Dark Mode Light Mode

PROKON Windpark Dennin: Umsatz steigt – doch negatives Eigenkapital und hohe Schulden bleiben Warnsignale

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2025 der PROKON Windpark Dennin GmbH & Co. KG zeichnet ein gemischtes Bild. Operativ hat sich der Windpark gegenüber dem Vorjahr erkennbar verbessert: Die Umsätze sind gestiegen, die laufenden betrieblichen Aufwendungen deutlich gesunken und der Jahresverlust wurde kräftig reduziert. Aus Sicht von Anlegern gibt es dennoch keinen Anlass zur Entwarnung. Denn die Gesellschaft schreibt weiterhin rote Zahlen, das Eigenkapital ist rechnerisch aufgezehrt und mehr als 21 Millionen Euro Verbindlichkeiten stehen in der Bilanz.

Besonders bemerkenswert: Ein nicht unerheblicher Teil der Erlöse des Jahres 2025 stammt aus Kompensationen für Ertragsausfälle.

Umsatz wächst – Verlust deutlich reduziert

Zunächst die positive Entwicklung: Die Umsatzerlöse stiegen von rund 2,20 Millionen Euro auf 2,36 Millionen Euro, ein Plus von gut sieben Prozent.

Noch stärker fällt die Verbesserung beim Jahresergebnis ins Gewicht. Nach einem Fehlbetrag von 634.211 Euro im Jahr 2024 reduzierte sich der Verlust 2025 auf 202.318 Euro. Damit wurde das Minus um rund zwei Drittel verringert.

Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen kräftig zurück: von rund 768.000 Euro auf 536.000 Euro.

Das zeigt: Die Ergebnisentwicklung bewegt sich zumindest in die richtige Richtung. Profitabel ist die Projektgesellschaft allerdings weiterhin nicht.

Auffällig: 353.000 Euro aus Kompensationen für Ertragsausfall

Ein genauerer Blick auf die Umsätze ist für Anleger besonders interessant.

Von den insgesamt rund 2,364 Millionen Euro Umsatz entfielen laut Jahresabschluss etwa 1,918 Millionen Euro auf Einspeisevergütungen. Weitere 51.000 Euro kamen aus Marktprämien und 42.000 Euro aus Direktvermarktungsentgelt.

Daneben weist PROKON allerdings 353.000 Euro Kompensationen für Ertragsausfall aus.

Im Vorjahr waren es lediglich rund 25.000 Euro.

Damit haben sich diese Kompensationen innerhalb eines Jahres um rund 328.000 Euro erhöht. Rechnerisch entsprechen die 353.000 Euro fast 15 Prozent des gesamten Jahresumsatzes.

Das sollte nicht automatisch negativ interpretiert werden: Entschädigungen können wirtschaftlich legitime Erlöse darstellen. Für die Beurteilung der nachhaltigen Ertragskraft ist die Größenordnung aber relevant. Anleger sollten wissen wollen, warum die Ertragsausfälle entstanden sind, ob es sich um einmalige Vorgänge handelt und welche Stromproduktion ohne diese Ausfälle erreicht worden wäre.

Eigenkapital rechnerisch aufgezehrt

Deutlich kritischer sieht die Kapitalseite aus.

Das Festkapital beträgt lediglich 10.000 Euro. Dem stehen negative variable Kapitalkonten von rund 1,152 Millionen Euro sowie der Jahresfehlbetrag von rund 202.000 Euro gegenüber.

Insgesamt ergibt sich ein negativer Kapitalstand von rund

1,344 Millionen Euro.

In der Bilanz erscheint deshalb auf der Aktivseite ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“ in genau dieser Höhe.

Im Vorjahr waren es rund 1,142 Millionen Euro. Die rechnerische Unterdeckung hat sich damit 2025 um weitere gut 202.000 Euro erhöht.

Für Anleger ist das eine der wichtigsten Zahlen des gesamten Abschlusses.

Dabei muss allerdings sauber differenziert werden: Ein solcher Bilanzausweis bedeutet bei einer GmbH & Co. KG nicht automatisch Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz. Er zeigt aber sehr deutlich, dass die kumulierten Verluste das entsprechende Kapital aufgezehrt haben.

