Der Jahresabschluss 2024 der Bürger Windpark Trendelburg GmbH & Co. KG zeigt eine Gesellschaft, die ihre Verschuldung deutlich reduziert und gleichzeitig ihre bilanzielle Eigenkapitalbasis verbessert hat. Auf den ersten Blick ist die Entwicklung damit positiv. Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch zwei Punkte, die Anleger im Auge behalten sollten: Die liquiden Mittel haben sich innerhalb eines Jahres mehr als halbiert, und neben den bilanzierten Schulden bestehen langfristige finanzielle Verpflichtungen aus Pachten, Wartung und Betriebsführung von insgesamt rund 4,28 Millionen Euro.
Die Bilanzsumme des Windparks sank zum 31. Dezember 2024 von 13,09 Millionen Euro auf 11,85 Millionen Euro. Das entspricht einer Verringerung um rund 1,24 Millionen Euro beziehungsweise 9,5 Prozent.
Ein wesentlicher Grund dafür ist der fortschreitende Rückgang des Anlagevermögens. Die Sachanlagen wurden Ende 2024 noch mit 10,38 Millionen Euro bilanziert, nachdem es ein Jahr zuvor 11,12 Millionen Euro gewesen waren. Der Buchwert verringerte sich damit um rund 738.500 Euro oder 6,6 Prozent.
Bei einer Windparkgesellschaft ist diese Entwicklung grundsätzlich plausibel. Die Anlagen werden nach Angaben im Anhang zu Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten abzüglich planmäßiger Abschreibungen bewertet. Die Abschreibung erfolgt grundsätzlich linear über die voraussichtliche Nutzungsdauer.
Aus den veröffentlichten Bilanzdaten allein lässt sich allerdings nicht feststellen, ob der Rückgang des Anlagevermögens vollständig aus Abschreibungen resultiert. Ein detaillierter Anlagenspiegel ist in den vorliegenden Angaben nicht enthalten.
Deutlich auffälliger ist die Entwicklung des Umlaufvermögens.
Dieses sank von 1,85 Millionen Euro auf 1,36 Millionen Euro und damit um rund 489.000 Euro beziehungsweise 26,4 Prozent.
Hinter dieser Entwicklung verbergen sich allerdings zwei gegenläufige Effekte.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände stiegen erheblich. Sie erhöhten sich von 267.936 Euro auf 605.036 Euro. Das entspricht einem Zuwachs um rund 337.100 Euro oder bemerkenswerte 125,8 Prozent.
Die Gesellschaft hatte am Jahresende damit mehr als doppelt so hohe Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände wie ein Jahr zuvor.
Warum dieser Posten derart stark gestiegen ist, lässt sich aus dem vorliegenden Anhang nicht erkennen. Eine detaillierte Aufschlüsselung fehlt. Für Anleger wäre interessant, ob es sich beispielsweise um Forderungen aus Stromlieferungen, Steuerforderungen, Abgrenzungen oder andere Ansprüche handelt und wann mit deren Zahlung zu rechnen ist.
Noch stärker fällt allerdings die gegenläufige Entwicklung der Liquidität ins Gewicht.
Die Bank- und Kassenbestände gingen von 1,582 Millionen Euro auf 756.022 Euro zurück. Das entspricht einem Rückgang um rund 826.349 Euro beziehungsweise 52,2 Prozent.
Damit hat sich die unmittelbar verfügbare Liquidität des Windparks innerhalb eines Jahres mehr als halbiert.
Eine isolierte Betrachtung dieser Zahl würde allerdings ein unvollständiges Bild vermitteln. Denn gleichzeitig hat die Gesellschaft ihre Verbindlichkeiten erheblich reduziert.
Diese sanken von 9,460 Millionen Euro auf 8,393 Millionen Euro.
Innerhalb eines Jahres wurden somit rund 1,067 Millionen Euro beziehungsweise 11,3 Prozent der bilanziellen Verbindlichkeiten abgebaut.
Das ist eine substanzielle Verbesserung.
Bemerkenswert ist dabei insbesondere die Fristigkeitsstruktur.
Von den Ende 2024 bestehenden Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 8,393 Millionen Euro besitzen lediglich 107.536 Euro eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr. Im Vorjahr waren es noch 420.971 Euro.
