„Finanzielle Freiheit“, „raus aus dem Hamsterrad“ oder „werde dein eigener Chef“: Mit solchen Versprechen werben zahlreiche selbst ernannte Coaches in sozialen Netzwerken für ihre Programme. Interessenten wird häufig suggeriert, sie könnten mit wenig Aufwand ein eigenes Online-Geschäft aufbauen und damit hohe Einkommen erzielen. Doch hinter manchen Angeboten steckt vor allem ein lukratives Geschäftsmodell für die Anbieter selbst.
Online-Coachings werden besonders intensiv über Plattformen wie TikTok, Instagram oder andere soziale Netzwerke beworben. Videos zeigen vermeintlich erfolgreiche Unternehmer, ein luxuriöses Leben oder Menschen, die angeblich innerhalb kurzer Zeit finanziell unabhängig geworden sind.
Der Einstieg wirkt zunächst unverbindlich. Häufig wird ein kostenloses Erstgespräch angeboten. Das eigentliche Coaching kann anschließend jedoch mehrere tausend Euro kosten.
„Coach“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung
Grundsätzlich sind Online-Coachings nicht unseriös. Es gibt durchaus Fachleute, die über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen verfügen und diese gegen Bezahlung vermitteln.
Problematisch ist allerdings, dass die Berufsbezeichnung „Coach“ weder in Deutschland noch in Österreich gesetzlich geschützt ist. Grundsätzlich kann sich daher nahezu jeder als Coach bezeichnen und entsprechende Programme anbieten. Interessenten sollten deshalb genau prüfen, welche Qualifikationen und Erfahrungen hinter einem Angebot stehen.
Kostenloses Erstgespräch kann zum Verkaufsgespräch werden
Der Verkauf beginnt häufig mit einem vermeintlich unverbindlichen Gespräch. Zunächst erkundigt sich der Anbieter nach der persönlichen oder finanziellen Situation sowie nach den beruflichen Zielen.
Im Laufe des Gesprächs kann daraus jedoch ein Verkaufsgespräch werden. Teilweise wird erheblicher psychischer Druck aufgebaut. Interessenten erhalten noch während eines Video-Calls einen Link und sollen den Vertrag möglichst sofort abschließen.
Für eine sorgfältige Prüfung der Vertragsbedingungen, des Leistungsumfangs und des Kleingedruckten bleibt dann kaum Zeit.
Ein seriöses Angebot sollte Interessenten dagegen ausreichend Zeit geben, Preis, Leistungen und Vertragsbedingungen in Ruhe zu prüfen.
Mehrere tausend Euro für Videos, PDFs und Gruppen-Chats
Erst nach dem Vertragsabschluss erkennen manche Kunden, was sie tatsächlich für ihr Geld erhalten. Statt der erwarteten persönlichen Betreuung bestehen die Programme teilweise überwiegend aus bereits aufgezeichneten Videos, PDFs, Arbeitsblättern, allgemeinen Lernmodulen, Gruppen-Chats oder gemeinsamen Video-Konferenzen.
Eine individuelle Beratung kann zwar Bestandteil eines solchen Programms sein, fällt mitunter aber erheblich geringer aus, als es Interessenten aufgrund der Werbung erwartet hatten.
Besonders problematisch wird es, wenn für diese Leistungen mehrere tausend Euro verlangt werden und die Kunden langfristige Zahlungsverpflichtungen eingegangen sind.
Versprochener finanzieller Erfolg bleibt möglicherweise aus
Auch hohe Einkommensversprechen sollten kritisch betrachtet werden. Der Kauf eines Coachings garantiert weder den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens noch ein bestimmtes Einkommen.
Bleibt der versprochene Erfolg aus, wird Teilnehmern nach den geschilderten Erfahrungen teilweise vermittelt, sie hätten die Methoden nicht konsequent genug umgesetzt oder nicht ausreichend Zeit investiert.
Anschließend können weitere kostenpflichtige Kurse, Veranstaltungen oder Zusatzpakete angeboten werden. Aus einem bereits teuren Coaching können dadurch noch höhere finanzielle Belastungen entstehen.
Bestimmte Zielgruppen werden gezielt angesprochen
Die Werbung richtet sich teilweise an Menschen, die ihre finanzielle oder berufliche Situation verbessern möchten. Beispielsweise werden Mütter angesprochen, denen ein gut bezahltes Einkommen von zu Hause aus versprochen wird. Jungen Männern wird mitunter ein Leben mit Luxus und finanzieller Unabhängigkeit in Aussicht gestellt.
Gerade für Menschen, die ohnehin finanziell unter Druck stehen, können Coachingkosten von mehreren tausend Euro erhebliche Folgen haben.
Diese Warnzeichen sollten Interessenten kennen
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn außergewöhnlich hohe Einnahmen, schnelles Geld oder ein weitgehend passives Einkommen versprochen werden. Auch unklare Leistungsbeschreibungen sind ein Warnzeichen: Wird ausführlich über mögliche Einkünfte gesprochen, aber kaum erklärt, welche konkreten Leistungen der Kunde für sein Geld erhält, sollte der Vertrag besonders kritisch geprüft werden.
Interessenten sollten außerdem unabhängig recherchieren, welche Ausbildung und beruflichen Erfahrungen ein Coach tatsächlich besitzt. Positive Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer allein sind kein ausreichender Nachweis für die Qualität oder Seriosität eines Angebots.
Misstrauen ist ebenfalls angebracht, wenn während eines Verkaufsgesprächs Druck aufgebaut wird und der Vertrag sofort unterschrieben werden soll.
Bei Ratenzahlungen sollte zudem nicht nur auf die monatliche Belastung geschaut werden. Entscheidend ist der Gesamtpreis des Coachings. Eine auf den ersten Blick überschaubare Monatsrate kann sich über die gesamte Vertragslaufzeit zu mehreren tausend Euro summieren.
Coaching bereits gebucht: Vertrag und Widerrufsrecht prüfen
Wer bereits ein teures Online-Coaching abgeschlossen hat und anschließend Zweifel an dem Angebot bekommt, sollte den Vertrag und die vereinbarten Leistungen genau prüfen und sich gegebenenfalls rechtlich beraten lassen.
Auch die Behauptung eines Anbieters, der Kunde habe auf sein Widerrufsrecht verzichtet, bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich kein Widerrufsrecht mehr besteht. Die rechtliche Beurteilung hängt von den konkreten Umständen des Vertragsabschlusses ab.
Deshalb gilt insbesondere bei hochpreisigen Online-Coachings: Nicht von Erfolgsversprechen und Zeitdruck zu einer schnellen Unterschrift verleiten lassen. Erst Leistungen, Gesamtkosten, Vertragsbedingungen und den Anbieter prüfen – und erst danach entscheiden.