21,35 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Hinzu kommt eine erhebliche Fremdfinanzierung. Zum Jahresende standen insgesamt rund 21,35 Millionen Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz.

Davon entfielen:

  • rund 15,69 Millionen Euro auf Bankverbindlichkeiten,
  • rund 5,64 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen,
  • rund 26.600 Euro auf Lieferungen und Leistungen.

Positiv ist, dass die Bankschulden zurückgeführt werden. Ende 2024 waren noch rund 16,75 Millionen Euro gegenüber Kreditinstituten ausgewiesen. Innerhalb eines Jahres sank der Betrag damit um rund 1,07 Millionen Euro.

Das spricht für eine laufende Tilgung der Projektfinanzierung.

Gleichzeitig erhöhten sich jedoch die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen von rund 5,54 auf 5,64 Millionen Euro.

Mehr als 14 Millionen Euro laufen länger als fünf Jahre

Auch die Laufzeiten sind bemerkenswert. Von den gesamten Verbindlichkeiten haben rund 14,12 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Allein bei den Bankdarlehen sind es rund 10,36 Millionen Euro. Hinzu kommen 3,764 Millionen Euro langfristige Verpflichtungen gegenüber verbundenen Unternehmen.

Das ist bei langfristig finanzierten Windenergieprojekten grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist vielmehr, ob die zukünftigen Stromerlöse ausreichend sind, um Zinsen, Tilgung, Wartung, Pachten und weitere Betriebskosten dauerhaft zu bedienen.

Genau deshalb ist die Ertragskraft des Windparks für Anleger so wichtig.

Zinslast frisst einen großen Teil des operativen Ergebnisses

2025 musste die Gesellschaft rund 594.000 Euro Zinsaufwendungen tragen. Im Vorjahr waren es noch knapp 646.000 Euro.

Der Rückgang ist positiv. Trotzdem bleibt die Belastung hoch.

Zum Vergleich: Von 2,36 Millionen Euro Umsatz flossen rechnerisch rund 25 Prozent des Umsatzes allein in Zinsaufwendungen.

Dazu kommen Abschreibungen von 1,442 Millionen Euro und sonstige betriebliche Aufwendungen von rund 536.000 Euro.

Das erklärt, warum selbst bei gestiegenen Umsätzen unter dem Strich erneut ein Verlust steht.

Die Windanlagen verlieren bilanziell weiter an Wert

Der größte Vermögensposten sind erwartungsgemäß die technischen Anlagen und Maschinen. Ihr Buchwert sank von rund 19,86 Millionen Euro auf 18,45 Millionen Euro.

Zusammen mit den immateriellen Vermögensgegenständen verfügt die Gesellschaft über Anlagevermögen von rund 18,87 Millionen Euro.

Der Rückgang ist im Wesentlichen Folge planmäßiger Abschreibungen. Insgesamt wurden 2025 rund 1,442 Millionen Euro abgeschrieben.

Das ist zunächst kein ungewöhnlicher Vorgang: Windenergieanlagen werden über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Für Anleger ist dennoch entscheidend, wie lange die Anlagen technisch und wirtschaftlich noch betrieben werden können und welche Erträge während dieser Zeit zu erwarten sind.

Liquidität verbessert sich

Ein positives Signal liefert der Bankbestand. Die liquiden Mittel stiegen von rund 629.000 Euro auf 838.000 Euro.

Zusammen mit Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen verfügte die Gesellschaft über ein Umlaufvermögen von rund 1,185 Millionen Euro, gegenüber 895.000 Euro im Vorjahr.

Dem stehen allerdings kurzfristige Verbindlichkeiten von rund 2,97 Millionen Euro gegenüber.

Ein einfacher Vergleich dieser Bilanzpositionen zeigt damit weiterhin eine erhebliche Differenz. Das allein erlaubt zwar noch keine Aussage über eine Zahlungsunfähigkeit – dafür wären unter anderem Zahlungsströme, Fälligkeiten und verfügbare Finanzierungszusagen zu untersuchen –, für Anleger ist die kurzfristige Liquiditätsplanung aber ein Punkt, der näher betrachtet werden sollte.

