Der Jahresabschluss 2024 der Dreiundachtzigste Westwind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf zeigt auf den ersten Blick eine typische Entwicklung einer bereits laufenden Windparkgesellschaft: Das Anlagevermögen wird kontinuierlich abgeschrieben, die langfristigen Verbindlichkeiten werden zurückgeführt und die Bilanzsumme schrumpft. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch eine Besonderheit besonders ins Auge. Von nominal 1,4 Millionen Euro Kapitalanteilen der Kommanditisten sind zum Bilanzstichtag lediglich 420.000 Euro eingefordert. Weitere 980.000 Euro werden als nicht eingeforderte ausstehende Einlagen vom Kapital abgesetzt.
Damit sind 70 Prozent der nominal ausgewiesenen Kommanditeinlagen weiterhin nicht eingefordert.
Das ist eine bemerkenswerte Kapitalstruktur.
Die Bilanzsumme des Windparks sank 2024 von 3,931 Millionen Euro auf 3,492 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 438.300 Euro beziehungsweise 11,2 Prozent.
Ein erheblicher Teil dieser Bilanzverkürzung entfällt auf das Anlagevermögen.
Dieses ging von 3,099 Millionen Euro auf 2,734 Millionen Euro zurück, also um rund 365.300 Euro beziehungsweise 11,8 Prozent.
Den größten Posten bilden erwartungsgemäß die Sachanlagen. Ihr Buchwert sank von 3,011 Millionen Euro auf 2,650 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 361.400 Euro oder 12,0 Prozent.
Die immateriellen Vermögensgegenstände reduzierten sich vergleichsweise moderat von 87.839 Euro auf 83.905 Euro. Die Finanzanlagen werden weiterhin lediglich mit einem Erinnerungswert von einem Euro ausgewiesen.
Der Anhang erklärt, dass Sachanlagen und abnutzbare immaterielle Vermögensgegenstände planmäßig linear über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Ein wesentlicher Teil des Buchwertrückgangs dürfte deshalb mit regulären Abschreibungen zusammenhängen. Wie hoch der tatsächliche Abschreibungsaufwand 2024 war und ob zusätzlich Anlagenbewegungen stattgefunden haben, lässt sich aus der vorliegenden Bilanz allerdings nicht abschließend bestimmen.
Auch das Umlaufvermögen ging zurück, allerdings wesentlich weniger stark.
Es sank von 822.609 Euro auf 751.636 Euro. Das entspricht einem Minus von rund 70.972 Euro beziehungsweise 8,6 Prozent.
Innerhalb des Umlaufvermögens zeigt sich jedoch eine gegenläufige Entwicklung.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich von 452.412 Euro auf 468.827 Euro. Das entspricht einem Anstieg um rund 16.415 Euro beziehungsweise 3,6 Prozent.
Interessant ist dabei die Entwicklung der Forderungen gegen Gesellschafter.
Diese gingen von 180.672 Euro auf 127.085 Euro zurück. Das entspricht einer Verringerung um rund 53.586 Euro beziehungsweise 29,7 Prozent.
Der Anteil der Gesellschafterforderungen an den gesamten Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen sank damit von knapp 40 Prozent auf rund 27 Prozent.
Das ist zunächst positiv zu bewerten, weil weniger Mittel in Forderungen gegenüber dem Gesellschafterkreis gebunden sind.
Gleichzeitig bedeutet dies allerdings, dass andere Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände gestiegen sein müssen. Während die gesamten Forderungen um rund 16.000 Euro zunahmen, gingen die Gesellschafterforderungen um mehr als 53.000 Euro zurück.
Rechnerisch erhöhten sich die übrigen Forderungen damit von rund 271.740 Euro auf rund 341.742 Euro – ein Anstieg um etwa 70.000 Euro beziehungsweise 25,8 Prozent.
Welche Positionen dahinterstehen, wird im vorliegenden Anhang nicht näher erläutert.
Für Anleger wäre diese Entwicklung durchaus interessant, insbesondere mit Blick auf die Fälligkeit und Werthaltigkeit dieser Forderungen.
Deutlicher ist der Rückgang bei der Liquidität.
Die Bank- und Kassenbestände sanken von 370.197 Euro auf 282.809 Euro.
Damit gingen die unmittelbar verfügbaren Zahlungsmittel innerhalb eines Jahres um rund 87.388 Euro beziehungsweise 23,6 Prozent zurück.