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten wurden damit um rund 313.435 Euro beziehungsweise 74,5 Prozent reduziert.
Dem stehen liquide Mittel von 756.022 Euro gegenüber.
Rein rechnerisch verfügt die Gesellschaft damit über mehr als das Siebenfache der kurzfristigen Verbindlichkeiten in Form von Bank- und Kassenbeständen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Windparkgesellschaften, bei denen ein großer Teil der Finanzierung kurzfristig ausgewiesen wird.
Auch das gesamte Umlaufvermögen von 1,361 Millionen Euro übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten deutlich. Rechnerisch entspricht das Umlaufvermögen etwa dem 12,7-Fachen der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr.
Aus der Bilanz ergibt sich damit zum Stichtag keine erkennbare kurzfristige Deckungslücke.
Der überwiegende Teil der Finanzierung ist langfristiger Natur.
Von den 8,393 Millionen Euro Verbindlichkeiten besitzen 8,285 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Das entspricht rund 98,7 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten.
Für einen kapitalintensiven Windpark ist eine langfristige Finanzierungsstruktur grundsätzlich sinnvoll, weil die Investitionskosten der Anlagen über viele Jahre aus den erwirtschafteten Zahlungsströmen zurückgeführt werden können.
Auch die Entwicklung des Eigenkapitals ist positiv.
Das ausgewiesene Eigenkapital erhöhte sich von 3,187 Millionen Euro auf 3,300 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs um rund 112.700 Euro beziehungsweise 3,5 Prozent.
Weil gleichzeitig die Bilanzsumme deutlich zurückging, verbesserte sich die Eigenkapitalquote stärker, als der absolute Eigenkapitalanstieg vermuten lässt.
Ende 2023 lag sie bei rund 24,3 Prozent.
Ende 2024 beträgt sie rund 27,8 Prozent.
Damit ist inzwischen mehr als ein Viertel der bilanziellen Vermögenswerte durch ausgewiesenes Eigenkapital finanziert.
Für eine Windpark-Projektgesellschaft mit erheblicher Fremdfinanzierung ist das eine durchaus relevante Kapitalbasis.
Interessant ist allerdings die Darstellung der Kapitalanteile.
Ende 2023 wurden Kapitalanteile der Kommanditisten von rund 2,745 Millionen Euro sowie ein Jahresüberschuss von 442.591 Euro separat ausgewiesen. Zusammen ergab dies das Eigenkapital von rund 3,187 Millionen Euro.
Zum 31. Dezember 2024 werden dagegen Kapitalanteile der Kommanditisten von 3,300 Millionen Euro ausgewiesen, während ein Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust von null Euro erscheint.
Der Anhang erklärt hierzu, dass der Jahresüberschuss 2024 entsprechend dem Gesellschaftsvertrag den Kommanditisten im Verhältnis ihrer Kapitalanteile am Ende des Geschäftsjahres zugewiesen wird.
Die Höhe dieses Jahresüberschusses 2024 ist in den hier vorliegenden Angaben allerdings nicht genannt.
Das ist wichtig.
Aus dem Anstieg der Kapitalanteile von rund 2,745 Millionen Euro auf 3,300 Millionen Euro kann nicht ohne Weiteres auf einen Jahresgewinn von rund 555.000 Euro geschlossen werden. In den Kapitalanteilen können neben Ergebniszuweisungen auch Ausschüttungen, Entnahmen oder andere Bewegungen auf den Gesellschafterkonten enthalten sein.
Ebenso lässt sich aus dem Eigenkapitalanstieg um rund 112.700 Euro nicht sicher der Jahresüberschuss 2024 ableiten.
Die Gewinn- und Verlustrechnung wurde nach Angaben des Anhangs zwar erstellt, ihre konkreten Zahlen sind in den hier vorliegenden Unterlagen jedoch nicht enthalten.
Damit fehlt für eine vollständige Anlegeranalyse eine der wichtigsten Informationen: Wie profitabel war der Windpark 2024 tatsächlich?
