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WestWind-Windpark 115: Schulden sinken – doch Forderungen gegen Gesellschafter wachsen auf über 1,4 Millionen Euro

geralt (CC0), Pixabay

Die 115. WestWind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf zeigt im Jahresabschluss 2024 eine insgesamt stabile finanzielle Entwicklung. Der Windpark baut seine Bankverbindlichkeiten weiter ab, verfügt über eine solide Liquiditätsbasis und hält das Eigenkapital konstant. Gleichzeitig fällt – wie bereits bei mehreren anderen Gesellschaften der WestWind-Gruppe – ein erheblicher Anstieg der Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern auf. Gerade dieser Bilanzposten verdient aus Sicht von Anlegern besondere Aufmerksamkeit.

Bilanzsumme geht um rund 600.000 Euro zurück

Zum 31. Dezember 2024 verringerte sich die Bilanzsumme von 7,59 Millionen Euro auf 6,99 Millionen Euro. Der Rückgang um rund 600.000 Euro resultiert im Wesentlichen aus den planmäßigen Abschreibungen auf die Windenergieanlagen sowie der weiteren Tilgung von Finanzverbindlichkeiten.

Für einen bereits seit Jahren betriebenen Windpark ist diese Entwicklung grundsätzlich typisch.

Anlagevermögen nimmt durch Abschreibungen ab

Das Anlagevermögen reduzierte sich von 5,51 Millionen Euro auf 4,76 Millionen Euro.

Es setzt sich zusammen aus:

  • 4,64 Millionen Euro Sachanlagen,
  • 114.313 Euro immateriellen Vermögensgegenständen,
  • 1 Euro Finanzanlagen.

Die Windenergieanlagen verlieren damit erwartungsgemäß an Buchwert, ohne dass dies automatisch Rückschlüsse auf ihre technische Leistungsfähigkeit zulässt.

Weitere Entschuldung stärkt die Bilanz

Positiv entwickelt sich erneut die Verschuldung.

Die gesamten Verbindlichkeiten sanken von 6,49 Millionen Euro auf 5,98 Millionen Euro.

Davon entfallen:

  • 651.443 Euro auf kurzfristige Verpflichtungen,
  • 5,33 Millionen Euro auf langfristige Darlehen.

Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren reduzierten sich auf 3,55 Millionen Euro nach 3,99 Millionen Euro im Vorjahr.

Der kontinuierliche Schuldenabbau verbessert langfristig die finanzielle Stabilität der Gesellschaft und reduziert zukünftige Zinsbelastungen.

Eigenkapital bleibt unverändert

Das Eigenkapital beträgt weiterhin 750.000 Euro.

Die Kommanditisten haben unverändert 750.000 Euro eingezahlt. Weitere 1,15 Millionen Euro an Kommanditeinlagen wurden bislang nicht eingefordert.

Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird – wie bei vielen vergleichbaren Projektgesellschaften – nicht ausgewiesen.

Forderungen gegen Gesellschafter steigen deutlich

Besonders auffällig ist erneut die Entwicklung der Forderungen.

Die gesamten Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich auf 1,74 Millionen Euro.

Davon entfallen 1,41 Millionen Euro auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern.

Im Vorjahr lagen diese noch bei knapp 973.000 Euro.

Damit stiegen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern innerhalb eines Jahres um rund 433.000 Euro beziehungsweise um fast 45 Prozent.

Für Anleger ist dies der wichtigste kritische Punkt der Bilanz.

Grundsätzlich können Forderungen gegenüber Gesellschaftern aus konzerninternen Finanzierungen, Darlehen oder Ergebnisverrechnungen entstehen. Der veröffentlichte Jahresabschluss enthält jedoch keinerlei Erläuterung zu Herkunft, Laufzeit oder Rückzahlungsmodalitäten dieser Forderungen.

Da mehr als 80 Prozent aller Forderungen inzwischen gegenüber dem eigenen Gesellschafterkreis bestehen, bleibt deren tatsächliche Werthaltigkeit für außenstehende Investoren nur eingeschränkt nachvollziehbar.

Liquidität bleibt solide

Die liquiden Mittel gingen zwar leicht zurück.

Die Bankguthaben betragen zum Bilanzstichtag 453.820 Euro nach 397.991 Euro im Vorjahr.

