Der Jahresabschluss 2024 der EDL Windpark 1 GmbH & Co. KG aus Kamen zeigt eine ungewöhnliche Mischung: Die Bilanzsumme schrumpft innerhalb eines Jahres um fast die Hälfte, die ausgewiesenen Kapitalanteile der Kommanditisten brechen um rund zwei Drittel ein und die Forderungen gegen Gesellschafter verschwinden vollständig aus der Bilanz. Gleichzeitig steigt das Bankguthaben, die Verbindlichkeiten werden weiter zurückgeführt und langfristige Schulden gegenüber Kreditinstituten bestehen nach ausdrücklicher Angabe im Anhang überhaupt nicht.
Für Anleger ist deshalb weniger die absolute Größe des Windparks bemerkenswert als die Frage, was hinter der massiven Veränderung der Gesellschafterkonten steckt.
Die Bilanzsumme sank zum 31. Dezember 2024 von 594.940 Euro auf nur noch 323.067 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 271.873 Euro beziehungsweise 45,7 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres.
Eine derart starke Bilanzverkürzung ist erheblich.
Sie lässt sich allerdings nicht allein mit der planmäßigen Abschreibung der Windenergieanlagen erklären.
Das Anlagevermögen sank von 185.143 Euro auf 141.580 Euro. Das entspricht einem Rückgang um 43.563 Euro beziehungsweise rund 23,5 Prozent.
Innerhalb des Anlagevermögens verringerte sich das Sachanlagevermögen von 168.143 Euro auf 124.280 Euro – ein Minus von rund 43.863 Euro beziehungsweise 26,1 Prozent.
Die Finanzanlagen erhöhten sich dagegen leicht von 17.000 auf 17.300 Euro.
Damit erklärt das Anlagevermögen nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Bilanzverkürzung.
Der eigentliche Einschnitt findet sich beim Umlaufvermögen.
Dieses sank von 409.797 Euro auf 156.277 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 253.520 Euro beziehungsweise 61,9 Prozent.
Besonders spektakulär ist die Entwicklung bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen.
Ende 2023 wurden hier noch 311.435 Euro ausgewiesen.
Ende 2024 waren es nur noch 25.639 Euro.
Der Rückgang beträgt damit rund 285.797 Euro beziehungsweise 91,8 Prozent.
Damit ist fast der gesamte Forderungsbestand innerhalb eines Jahres aus der Bilanz verschwunden.
Ein entscheidender Teil dieser Entwicklung betrifft Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Zum 31. Dezember 2023 waren noch 280.414 Euro Forderungen gegen Gesellschafter ausgewiesen.
2024 erscheint für diesen Posten kein Betrag mehr.
Diese Forderungen entsprachen im Vorjahr rund 90 Prozent sämtlicher Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände und immerhin rund 47 Prozent der gesamten damaligen Bilanzsumme.
Dass dieser erhebliche Betrag 2024 nicht mehr ausgewiesen wird, verändert die Bilanzstruktur grundlegend.
Aus dem veröffentlichten Abschluss lässt sich allerdings nicht erkennen, auf welche Weise die Gesellschafterforderungen weggefallen sind.
Eine vollständige Zahlung wäre eine mögliche Erklärung.
Ebenso denkbar wären Verrechnungen mit Gesellschafterkonten oder andere gesellschaftsrechtliche Buchungen.
Welche Variante tatsächlich vorliegt, lässt sich aus Bilanz und Anhang nicht belastbar ableiten.
Gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung des Eigenkapitals wird dieser Punkt interessant.
Denn die Kapitalanteile der Kommanditisten sinken gleichzeitig massiv.
Ende 2023 wurden noch 367.218 Euro Kapitalanteile ausgewiesen.
Ein Jahr später sind es lediglich 123.197 Euro.
Damit verschwinden innerhalb eines Jahres rund 244.021 Euro aus dieser Eigenkapitalposition.
Der Rückgang beträgt bemerkenswerte 66,4 Prozent.
Mit anderen Worten: Rund zwei Drittel der zum Jahresende 2023 ausgewiesenen Kapitalanteile der Kommanditisten sind ein Jahr später nicht mehr in dieser Bilanzposition vorhanden.