Das ist ein merklicher Rückgang, allerdings kein isoliert zu betrachtendes Warnsignal.
Denn gleichzeitig hat die Gesellschaft ihre Verbindlichkeiten weiter reduziert.
Diese gingen von 3,281 Millionen Euro auf 2,927 Millionen Euro zurück. Der Schuldenabbau beträgt damit rund 354.232 Euro beziehungsweise 10,8 Prozent.
Der Rückgang der Verbindlichkeiten ist somit rund viermal so hoch wie der Rückgang der liquiden Mittel.
Für die finanzielle Entwicklung des Windparks ist das grundsätzlich ein positives Signal.
Besonders deutlich zeigt sich die Entschuldung bei den langfristigen Verpflichtungen.
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sanken von 2,868 Millionen Euro auf 2,498 Millionen Euro. Das entspricht exakt einem Rückgang um 370.000 Euro beziehungsweise rund 12,9 Prozent.
Noch interessanter ist der Blick auf die sehr langfristigen Schulden.
Ende 2023 bestanden nach den veröffentlichten Angaben noch Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren in Höhe von 1,3875 Millionen Euro.
Ende 2024 waren es nur noch 1,0175 Millionen Euro.
Auch hier beträgt der Rückgang exakt 370.000 Euro.
Damit hat sich der Bestand der Verbindlichkeiten mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit innerhalb eines Jahres um rund 26,7 Prozent reduziert.
Das spricht für eine planmäßige Tilgungsstruktur.
Während die langfristigen Schulden sinken, sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten allerdings leicht gestiegen.
Sie erhöhten sich von 413.754 Euro auf 429.522 Euro. Das entspricht einem Anstieg um rund 15.768 Euro beziehungsweise 3,8 Prozent.
Dieser Punkt verdient zusammen mit dem Liquiditätsrückgang Aufmerksamkeit.
Ende 2024 verfügte die Gesellschaft über liquide Mittel von rund 282.809 Euro. Dem standen kurzfristige Verbindlichkeiten von rund 429.522 Euro gegenüber.
Die liquiden Mittel allein deckten damit rund 65,8 Prozent der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Bezieht man jedoch das gesamte Umlaufvermögen von 751.636 Euro ein, ergibt sich ein deutlich komfortableres Bild.
Das Umlaufvermögen entspricht rund 175 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Rechnerisch ergibt sich damit ein positiver Überschuss des Umlaufvermögens über die kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 322.000 Euro.
Eine offensichtliche kurzfristige Deckungslücke lässt sich aus der Bilanz deshalb nicht erkennen.
Allerdings hängt diese Einschätzung teilweise davon ab, wie schnell und vollständig die ausgewiesenen Forderungen von rund 468.800 Euro tatsächlich realisiert werden können.
Bemerkenswert ist außerdem die Sicherheitenstruktur.
Von den insgesamt 2,927 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind laut Anhang 2,8675 Millionen Euro durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert.
Das entspricht rund 98 Prozent sämtlicher Verbindlichkeiten.
Damit ist nahezu die gesamte bilanzielle Fremdfinanzierung besichert.
Bei der Finanzierung eines Windparks ist eine umfangreiche Besicherung der Projektfinanzierung nicht ungewöhnlich. Kreditgeber lassen sich typischerweise Rechte an den finanzierten Vermögenswerten beziehungsweise damit verbundenen Ansprüchen einräumen.
Für Anleger bedeutet die hohe Besicherungsquote jedoch, dass im wirtschaftlichen Krisenfall ein erheblicher Teil der Vermögenswerte zugunsten der Gläubiger gebunden sein kann.
Interessant ist dabei, dass der Betrag der gesicherten Verbindlichkeiten von 3,2375 Millionen Euro im Vorjahr auf 2,8675 Millionen Euro gesunken ist.
Auch hier beträgt die Verringerung 370.000 Euro.
Die Zahlen sprechen somit für einen relativ klaren Tilgungsverlauf der langfristigen Finanzierung.
Die aus Anlegersicht auffälligste Position findet sich jedoch beim Kapital.
Nominal werden Kapitalanteile der Kommanditisten von 1,4 Millionen Euro ausgewiesen.
Davon werden allerdings 980.000 Euro als „nicht eingeforderte ausstehende Einlagen“ abgezogen.
Tatsächlich eingefordert sind damit lediglich 420.000 Euro.
