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EU verschärft Regeln für ChatGPT, Reddit und Roblox – Kinder- und Jugendschutz rückt in den Mittelpunkt

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Für ChatGPT, Reddit und Roblox gelten in der Europäischen Union künftig deutlich strengere Vorgaben. Die EU-Kommission hat die drei Dienste am 31. August 2026 offiziell unter die schärfsten Regeln des europäischen Digital Services Act gestellt.

Der Grund ist ihre enorme Reichweite.

Alle drei Anbieter haben gegenüber der EU angegeben, im Durchschnitt mindestens 45 Millionen monatlich aktive Nutzer in der Europäischen Union zu erreichen. Damit überschreiten sie die gesetzliche Schwelle, ab der ein Dienst als besonders groß und gesellschaftlich relevant eingestuft werden kann.

ChatGPT wird dabei als Very Large Online Search Engine, kurz VLOSE, eingestuft.

Reddit und Roblox gelten dagegen als Very Large Online Platforms, also VLOPs.

Damit geraten die Dienste künftig unter eine wesentlich intensivere Aufsicht der Europäischen Kommission.

Strengere Regeln gelten nicht vollständig sofort

Die neue Einstufung gilt seit dem 31. August 2026.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche zusätzlichen Pflichten bereits an diesem Tag vollständig erfüllt sein müssen.

Nach Angaben der EU-Kommission haben ChatGPT, Reddit und Roblox nach ihrer offiziellen Benennung vier Monate Zeit, um die zusätzlichen Vorgaben des Digital Services Act umzusetzen.

Die Frist läuft damit bis Ende November 2026.

Erst dann müssen sie sämtliche zusätzlichen Verpflichtungen erfüllen, die speziell für sehr große Plattformen und Suchmaschinen vorgesehen sind.

Die Formulierung, strengere Regeln würden „ab sofort“ vollständig gelten, ist deshalb verkürzt.

Richtig ist: Die Einstufung gilt jetzt, die vollständigen zusätzlichen Compliance-Pflichten müssen innerhalb von vier Monaten umgesetzt werden.

ChatGPT überschreitet die 45-Millionen-Schwelle

Die Einstufung von ChatGPT ist besonders bemerkenswert.

Der Dienst von OpenAI wird von der Europäischen Kommission nicht als klassische soziale Plattform, sondern als sehr große Online-Suchmaschine behandelt.

Nach Angaben der Kommission hat ChatGPT selbst gemeldet, in der EU mindestens die für eine Einstufung erforderlichen 45 Millionen durchschnittlichen monatlichen Nutzer zu erreichen.

Damit erreicht der KI-Dienst eine regulatorische Größenordnung, die bislang vor allem mit großen Suchmaschinen und sozialen Netzwerken verbunden wurde.

Die EU begründet diese strengere Regulierung nicht allein mit der Nutzerzahl.

Entscheidend ist auch die potenzielle gesellschaftliche Wirkung sehr großer digitaler Dienste.

Kinder- und Jugendschutz wird wichtiger

Ein zentraler Bereich der zusätzlichen Pflichten betrifft Minderjährige.

Sehr große Plattformen und Suchmaschinen müssen systematisch untersuchen, welche Risiken ihre Dienste für Kinder und Jugendliche verursachen können.

Dazu gehören beispielsweise mögliche negative Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit, die Konfrontation mit schädlichen Inhalten sowie Risiken für die Rechte von Kindern.

Die Dienste müssen diese Risiken nicht nur beschreiben.

Sie müssen auch konkrete Maßnahmen entwickeln, um sie zu verringern.

Je nach Dienst kann das Veränderungen am Design, an Empfehlungssystemen, an Sicherheitseinstellungen oder an internen Kontrollmechanismen bedeuten.

Welche konkreten Änderungen ChatGPT, Reddit und Roblox infolge der neuen Einstufung jeweils vornehmen werden, hat die Kommission mit der Benennung noch nicht festgelegt.

Nicht nur Jugendschutz

Die neue Regulierung geht allerdings weit über Kinder und Jugendliche hinaus.

Sehr große Plattformen und Suchmaschinen müssen regelmäßig sogenannte systemische Risiken untersuchen.

Die EU nennt dabei unter anderem die Verbreitung illegaler Inhalte, Risiken für Grundrechte, Auswirkungen auf Wahlprozesse und öffentliche Sicherheit sowie Gefahren für die körperliche und psychische Gesundheit von Nutzern.

Auch Diskriminierung, Verbraucherschutz und geschlechtsspezifische Gewalt können bei solchen Risikobewertungen eine Rolle spielen.

Die Anbieter müssen der Kommission anschließend darlegen, wie sie mit identifizierten Risiken umgehen.

Algorithmen geraten stärker unter Kontrolle

Besonders relevant sind die Regeln für algorithmische Systeme.

Sehr große Dienste müssen untersuchen, ob ihre Algorithmen bestimmte Risiken verstärken oder problematische Inhalte fördern.