Das ist die auffälligste Veränderung des gesamten Jahresabschlusses.
Sie sollte allerdings nicht automatisch als Verlust interpretiert werden.
Der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust wird sowohl 2023 als auch 2024 mit exakt null Euro ausgewiesen.
Bei einer GmbH & Co. KG kann die Darstellung des Eigenkapitals wesentlich von derjenigen einer klassischen Kapitalgesellschaft abweichen. Ergebnisse, Entnahmen und Einlagen können über Gesellschafter- beziehungsweise Kapitalkonten laufen.
Deshalb lässt sich aus dem Rückgang der Kapitalanteile um 244.021 Euro allein nicht ableiten, dass die Gesellschaft 2024 einen Verlust in entsprechender Höhe erwirtschaftet hätte.
Ebenso wenig kann daraus sicher auf eine Ausschüttung oder Entnahme von exakt diesem Betrag geschlossen werden.
Dazu fehlen die Entwicklung der Kapitalkonten und die Gewinn- und Verlustrechnung.
Genau hier bleibt der veröffentlichte Abschluss erklärungsbedürftig.
Auffällig ist nämlich die zeitgleiche Veränderung dreier großer Positionen:
Die Forderungen gegen Gesellschafter von 280.414 Euro verschwinden.
Die Kapitalanteile der Kommanditisten sinken um 244.021 Euro.
Und die gesamte Bilanzsumme fällt um 271.873 Euro.
Zwischen diesen Bewegungen könnte ein wirtschaftlicher beziehungsweise gesellschaftsrechtlicher Zusammenhang bestehen.
Aus den veröffentlichten Angaben kann ein solcher Zusammenhang jedoch nicht bewiesen werden.
Für Anleger wäre deshalb eine detaillierte Entwicklung der Gesellschafterkonten besonders aufschlussreich.
Trotz des starken Rückgangs beim Eigenkapital gibt es auf der Aktivseite eine klar positive Entwicklung.
Die liquiden Mittel steigen.
Das Bank- und Kassenguthaben erhöhte sich von 98.362 Euro auf 130.639 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 32.277 Euro beziehungsweise 32,8 Prozent.
Während sich die Bilanz also nahezu halbiert, wächst die unmittelbar verfügbare Liquidität um fast ein Drittel.
Das ist bemerkenswert.
Die Zusammensetzung des Umlaufvermögens hat sich damit fundamental verändert.
Ende 2023 bestand der größte Teil des Umlaufvermögens aus Forderungen.
Ende 2024 besteht dagegen der mit Abstand größte Teil aus Zahlungsmitteln.
Von 156.277 Euro Umlaufvermögen entfallen rund 130.639 Euro auf Bankguthaben und Kasse.
Das entspricht rund 83,6 Prozent.
Die Gesellschaft verfügt damit Ende 2024 über eine deutlich liquidere Aktivseite als ein Jahr zuvor.
Hinzu kommt erstmals beziehungsweise wieder ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten von 25.210 Euro, während 2023 an dieser Stelle kein Betrag ausgewiesen war.
Auch auf der Passivseite zeigt sich bei den Schulden eine grundsätzlich positive Entwicklung.
Die Verbindlichkeiten gingen von 185.009 Euro auf 151.904 Euro zurück.
Das entspricht einem Abbau um rund 33.105 Euro beziehungsweise 17,9 Prozent.
Besonders wichtig ist dabei die Fristigkeit.
Von den gesamten Verbindlichkeiten sind lediglich 9.404 Euro innerhalb eines Jahres fällig.
Im Vorjahr waren es 12.509 Euro.
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sanken damit um rund 3.105 Euro beziehungsweise 24,8 Prozent.
Dem stehen liquide Mittel von 130.639 Euro gegenüber.
Damit deckt allein das vorhandene Bank- und Kassenguthaben die kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch fast 14-mal.
Das ist eine ausgesprochen komfortable kurzfristige Liquiditätsposition.
Auch das gesamte Umlaufvermögen übersteigt die kurzfristigen Schulden erheblich.
156.277 Euro Umlaufvermögen stehen 9.404 Euro kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber.
Das entspricht einem Faktor von rund 16,6.
Aus der Bilanz ergibt sich damit keinerlei Hinweis auf eine kurzfristige Liquiditätslücke.