Das entspricht genau 30 Prozent der nominalen Kommanditeinlagen.
70 Prozent beziehungsweise 980.000 Euro sind weiterhin nicht eingefordert.
Diese Zahl sollte jedoch nicht vorschnell als fehlendes oder verlorenes Kapital interpretiert werden.
„Nicht eingefordert“ bedeutet zunächst, dass die Gesellschaft diese Einlagen bislang nicht zur Einzahlung angefordert hat. Daraus folgt nicht automatisch, dass die betreffenden Beträge überfällig wären oder dass Kommanditisten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sind.
Genau diese Unterscheidung ist wichtig.
Die Bilanz weist deshalb ein Eigenkapital von 420.000 Euro aus.
Bei einer Bilanzsumme von 3,492 Millionen Euro entspricht dies einer bilanziellen Eigenkapitalquote von rund 12,0 Prozent.
Im Vorjahr lag die Quote bei einer Bilanzsumme von 3,931 Millionen Euro und ebenfalls 420.000 Euro Eigenkapital bei rund 10,7 Prozent.
Die Eigenkapitalquote hat sich somit rechnerisch um rund 1,3 Prozentpunkte verbessert.
Das liegt allerdings nicht an einem Anstieg des ausgewiesenen Eigenkapitals – dieses blieb unverändert bei 420.000 Euro –, sondern an der gesunkenen Bilanzsumme.
Der Windpark wird damit bilanziell schrittweise weniger fremdfinanziert.
Das Verhältnis von Verbindlichkeiten zur Bilanzsumme sank von rund 83,5 Prozent im Jahr 2023 auf rund 83,8 Prozent? Nein – hier zeigt sich, warum bei solchen Abschlüssen genau gerechnet werden muss.
2023 betrugen die Verbindlichkeiten rund 3,281 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 3,931 Millionen Euro. Das entspricht rund 83,5 Prozent.
2024 lagen die Verbindlichkeiten bei 2,927 Millionen Euro und die Bilanzsumme bei 3,492 Millionen Euro. Das entspricht rund 83,8 Prozent.
Der Anteil der Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme ist damit trotz des absoluten Schuldenabbaus sogar geringfügig gestiegen.
Das wirkt zunächst widersprüchlich.
Die Erklärung liegt darin, dass gleichzeitig auch andere Passivpositionen stark zurückgegangen sind.
Insbesondere die Rückstellungen sanken erheblich.
Sie reduzierten sich von 109.495 Euro auf nur noch 34.910 Euro – ein Rückgang um rund 74.586 Euro beziehungsweise 68,1 Prozent.
Auch die passiven latenten Steuern gingen von 120.039 Euro auf 110.522 Euro zurück.
Das Eigenkapital blieb dagegen unverändert.
Die absolute Entschuldung ist deshalb klar positiv, führt aufgrund der gesamten Bilanzverkürzung aber nicht automatisch zu einem geringeren prozentualen Anteil der Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme.
Eine andere Kennzahl zeigt die Verbesserung deutlicher.
Die Verbindlichkeiten im Verhältnis zum ausgewiesenen Eigenkapital sanken von rund 7,81 auf rund 6,97.
Auf jeden Euro bilanzielles Eigenkapital entfielen Ende 2024 damit noch knapp sieben Euro Verbindlichkeiten.
Das bleibt eine hohe Fremdfinanzierung, ist bei kapitalintensiven Windpark-Projektgesellschaften allerdings nicht ohne Weiteres mit der Verschuldung eines normalen Industrie- oder Dienstleistungsunternehmens vergleichbar.
Windparks werden typischerweise mit langfristigen Finanzierungen aufgebaut, die anschließend über die Betriebsjahre zurückgeführt werden.
Genau eine solche Entwicklung ist in diesem Abschluss erkennbar.
Bemerkenswert ist außerdem der Bilanzgewinn von null Euro.
Auch diese Zahl darf nicht mit einem Jahresergebnis von null verwechselt werden.
Bei Personengesellschaften können Ergebnisse unmittelbar den Gesellschafterkonten zugerechnet beziehungsweise entsprechend gesellschaftsvertraglicher Regelungen verbucht werden.
Aus der hier veröffentlichten Bilanz lässt sich deshalb nicht ableiten, dass der Windpark 2024 weder Gewinn noch Verlust erzielt hätte.