Trotz der laufenden Darlehen verfügt die Gesellschaft damit weiterhin über eine ausreichende Liquiditätsreserve für den laufenden Geschäftsbetrieb.

Rückstellungen nahezu halbiert

Die Rückstellungen reduzierten sich deutlich von 334.981 Euro auf 181.976 Euro.

Dies kann darauf hindeuten, dass frühere Verpflichtungen erfüllt wurden oder sich erwartete Risiken geringer entwickelt haben als zunächst angenommen.

Mangels veröffentlichter Gewinn- und Verlustrechnung lässt sich die genaue Ursache allerdings nicht nachvollziehen.

Passive latente Steuern steigen erheblich

Während die aktiven latenten Steuern leicht zurückgingen, erhöhten sich die passiven latenten Steuern deutlich von 19.130 Euro auf 85.060 Euro.

Latente Steuern entstehen aus unterschiedlichen handels- und steuerrechtlichen Bewertungsansätzen und führen zunächst nicht zu unmittelbaren Zahlungsabflüssen.

Der starke Anstieg zeigt jedoch, dass sich diese Bewertungsunterschiede im Geschäftsjahr deutlich verändert haben.

Banken verfügen über umfangreiche Sicherheiten

Die Kreditverbindlichkeiten sind umfangreich abgesichert.

Für Darlehen bestehen Sicherheiten in Höhe von 5,77 Millionen Euro.

Zusätzlich wurde für den späteren Rückbau der Windenergieanlage eine Bankbürgschaft über 161.000 Euro gestellt, die wiederum durch ein Pfandrecht an der Windenergieanlage abgesichert ist.

Diese Konstruktion reduziert das Risiko der finanzierenden Banken erheblich.

Keine eigenen Mitarbeiter

Wie viele Windpark-Projektgesellschaften beschäftigt auch die 115. WestWind Windpark GmbH & Co. KG keine eigenen Arbeitnehmer.

Die Geschäftsführung erfolgt über die Westwind Verwaltungs GmbH.

Dieses Modell ermöglicht einen kostengünstigen Betrieb mit geringer Verwaltungsstruktur.

Begrenzte Transparenz erschwert die Bewertung

Die Gesellschaft nutzt die gesetzlichen Offenlegungserleichterungen für kleine Personengesellschaften.

Dadurch bleiben wesentliche Informationen verborgen:

  • Wie hoch waren die Umsätze aus der Stromproduktion?
  • Welchen Jahresüberschuss erwirtschaftete der Windpark tatsächlich?
  • Wie hoch waren die Finanzierungskosten?
  • Warum nahmen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern erneut deutlich zu?

Gerade diese Informationen wären für Investoren entscheidend, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit umfassend beurteilen zu können.

Kritische Bewertung aus Anlegersicht

Die Bilanz zeigt zahlreiche positive Entwicklungen:

  • kontinuierlicher Schuldenabbau,
  • stabile Eigenkapitalbasis,
  • sinkende Rückstellungen,
  • ausreichende Liquidität.

Gleichzeitig wächst jedoch erneut der Anteil der Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern erheblich.

Ohne zusätzliche Angaben bleibt offen, ob diese Forderungen kurzfristig realisiert werden können oder langfristig Kapital im Gesellschafterkreis binden.

Aus Sicht eines vorsichtigen Anlegers wäre hier deutlich mehr Transparenz wünschenswert.

Fazit

Die 115. WestWind Windpark GmbH & Co. KG entwickelt sich bilanziell weiterhin stabil. Die Finanzierung verbessert sich durch den fortgesetzten Abbau der Darlehen, während die Liquidität ausreichend erscheint und das Eigenkapital konstant bleibt.

Der deutlich gestiegene Bestand an Forderungen gegenüber Gesellschaftern bleibt jedoch der zentrale Unsicherheitsfaktor. Solange hierzu keine weitergehenden Erläuterungen veröffentlicht werden, lässt sich die tatsächliche Qualität eines wesentlichen Teils des Umlaufvermögens nur eingeschränkt beurteilen.

Insgesamt vermittelt die Bilanz den Eindruck eines wirtschaftlich solide geführten Windparks. Für eine fundierte Anlegerbewertung wären jedoch mehr Transparenz über die Ertragslage und die konzerninternen Finanzierungsstrukturen wünschenswert.

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