Im Gegenteil: Bezogen auf die unmittelbar fälligen Verbindlichkeiten erscheint die Gesellschaft zum Bilanzstichtag sehr liquide.
Die langfristigen Verbindlichkeiten gingen ebenfalls zurück.
Sie sanken von 172.500 Euro auf 142.500 Euro.
Das entspricht einer Verringerung um exakt 30.000 Euro beziehungsweise rund 17,4 Prozent.
Besonders interessant ist eine ausdrückliche Angabe im Anhang:
Zum Bilanzstichtag waren keine langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zu bilanzieren.
Damit bestehen die ausgewiesenen langfristigen Verbindlichkeiten von 142.500 Euro offenbar nicht gegenüber Banken.
Gegenüber wem diese langfristigen Verpflichtungen bestehen, wird im vorliegenden Anhang allerdings nicht erläutert.
Für Anleger wäre diese Information interessant.
Denkbar wären beispielsweise Verpflichtungen gegenüber Gesellschaftern, Lieferanten oder anderen Finanzierungspartnern. Ohne entsprechende Aufschlüsselung wäre jede konkrete Zuordnung jedoch spekulativ.
Insgesamt sind die bilanziellen Schulden überschaubar.
Den 151.904 Euro Verbindlichkeiten steht allerdings nur noch ein ausgewiesenes Eigenkapital von 123.197 Euro gegenüber.
Weil das Eigenkapital 2024 wesentlich stärker sank als die Verbindlichkeiten, verschlechtert sich die Kapitalstruktur trotz des absoluten Schuldenabbaus.
Die Eigenkapitalquote fiel von rund 61,7 Prozent Ende 2023 auf nur noch rund 38,1 Prozent Ende 2024.
Das ist ein Rückgang um mehr als 23 Prozentpunkte.
Eine Eigenkapitalquote von rund 38 Prozent ist für sich genommen keineswegs niedrig.
Im Gegenteil: Im Vergleich zu vielen stark fremdfinanzierten Windpark-Projektgesellschaften ist diese Quote weiterhin relativ komfortabel.
Die Richtung der Entwicklung ist jedoch auffällig.
Innerhalb eines Jahres sind fast zwei Drittel der ausgewiesenen Kapitalanteile verschwunden.
Entsprechend steigt der Anteil der Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme.
2023 entsprachen die Verbindlichkeiten rund 31,1 Prozent der Bilanzsumme.
2024 sind es rund 47,0 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass die Gesellschaft neue Schulden aufgebaut hätte.
Das Gegenteil ist der Fall.
Die Verbindlichkeiten wurden um knapp 18 Prozent reduziert.
Der prozentuale Verschuldungsanteil steigt lediglich deshalb deutlich, weil Eigenkapital und Bilanzsumme noch wesentlich stärker zurückgegangen sind.
Genau deshalb ist bei Bilanzkennzahlen Vorsicht geboten.
Eine höhere Schuldenquote bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich mehr Schulden vorhanden sind.
Im Fall der EDL Windpark 1 sind absolut sogar weniger Verbindlichkeiten vorhanden als ein Jahr zuvor.
Auch die Rückstellungen bleiben überschaubar.
Sie erhöhten sich allerdings von 42.713 Euro auf 47.967 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 5.254 Euro beziehungsweise 12,3 Prozent.
Der Anhang erläutert lediglich allgemein, dass die Rückstellungen für ungewisse Verpflichtungen beziehungsweise noch nicht veranlagte Steuern gebildet werden. Eine konkrete Aufschlüsselung des Anstiegs liegt nicht vor.
Insgesamt zeigt sich dadurch eine ungewöhnliche Bilanzentwicklung.
Operativ beziehungsweise liquiditätsseitig vermittelt der Abschluss zunächst ein eher solides Bild.
Das Bankguthaben steigt.
Die Verbindlichkeiten sinken.
Die langfristigen Verpflichtungen werden um 30.000 Euro zurückgeführt.
Langfristige Bankschulden gibt es nach ausdrücklicher Angabe überhaupt nicht.
Und die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind durch die vorhandenen Zahlungsmittel mehr als komfortabel gedeckt.