Eine Gewinn- und Verlustrechnung mit Umsatzerlösen, Abschreibungen, Zinsaufwendungen und Jahresergebnis ist in den vorliegenden Angaben nicht enthalten.
Damit fehlt aus Investorensicht eine zentrale Ebene der Analyse.
Es lässt sich nicht feststellen, wie hoch die Stromerlöse 2024 waren, welchen operativen Überschuss der Windpark erwirtschaftet hat oder wie stark Zinsen und Abschreibungen das Ergebnis belasteten.
Auch über Ausschüttungen an die Kommanditisten lässt sich anhand dieser Bilanz keine belastbare Aussage treffen.
Gerade deshalb sollte der Rückgang der liquiden Mittel nicht vorschnell Ausschüttungen zugeschrieben werden.
Dafür liefert der veröffentlichte Abschluss keinen Beleg.
Was sich dagegen eindeutig erkennen lässt, ist die fortschreitende Tilgung der Finanzierung.
Die langfristigen Verbindlichkeiten gingen um 370.000 Euro zurück. Die Verbindlichkeiten mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit reduzierten sich ebenfalls um 370.000 Euro. Auch die besicherten Verbindlichkeiten nahmen um exakt diesen Betrag ab.
Das spricht für eine geordnete und nachvollziehbare Rückführung eines langfristigen Finanzierungsblocks.
Aus Anlegersicht fällt die Bilanz deshalb gemischt, aber keineswegs alarmierend aus.
Positiv sind der Schuldenabbau von rund 354.000 Euro, die erhebliche Verringerung der sehr langfristigen Verbindlichkeiten und der Rückgang der Forderungen gegen Gesellschafter.
Auch die kurzfristige Deckung erscheint auf Basis des gesamten Umlaufvermögens ausreichend.
Kritischer sind der Rückgang der liquiden Mittel um knapp 24 Prozent, der leichte Anstieg der kurzfristigen Verbindlichkeiten und die weiterhin hohe Fremdfinanzierung.
Besonders erklärungsbedürftig bleiben die 980.000 Euro nicht eingeforderten Kommanditeinlagen.
Sie entsprechen 70 Prozent der nominalen Kapitalanteile der Kommanditisten und sogar rund 28 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese 980.000 Euro kurzfristig als zusätzliche Liquiditätsreserve verfügbar wären.
Ob und unter welchen gesellschaftsvertraglichen Voraussetzungen die Einlagen eingefordert werden können, lässt sich aus dem veröffentlichten Jahresabschluss nicht beurteilen.
Genau diese Information wäre für Anleger interessant.
Denn theoretisch wirkt ein noch nicht eingeforderter Kapitalbetrag von fast einer Million Euro wie ein erheblicher zusätzlicher Finanzierungspuffer. Ob er wirtschaftlich tatsächlich als solcher betrachtet werden darf, hängt jedoch vom Gesellschaftsvertrag und von den konkreten Einlageverpflichtungen der Kommanditisten ab.
Unter dem Strich zeigt der Jahresabschluss 2024 einen Windpark, dessen Finanzierung offenbar planmäßig zurückgeführt wird.
Die Verbindlichkeiten sind um 10,8 Prozent gesunken, die Schulden mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit sogar um 26,7 Prozent. Das Sachanlagevermögen verliert erwartungsgemäß durch den fortschreitenden Anlagenbetrieb an Buchwert, während das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten weiterhin übersteigt.
Der auffälligste Punkt bleibt dennoch auf der Kapitalseite:
Von nominal 1,4 Millionen Euro Kommanditeinlagen sind weiterhin nur 420.000 Euro eingefordert. 980.000 Euro beziehungsweise 70 Prozent bleiben nicht eingefordert.
Für Anleger ist deshalb nicht nur entscheidend, wie schnell der Windpark seine bestehenden Kredite weiter tilgt.
Ebenso interessant ist die Frage, warum ein so großer Teil der vorgesehenen Kommanditeinlagen bislang nicht eingefordert wurde – und ob dieses Kapital bei einem zukünftigen Finanzierungsbedarf tatsächlich mobilisiert werden könnte.
Solange diese Frage offenbleibt und zugleich keine Gewinn- und Verlustrechnung vorliegt, lässt sich die wirtschaftliche Stärke des Windparks aus der veröffentlichten Bilanz nicht abschließend beurteilen.
Der Trend bei den Schulden zeigt allerdings klar in eine Richtung: nach unten.