Der Jahresüberschuss 2023 von 442.591 Euro ist ausgewiesen. Für 2024 bestätigt der Anhang lediglich, dass ein Jahresüberschuss vorhanden und den Kommanditisten zuzuweisen ist. Seine konkrete Höhe lässt sich aus dem vorliegenden Zahlenmaterial nicht belastbar bestimmen.
Die Bilanz liefert trotzdem einige starke Hinweise auf die finanzielle Entwicklung.
Besonders positiv ist die Kombination aus steigender Eigenkapitalquote und sinkenden Verbindlichkeiten.
Die Verbindlichkeiten gingen um rund 1,07 Millionen Euro zurück, während das Eigenkapital um rund 113.000 Euro zunahm. Gleichzeitig fiel die Bilanzsumme um rund 1,24 Millionen Euro.
Das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Eigenkapital hat sich dadurch verbessert.
Ende 2023 standen jedem Euro Eigenkapital rechnerisch rund 2,97 Euro Verbindlichkeiten gegenüber.
Ende 2024 waren es noch rund 2,54 Euro.
Die Gesellschaft bleibt damit zwar deutlich fremdfinanziert, der Verschuldungsgrad entwickelt sich jedoch in die richtige Richtung.
Auch die Rückstellungen gingen kräftig zurück.
Sie reduzierten sich von 443.668 Euro auf 160.523 Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 283.145 Euro beziehungsweise 63,8 Prozent.
Warum die Rückstellungen derart stark gesunken sind, wird in den vorliegenden Angaben nicht näher erläutert. Der Anhang erklärt lediglich allgemein, dass die sonstigen Rückstellungen alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten berücksichtigen.
Zum Bilanzstichtag bestanden nach Angaben der Gesellschaft keine Eventualverbindlichkeiten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Windpark außerhalb der Bilanz keine erheblichen zukünftigen Zahlungsverpflichtungen besitzt.
Im Gegenteil.
Der Anhang weist sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 4.284.844 Euro aus.
Davon entfallen 1.915.250 Euro auf Pachtverpflichtungen für die Grundstücke, auf denen die Windkraftanlagen betrieben werden.
Weitere 2.265.000 Euro betreffen Wartungsverpflichtungen.
Hinzu kommen 104.594 Euro für die technische und kaufmännische Betriebsführung. Davon entfallen 85.867 Euro auf die technische und 18.727 Euro auf die kaufmännische Betriebsführung.
Diese 4,28 Millionen Euro sind für Anleger eine wichtige Größe.
Sie stehen nicht als zusätzliche Verbindlichkeiten in der Bilanz, weil es sich um zukünftige vertragliche Verpflichtungen handelt. Wirtschaftlich müssen die entsprechenden Zahlungen aber aus den zukünftigen Einnahmen des Windparks erwirtschaftet werden.
Die Summe entspricht immerhin rund 36 Prozent der aktuellen Bilanzsumme.
Das klingt zunächst erheblich.
Eine unmittelbare Belastung in dieser Höhe besteht jedoch nicht. Die Verpflichtungen dürften sich über die jeweiligen Vertragslaufzeiten verteilen. Ohne Angaben zur zeitlichen Verteilung kann deshalb nicht beurteilt werden, welcher Betrag jährlich anfällt.
Gerade bei Windparks sind solche Verpflichtungen zudem grundsätzlich Teil des normalen Geschäftsmodells.
Grundstückspachten müssen über die Betriebsdauer bezahlt werden. Windenergieanlagen benötigen regelmäßige Wartung. Technische und kaufmännische Betriebsführung verursachen ebenfalls laufende Kosten.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob solche Verpflichtungen existieren, sondern ob die zukünftigen Stromerlöse ausreichen, um Finanzierung, Wartung, Pachten, Betriebsführung und mögliche Ausschüttungen dauerhaft zu tragen.
Genau dafür fehlen im veröffentlichten Ausschnitt entscheidende Ergebniskennzahlen.
Für Anleger wäre insbesondere interessant, wie hoch die Umsatzerlöse 2024 waren, welche Strommengen produziert wurden, wie hoch der Zinsaufwand war, welche Abschreibungen angefallen sind und welcher operative Cashflow erwirtschaftet wurde.
Diese Größen würden zeigen, wie komfortabel der Windpark seine langfristigen Verpflichtungen bedienen kann.