Weitere 2,5 Millionen Euro Verpflichtungen aus Wartungsvertrag

Nicht sämtliche wirtschaftlichen Verpflichtungen stehen unmittelbar als Verbindlichkeiten in der Bilanz.

Im Anhang nennt die Gesellschaft zusätzlich sonstige finanzielle Verpflichtungen von rund 2,499 Millionen Euro. Sie resultieren aus einem Wartungsvertrag für die Windenergieanlagen.

Diese Zahl sollte nicht einfach zu den 21,35 Millionen Euro bilanziellen Verbindlichkeiten addiert werden, da es sich um zukünftige vertragliche Verpflichtungen anderer Art handelt. Wirtschaftlich sind sie dennoch relevant.

Die Zahlungen erstrecken sich laut Abschluss über die Laufzeit des Windparks und hängen teilweise von der erzeugten Strommenge ab.

Banken haben umfangreiche Sicherheiten

Auch die Besicherung der Finanzierung verdient Aufmerksamkeit.

Die Bankverbindlichkeiten sind laut Jahresabschluss in voller Höhe besichert. Als Sicherheiten dienen unter anderem die Windparkinfrastruktur sowie abgetretene Ansprüche aus Stromvergütungen, Versicherungen und Projektverträgen. Hinzu kommen Dienstbarkeiten und Vormerkungen.

Das ist bei Projektfinanzierungen nicht ungewöhnlich. Für Anleger zeigt es jedoch, dass die finanzierenden Banken umfangreiche Zugriffs- und Sicherungsrechte besitzen.

Die entscheidende Frage: Wann erreicht Dennin die Gewinnzone?

Der Abschluss 2025 lässt sich daher nicht einfach als gut oder schlecht einstufen.

Auf der positiven Seite stehen steigende Umsätze, sinkende betriebliche Aufwendungen, geringere Zinskosten, eine planmäßige Rückführung der Bankschulden und höhere liquide Mittel. Besonders deutlich ist die Verbesserung beim Jahresverlust: Statt 634.000 Euro fehlen nur noch rund 202.000 Euro zur schwarzen Null.

Auf der anderen Seite stehen ein weiterhin negatives Jahresergebnis, ein auf rund 1,34 Millionen Euro angewachsener nicht gedeckter Verlustanteil, 21,35 Millionen Euro Verbindlichkeiten und zusätzliche langfristige Wartungsverpflichtungen.

Hinzu kommt die ungewöhnlich starke Zunahme der Kompensationen für Ertragsausfälle.

Anleger sollten deshalb genauer hinsehen

Für eine fundierte Bewertung wären vor allem Antworten auf einige Fragen wichtig: Was steckt konkret hinter den 353.000 Euro Ertragsausfall-Kompensationen? Wie hoch waren Stromproduktion und technische Verfügbarkeit des Windparks? Welche Ergebnisse erwartet die Gesellschaft für 2026 und die Folgejahre? Wie entwickeln sich Zins und Tilgung? Und wann soll das negative Kapitalkonto wieder aufgeholt werden?

Fazit: Der PROKON Windpark Dennin hat 2025 einen deutlichen Schritt in Richtung Ergebnisverbesserung gemacht. Von finanzieller Entspannung kann anhand des veröffentlichten Abschlusses aber noch keine Rede sein. Besonders das negative Kapitalpolster und die hohe Fremdfinanzierung bleiben aus Anlegersicht Punkte, die aufmerksam beobachtet werden sollten. Gleichzeitig wäre es falsch, aus diesen Zahlen allein eine akute wirtschaftliche Schieflage oder gar Insolvenzgefahr abzuleiten – dafür liefert der veröffentlichte Jahresabschluss nicht genügend Informationen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

„Rocky Horror“-Ikone Tim Curry ist tot – Abschied von einem Meister der exzentrischen Rollen

Next Post

SFOC Finanzberatung UG: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen