerbsfähigen Alter stehen künftig wie vielen älteren Menschen gegenüber?

Genau diese Verschiebung könnte Italien in den kommenden Jahrzehnten vor enorme Herausforderungen stellen.

Das Land muss möglicherweise gleichzeitig seine Renten und Gesundheitsversorgung finanzieren, Arbeitskräfte sichern, strukturschwache Regionen stabilisieren und Bedingungen schaffen, unter denen wieder mehr Familien Kinder bekommen.

Bis 2050 könnte Italien nach den aktuellen Projektionen auf etwa 55 Millionen Einwohner schrumpfen. Bis 2080 wären es nur noch 45,8 Millionen. Sollte die Entwicklung tatsächlich in diese Richtung verlaufen, wäre das weit mehr als ein statistischer Bevölkerungsrückgang.

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