Das betrifft beispielsweise Empfehlungssysteme, Rankingmechanismen und andere automatisierte Systeme, die bestimmen, welche Inhalte Nutzer sehen.

Die EU kann dabei auch Informationen über Algorithmen und interne Systeme verlangen.

Ziel ist es, nachvollziehen zu können, ob bestimmte technische Mechanismen zur Verbreitung illegaler oder gesellschaftlich problematischer Inhalte beitragen.

Für ChatGPT dürfte besonders interessant sein, wie die Kommission diese Vorgaben auf einen generativen KI-Dienst und dessen Suchfunktionen anwendet.

Jährliche unabhängige Prüfungen

Mit der neuen Einstufung kommt eine weitere erhebliche Verpflichtung hinzu.

ChatGPT, Reddit und Roblox müssen sich künftig mindestens einmal jährlich durch einen unabhängigen Prüfer kontrollieren lassen.

Diese Audits sollen untersuchen, ob die Anbieter ihre Verpflichtungen nach dem Digital Services Act einhalten.

Werden dabei Defizite festgestellt, müssen die Unternehmen auf die Empfehlungen reagieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Auch die Ergebnisse der Risikobewertungen, Maßnahmen zur Risikominderung und die Auditberichte müssen regelmäßig veröffentlicht werden.

Damit soll die Öffentlichkeit stärker nachvollziehen können, wie große Plattformen mit ihren gesellschaftlichen Risiken umgehen.

Forscher können Zugang zu Plattformdaten erhalten

Auch Wissenschaftler erhalten stärkere Möglichkeiten zur Kontrolle.

Als VLOP beziehungsweise VLOSE müssen die Unternehmen qualifizierten und entsprechend zugelassenen Forschern unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu Plattformdaten gewähren.

Damit sollen Forscher beispielsweise untersuchen können, wie sich algorithmische Systeme auf Nutzer auswirken oder welche Risiken auf einer Plattform entstehen.

Gerade bei ChatGPT könnte diese Regel künftig eine besondere Rolle spielen.

Denn unabhängige Forscher könnten dadurch bessere Möglichkeiten bekommen, systemische Risiken eines sehr großen KI-Dienstes zu untersuchen.

Wie weit dieser Datenzugang konkret reichen wird, hängt allerdings von den gesetzlichen Voraussetzungen und den jeweiligen Forschungsanträgen ab.

Interne Kontrollstelle wird Pflicht

Sehr große Plattformen und Suchmaschinen müssen außerdem eine interne Compliance-Funktion einrichten.

Diese soll überwachen, ob identifizierte Risiken tatsächlich reduziert und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Damit soll verhindert werden, dass Risikobewertungen lediglich auf dem Papier existieren.

Die Ergebnisse müssen vielmehr in konkrete organisatorische und technische Maßnahmen übersetzt werden.

Reddit und Roblox ebenfalls betroffen

Neben ChatGPT trifft die Entscheidung zwei sehr unterschiedliche Dienste.

Reddit gehört zu den größten Online-Diskussionsplattformen der Welt.

Roblox ist dagegen vor allem als Spiele- und Kreativplattform bekannt und wird besonders intensiv von Kindern und Jugendlichen genutzt.

Beide Dienste werden nun als Very Large Online Platforms eingestuft.

Gerade bei Roblox dürfte der Schutz Minderjähriger deshalb besonders stark im Fokus der europäischen Aufsicht stehen.

Doch auch Reddit muss Risiken für Minderjährige, Grundrechte, illegale Inhalte und andere gesellschaftliche Auswirkungen systematisch analysieren.

Werbung an Minderjährige ist besonders reguliert

Der Digital Services Act enthält bereits besondere Schutzbestimmungen für Kinder.

Online-Plattformen dürfen Minderjährigen beispielsweise keine Werbung anzeigen, die auf Profiling basiert.

Außerdem sollen Dienste, die von Kindern genutzt werden, besonders hohe Standards bei Privatsphäre, Sicherheit und Schutz anwenden.

Für sehr große Plattformen kommen zusätzliche systemische Risikoprüfungen hinzu.

Die neue Einstufung verstärkt damit den regulatorischen Druck auf Anbieter, die von jungen Menschen besonders intensiv genutzt werden.

Auch psychische Gesundheit wird zum Regulierungsthema

Bemerkenswert ist, wie breit der europäische Gesetzgeber die Risiken definiert.

Es geht nicht ausschließlich um illegale Inhalte oder klassische Cyberkriminalität.

Die Unternehmen müssen auch untersuchen, ob ihre Dienste negative Auswirkungen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden von Nutzern haben können.

Dazu können beispielsweise besonders problematische Nutzungsmuster oder bestimmte algorithmische Verstärkungseffekte gehören.

Der Digital Services Act macht damit auch die Gestaltung digitaler Produkte selbst zum Gegenstand regulatorischer Kontrolle.