Die Bilanz allein liefert immerhin einen positiven Hinweis: Die Gesellschaft war 2024 offenbar in der Lage, ihre bilanziellen Verbindlichkeiten um mehr als eine Million Euro zu reduzieren.
Gleichzeitig sollte der Liquiditätsrückgang nicht ignoriert werden.
Mit 756.022 Euro besitzt der Windpark weiterhin einen erheblichen Zahlungsmittelbestand. Gegenüber den kurzfristigen Verbindlichkeiten von nur 107.536 Euro erscheint dieser Puffer zum Bilanzstichtag komfortabel.
Verglichen mit dem Vorjahr ist die Reserve jedoch erheblich kleiner geworden.
Mehr als 826.000 Euro Bankguthaben sind innerhalb eines Jahres aus der Bilanz verschwunden.
Ohne Kapitalflussrechnung lässt sich nicht feststellen, wohin diese Mittel geflossen sind. Schuldentilgungen sind angesichts des gleichzeitigen Rückgangs der Verbindlichkeiten eine naheliegende mögliche Erklärung, können anhand der Bilanz allein aber nicht vollständig nachgewiesen werden.
Unterm Strich präsentiert sich der Bürger Windpark Trendelburg zum Jahresende 2024 bilanziell deutlich solider, als die hohe absolute Verschuldung von 8,39 Millionen Euro zunächst vermuten lassen könnte.
Die Verbindlichkeiten wurden um 11,3 Prozent reduziert. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sanken sogar um rund drei Viertel. Rund 98,7 Prozent der verbleibenden Verbindlichkeiten besitzen eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Gleichzeitig erhöhte sich die Eigenkapitalquote von rund 24,3 auf 27,8 Prozent.
Das sind aus Anlegersicht klare Pluspunkte.
Dem stehen drei Punkte gegenüber, die genauer beobachtet werden sollten.
Erstens hat sich die Liquidität von 1,58 Millionen auf 756.000 Euro mehr als halbiert.
Zweitens sind die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände um rund 126 Prozent auf 605.000 Euro gestiegen. Die Ursache dieses starken Anstiegs wird nicht erläutert.
Drittens bestehen außerhalb der bilanzierten Verbindlichkeiten noch vertragliche finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 4,28 Millionen Euro, insbesondere für Wartung und Grundstückspachten.
Diese Verpflichtungen sind bei einem Windpark nicht ungewöhnlich, müssen aber aus zukünftigen Einnahmen finanziert werden.
Die entscheidende Information fehlt deshalb ausgerechnet dort, wo Anleger am genauesten hinschauen sollten: beim Ergebnis und beim Cashflow.
Der Anhang bestätigt zwar ausdrücklich einen Jahresüberschuss für 2024 und dessen Zuweisung an die Kommanditisten. Die Höhe dieses Jahresüberschusses ist in den vorliegenden Angaben jedoch nicht genannt.
Deshalb lässt sich nicht seriös beurteilen, ob die operative Ertragskraft 2024 gestiegen oder gefallen ist und wie hoch die Rendite auf das eingesetzte Kapital tatsächlich war.
Die Bilanzentwicklung selbst fällt dennoch überwiegend positiv aus.
Der Bürger Windpark Trendelburg hat Schulden abgebaut, seine Eigenkapitalquote verbessert und seine kurzfristigen Verpflichtungen deutlich reduziert. Trotz des starken Rückgangs der Bankguthaben ist die kurzfristige Liquiditätsdeckung zum Bilanzstichtag komfortabel.
Aus Anlegersicht lautet die entscheidende Frage deshalb weniger, ob die Gesellschaft aktuell ausreichend kurzfristige Liquidität besitzt. Die Zahlen sprechen dafür.
Viel interessanter ist, ob der Windpark auch künftig genügend operative Mittel erwirtschaftet, um die noch 8,39 Millionen Euro bilanziellen Verbindlichkeiten sowie 4,28 Millionen Euro langfristigen Pacht-, Wartungs- und Betriebsführungsverpflichtungen zu bedienen und gleichzeitig attraktive Ausschüttungen an die Kommanditisten zu ermöglichen.
Genau diese Antwort liefert die veröffentlichte Bilanz allein noch nicht.