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Trump blickt nach Australien: Kommt die Pflicht zur privaten Altersvorsorge in den USA?

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay

Die Finanzierung des Ruhestands entwickelt sich in den Vereinigten Staaten zu einem immer größeren Problem. Das staatliche Rentensystem Social Security steht unter finanziellem Druck. Gleichzeitig verfügen längst nicht alle Arbeitnehmer über zusätzliche private oder betriebliche Rücklagen.

Die Trump-Regierung beschäftigt sich deshalb mit dem australischen Altersvorsorgesystem. Trump erklärte bereits im Juli, seine Regierung befasse sich „sehr ernsthaft“ mit dem Modell und wolle darüber mit dem Kongress sprechen.

Australien setzt auf verpflichtende Vorsorge

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Ländern liegt in der zusätzlichen Altersvorsorge.

In Australien müssen Arbeitgeber Beiträge in Höhe von 12 Prozent des Arbeitsentgelts ihrer Beschäftigten in sogenannte Superannuation-Konten einzahlen. Arbeitnehmer bauen damit während ihres Berufslebens eigenes Altersvorsorgevermögen auf.

Ergänzt wird dieses System durch die staatliche Age Pension. Sie dient vor allem dazu, Menschen abzusichern, deren Einkommen und Vermögen im Ruhestand nicht ausreichen.

Das australische Modell verbindet damit zwei Elemente: eine staatliche Absicherung gegen Altersarmut und einen weitgehend verpflichtenden Aufbau von privatem Vorsorgekapital.

Social Security steht vor Finanzierungsproblemen

Der Reformdruck in den USA ist erheblich. Social Security finanziert sich im Wesentlichen über laufende Beiträge der Beschäftigten und Arbeitgeber. Gleichzeitig werden die angesammelten Reserven des Systems zunehmend aufgezehrt.

Ohne politische Gegenmaßnahmen könnten die vorhandenen Reserven Anfang der 2030er-Jahre erschöpft sein. Social Security würde deshalb nicht vollständig verschwinden. Die laufenden Einnahmen könnten aber nicht mehr ausreichen, um sämtliche zugesagten Leistungen in bisheriger Höhe zu bezahlen.

Parallel besteht eine zweite Lücke: Viele Beschäftigte sparen nicht oder nur wenig über betriebliche Altersvorsorgeprogramme wie den 401(k) für ihren Ruhestand.

Genau hier könnte ein stärker am australischen Modell orientiertes System ansetzen.

Mehr Arbeitnehmer sollen ein Vorsorgekonto bekommen

Eine vollständige Übernahme des australischen Systems hat Trump bislang nicht angekündigt. Insbesondere gibt es noch keinen beschlossenen Plan, sämtliche amerikanischen Arbeitnehmer zu verpflichtenden Vorsorgebeiträgen nach australischem Vorbild zu verpflichten.

Die politische Richtung ist dennoch interessant: Der Zugang zu privaten Altersvorsorgekonten soll verbreitert werden, insbesondere für Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber bislang keinen klassischen 401(k)-Plan anbieten.

Daneben gewinnt die automatische Anmeldung zu Altersvorsorgeprogrammen an Bedeutung. Arbeitnehmer müssen dann nicht selbst aktiv werden, um mit dem Sparen zu beginnen. Stattdessen nehmen sie zunächst automatisch teil und können gegebenenfalls widersprechen.

Australien geht noch deutlich weiter: Dort ist der Aufbau zusätzlichen Altersvorsorgevermögens ein fester Bestandteil des Systems.

Wer trägt die Kosten?

Eine amerikanische Variante des australischen Modells würde allerdings eine grundlegende Verteilungsfrage aufwerfen.

Formal zahlen in Australien die Arbeitgeber die vorgeschriebenen Beiträge. Wirtschaftlich können höhere Arbeitgeberkosten jedoch Auswirkungen auf die Lohnentwicklung haben. Unternehmen könnten beispielsweise geringere Lohnerhöhungen gewähren, wenn gleichzeitig hohe verpflichtende Vorsorgebeiträge finanziert werden müssen.

Besonders kontrovers wäre eine solche Regelung bei niedrigen Einkommen.

Wer fast sein gesamtes verfügbares Einkommen für Miete, Lebensmittel, Energie und andere laufende Kosten benötigt, hat kurzfristig möglicherweise wenig Spielraum zum Sparen. Eine verpflichtende Altersvorsorge könnte deshalb die aktuelle finanzielle Belastung erhöhen.

Auf der anderen Seite verhindert eine Sparpflicht, dass Arbeitnehmer jahrzehntelang überhaupt kein eigenes Altersvorsorgevermögen aufbauen.

Social Security dürfte nicht einfach verschwinden

Eine vollständige Ablösung von Social Security durch das australische System wäre ohnehin schwierig.

Millionen Amerikaner haben über Jahrzehnte Beiträge entrichtet und dadurch Ansprüche erworben. Diese Verpflichtungen verschwinden nicht, wenn für jüngere Arbeitnehmer ein neues Vorsorgesystem eingeführt wird.

Hinzu kommt ein grundlegender Unterschied: Die australische Age Pension ist stärker als bedürftigkeitsabhängige Grundabsicherung konzipiert. Social Security dagegen ist für viele Amerikaner ein zentraler Bestandteil ihres regulären Alterseinkommens.

Ein Wechsel müsste deshalb vermutlich über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte erfolgen.

Wahrscheinlicher wäre ein Mischmodell

Denkbar wäre stattdessen eine Kombination: Social Security bleibt als staatliche Basisabsicherung bestehen, während gleichzeitig nahezu jeder Arbeitnehmer verpflichtet wird, zusätzlich eigenes Vorsorgekapital aufzubauen.

Damit würde das amerikanische Rentensystem stärker auf mehrere Säulen verteilt.

Eine solche Reform könnte langfristig auch erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Wenn Millionen zusätzliche Arbeitnehmer regelmäßig Geld in Vorsorgekonten einzahlen, würden große Summen in langfristige Kapitalanlagen fließen.

Für Beschäftigte würde sich zugleich die Bedeutung der privaten Altersvorsorge verändern. Sie wäre nicht mehr hauptsächlich davon abhängig, ob der jeweilige Arbeitgeber einen attraktiven 401(k)-Plan anbietet.

Noch ist nichts entschieden

Trumps Interesse am australischen Modell bedeutet bislang weder die Abschaffung von Social Security noch die beschlossene Einführung einer Sparpflicht.

Die Debatte zeigt aber, in welche Richtung eine größere amerikanische Rentenreform gehen könnte: weniger alleinige Abhängigkeit von Social Security und gleichzeitig ein deutlich breiterer Aufbau individuellen Altersvorsorgevermögens.

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