Auf der anderen Seite steht der drastische Rückgang des ausgewiesenen Eigenkapitals.
Von 367.218 Euro bleiben nur noch 123.197 Euro übrig.
Damit sinkt das Eigenkapital um rund 244.000 Euro.
Für Anleger ist die Ursache dieser Veränderung deshalb die zentrale offene Frage des Abschlusses.
Besonders interessant wäre eine Erklärung, wie der Wegfall der früheren Forderungen gegen Gesellschafter von 280.414 Euro mit der Veränderung der Kapitalanteile zusammenhängt.
Die veröffentlichten Angaben reichen dafür nicht aus.
Auch ein weiterer wichtiger Bestandteil fehlt: die Gewinn- und Verlustrechnung.
Damit ist unbekannt, welche Umsätze der Windpark 2024 erzielt hat, welcher Abschreibungsaufwand angefallen ist, wie hoch die laufenden Betriebskosten waren und ob unter dem Strich ein Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag erwirtschaftet wurde.
Der Bilanzgewinn von null Euro beantwortet diese Frage ausdrücklich nicht.
Gerade bei einer Personengesellschaft kann ein Ergebnis auf Kapitalkonten der Gesellschafter verbucht werden, sodass aus einem Bilanzgewinn von null Euro nicht auf ein Ergebnis von null geschlossen werden darf.
Das gilt in diesem Fall umso mehr, weil sich die Kapitalanteile erheblich verändert haben.
Auch Ausschüttungen oder Entnahmen lassen sich aus den Zahlen nicht sicher bestimmen.
Es wäre deshalb unzulässig, den Rückgang des Eigenkapitals von 244.021 Euro schlicht als Ausschüttung an die vier genannten Kommanditisten zu interpretieren.
Dafür fehlt der Nachweis.
Unter dem Strich ergibt sich für die EDL Windpark 1 GmbH & Co. KG damit ein zweigeteiltes Bild.
Auf der Liquiditätsseite wirkt die Bilanz stark.
130.639 Euro Zahlungsmittel stehen gerade einmal 9.404 Euro kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber.
Die Gesamtverbindlichkeiten wurden um knapp 18 Prozent reduziert.
Langfristige Bankschulden werden ausdrücklich mit null angegeben.
Auch die langfristigen Verbindlichkeiten insgesamt gehen um 30.000 Euro zurück.
Finanziell kurzfristig angespannt wirkt diese Gesellschaft zum Bilanzstichtag deshalb nicht.
Erklärungsbedürftig ist dagegen die Kapitalseite.
Innerhalb eines Jahres sinken die Kapitalanteile der Kommanditisten von 367.218 Euro auf 123.197 Euro.
Das ist ein Rückgang um 66,4 Prozent.
Parallel verschwinden Forderungen gegenüber Gesellschaftern von zuvor 280.414 Euro vollständig aus der Bilanz.
Ob beide Vorgänge miteinander zusammenhängen und welche Zahlungen, Verrechnungen oder gesellschaftsrechtlichen Buchungen dahinterstehen, lässt sich dem veröffentlichten Abschluss nicht entnehmen.
Für Anleger ist genau das die entscheidende Frage.
Denn die Bilanz zeigt zwar einen Windpark mit überschaubaren Schulden und komfortabler kurzfristiger Liquidität.
Sie zeigt aber zugleich eine Gesellschaft, deren ausgewiesene Eigenkapitalbasis innerhalb nur eines Geschäftsjahres um fast eine Viertelmillion Euro geschrumpft ist.
Ohne Gewinn- und Verlustrechnung und ohne detaillierte Entwicklung der Gesellschafterkonten bleibt offen, ob diese Veränderung wirtschaftlich völlig unproblematisch ist oder genauer hinterfragt werden sollte.
Der bemerkenswerteste Befund des Jahresabschlusses 2024 lautet deshalb nicht, dass die EDL Windpark 1 weniger Schulden hat.
Sondern dass von den zum Jahresende 2023 ausgewiesenen 367.218 Euro Kapitalanteilen ein Jahr später nur noch 123.197 Euro übrig sind – während gleichzeitig die früheren Gesellschafterforderungen von mehr als 280.000 Euro aus der Bilanz verschwunden sind.