Die EU kann tief in die Systeme schauen

Die Europäische Kommission erhält bei sehr großen Plattformen weitreichende Untersuchungsbefugnisse.

Sie kann Informationen verlangen und unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu Daten und algorithmischen Systemen anordnen.

Damit kann die Behörde beispielsweise untersuchen, wie Empfehlungssysteme funktionieren oder ob ein Anbieter seine gesetzlichen Risikopflichten erfüllt.

Die bloße Einleitung einer Untersuchung bedeutet allerdings noch nicht, dass ein Unternehmen gegen EU-Recht verstoßen hat.

Erst nach einem entsprechenden Verfahren kann die Kommission einen Verstoß verbindlich feststellen.

Bei Verstößen drohen Milliardenbußgelder

Die finanziellen Risiken sind erheblich.

Bei Verstößen gegen den Digital Services Act kann die Europäische Kommission Geldbußen verhängen.

Die maximale Geldbuße darf sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des jeweiligen Anbieters erreichen.

Bei großen internationalen Technologieunternehmen können daraus theoretisch Milliardenbeträge entstehen.

Zusätzlich kann die Kommission Unternehmen dazu verpflichten, Verstöße innerhalb bestimmter Fristen zu beheben.

Für die schwersten und dauerhaft fortgesetzten Verstöße sieht der DSA sogar weitere Eskalationsmöglichkeiten vor.

ChatGPT unterliegt parallel auch dem AI Act

Bei ChatGPT kommt eine Besonderheit hinzu.

Der Dienst fällt nicht nur unter den Digital Services Act.

Für KI-Systeme gelten parallel Bestimmungen des europäischen AI Act.

Seit dem 2. August 2026 werden beispielsweise neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme angewendet. Nutzer müssen unter anderem darüber informiert werden, wenn sie unmittelbar mit einem KI-System interagieren.

Die Einstufung als VLOSE ist davon unabhängig.

ChatGPT wird damit zunehmend von mehreren europäischen Regelwerken gleichzeitig erfasst.

Der AI Act konzentriert sich speziell auf künstliche Intelligenz.

Der Digital Services Act richtet seinen Blick dagegen stärker auf die Rolle des Dienstes als sehr großer digitaler Vermittlungs- beziehungsweise Suchdienst und dessen gesellschaftliche Risiken.

Eine bemerkenswerte Einstufung für ChatGPT

Dass die EU ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine einstuft, markiert einen wichtigen Schritt.

Der Dienst wird regulatorisch damit nicht mehr nur als KI-Chatbot betrachtet.

Seine Reichweite und seine Funktionen sind inzwischen groß genug, dass die Kommission ihn in dieselbe besonders streng beaufsichtigte Kategorie digitaler Dienste einordnet, für die umfangreiche Risiko-, Transparenz- und Kontrollpflichten gelten.

Mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer in der Europäischen Union sind dabei die entscheidende Schwelle.

Was sich für Nutzer unmittelbar ändert

Für Nutzer dürfte sich am 31. August zunächst nicht schlagartig die gesamte Oberfläche verändern.

Die Anbieter haben bis Ende November 2026 Zeit, die zusätzlichen Verpflichtungen umzusetzen.

Danach können die Folgen jedoch deutlich sichtbar werden.

Möglich sind beispielsweise zusätzliche Schutzmechanismen für Minderjährige, Veränderungen an Empfehlungssystemen, mehr Transparenz über algorithmische Prozesse, umfassendere öffentliche Risikoberichte und neue Kontrollmöglichkeiten für Behörden und Forscher.

Welche konkreten Produktänderungen daraus entstehen, ist derzeit noch offen.

Europa zieht die regulatorischen Zügel weiter an

Die Entscheidung zeigt, wie schnell sich die regulatorische Einordnung großer Internetdienste verändern kann.

ChatGPT, Reddit und Roblox haben die Schwelle von 45 Millionen monatlichen EU-Nutzern erreicht und werden deshalb künftig besonders streng beaufsichtigt.

Dabei geht es nicht lediglich um einzelne Inhalte.

Im Mittelpunkt stehen die Strukturen der Dienste selbst: ihre Algorithmen, ihre Auswirkungen auf Minderjährige, ihre Rolle bei der Verbreitung illegaler Inhalte, Risiken für Grundrechte und Wahlen sowie mögliche Folgen für das körperliche und psychische Wohlbefinden.

Die wichtigste Präzisierung zur aktuellen Meldung lautet deshalb:

ChatGPT, Reddit und Roblox sind seit dem 31. August 2026 offiziell als besonders große Dienste nach dem Digital Services Act eingestuft. Die zusätzlichen strengen Pflichten müssen sie jedoch nicht sofort vollständig erfüllen – dafür haben sie bis Ende November 2026 Zeit.

Danach dürfte insbesondere ChatGPT in Europa so intensiv regulatorisch kontrolliert werden wie nie zuvor.

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